Finger weg von Rotbarsch und Seeteufel, sagt Greenpeace. Denn wenn wir sie weiter verzehren, sind diese Fische bald ganz weg. Welchen Fisch wir trotz überfischter Meere weiter essen dürfen, erklärt der Einkaufs-Ratgeber der Umweltschutzorganisation.
Die Untiefen der Ozeane sind für den Menschen praktisch unerreichbar. Den schmackhaften Fisch allerdings zerren wir unerbittlich und ziemlich erfolgreich aus den Meeren: Viele Fischbestände sind bedroht. Damit wir wissen, welche Meeresbewohner verschwinden werden, wenn wir so weiter machen, und welchen Fisch wir weiter unbesorgt verzehren können, gibt Greenpeace alljährlich seinen Einkaufs-Ratgeber heraus.
Ohne schlechtes Gewissen sind nach Erkenntnissen der Umweltschützer nur noch Karpfen, Pangasius und Forelle zu genießen, wie Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn am Vormittag in Hamburg bei der Vorstellung des neuen Ratgebers «Fisch - bedroht, aber beliebt» sagte. Auf Rotbarsch, Scholle oder Seeteufel sollte verzichtet werden. Sie gehörten derzeit nicht auf den Teller, ebenso wie der Dornhai, der auch als Seeaal oder Schillerlocke angeboten wird.
Genauer hinschauen sollten umweltbewusste Verbraucher bei Kabeljau, Heilbutt oder Dorade. Bei diesen Fischen hängt es laut Menn von Fanggebiet und Fangmethode ab, ob ihr Kauf noch vertretbar ist. Der in Deutschland sehr beliebte Hering sollte nicht aus dem Nordostatlantik oder der Nordsee kommen. Auch Fänge in verschiedenen Teilen von Ostsee und im Atlantik seien nicht vertretbar.
Den stark zurückgegangenen Beständen des in Deutschland besonders gern gekauften Alaska-Seelachs' droht nach Menns Einschätzung sogar der Zusammenbruch. Eine ähnliche Entwicklung hatte es Anfang der 1990er Jahre beim Kabeljau vor Kanada gegeben. Greenpeace rät beim Alaska-Seelachs sogar von Produkten ab, die das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) tragen, das für nachhaltige Fischerei steht. Alaska-Seelachs (Polock) wird zum Beispiel zu Fischstäbchen verarbeitet. «Hier können wir MSC nicht unterstützen», sagt Menn. Als Alternative sollten Fischstäbchen aus Pangasius bevorzugt werden.
«Die Lage der Fischbestände ist weltweit nach wie vor dramatisch», sagte die Meeresexpertin. Die Politik schaffe es nicht, sich gegen die Front aus Fischereiländern, Industrie und Handel durchzusetzen. Die Verbraucher könnten jedoch mit ihrem Kauf dem Handel zeigen, dass sie ein umweltfreundliches Angebot im Laden wollten.
Jeder Deutsche isst Greenpeace zufolge durchschnittlich 15,6 Kilogramm Fisch pro Jahr. Alaska-Seelachs, Hering und Lachs stehen dabei ganz oben auf dem Einkaufszettel. Dabei bevorzugen die Kunden tiefgekühlten Fisch (36 Prozent). Auf den Plätzen folgen Dosen und Marinaden mit 31 Prozent sowie Frischfisch mit 8 Prozent. 86 Prozent der Ware wird importiert.
Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO werden von den weltweit kommerziell genutzten Fischbeständen 52 Prozent bis an ihre Grenze genutzt, 19 Prozent sind überfischt und sieben Prozent bereits erschöpft.
Der Fischratgeber ist bei Greenpeace in Hamburg kostenlos als 27-seitiges Heft erhältlich sowie als Taschenformat für die Brieftasche. Er umfasst die Untersuchung von rund 70 Fischarten sowie 250 Fischbestände und 40 Aquakulturen.
iwi/kat/news.de/ddp
Viele Gewässer, insbesondere die Meere sind überfischt. Viele Arten sind wegen zu hoher Fangquoten und umweltzerstörender Fangtechniken nahezu ausgerottet. Aquafarmen sind keine Alternative, da sie im höchsten Maße umweltgefährdend und tierquälerisch sind. Weltweit werden so ca. 16 Mio. Tonnen Fisch gezüchet. Meist wird nur eine einzige Art in Monokultur mit umfangreicher Technik und Chemikalien auf engstem Raum herangezogen. Kraftfuttercocktails sollen die Fische schnellstmöglich verkaufsreif wachsen lassen. Die Stoffwechselprodukte der Fische verursachen eine explosionsartige Ausbreitung der Algen und eine ökologische Zerstörung des Gewässers.
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