Die Bologna-Reform an den deutschen Hochschulen unterliegt derzeit heftiger Kritik. Überfrachtete Lehre und Personalmangel werden am häufigsten genannt. Beide Probleme sind vor allem finanzieller Natur.
Viele staatliche Hochschulen schätzen ihre finanzielle Lage äußerst kritisch ein. Nach einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young sehen ein Viertel der Betroffenen die Finanzausstattung als nicht ausreichend oder sogar existenzgefährdend an. Befragt wurden die Kanzler und Vizepräsidenten von bundesweit 281 Hochschulen. Sie erwägen unterschiedliche Konsequenzen, um der Misere zu begegnen.
Die Universitäten sehen sich gleichzeitig einem immer stärkeren Wettbewerb um Studierende, Lehrkräfte und finanzielle Mittel ausgesetzt. Um in diesem Wettbewerb langfristig mithalten zu können, wollen die staatlichen Hochschulen laut Studie versuchen, die Lehre zu verbessern, ihr Studienangebot zu profilieren und mehr Geld durch eigene wirtschaftliche Betätigung zu verdienen. Dafür wünschten sie sich mehr Selbstständigkeit und Entscheidungskompetenz, heißt es weiter in der Studie Hochschulen im Wettbewerb.
Insbesondere hinsichtlich der Studierenden (90 Prozent) und der Finanzmittel (87 Prozent) erwarteten die Hochschulen eine weitere Steigerung des Wettbewerbsdrucks. Um als Gewinner aus diesem Wettbewerb hervorzugehen, müssten sich die Einrichtungen stärker profilieren.
90 Prozent aller befragten Hochschulen wollten daher in erster Linie in die Verbesserung der Lehre investieren. 81 Prozent kündigten an, sie wollten ihr Studienangebot profilieren, beispielsweise mit dem Ausbau attraktiver Lehrfächer. Als weitere Möglichkeiten wurden genannt: regionale Kooperationen, internationale Partnerschaften oder auch ein Reduzieren des Lehrangebots. 78 Prozent der Universitäten gaben an, die Forschung stärken zu wollen.
Die dafür benötigten zusätzlichen Gelder erwarten die Hochschulen kaum noch vom Staat. Daher setzen sie verstärkt darauf, künftig aus eigener Kraft zusätzliche Finanzmittel zu generieren. Bereits jetzt sind mehr als ein Drittel (35 Prozent) der staatlichen Hochschulen im Fundraising aktiv, knapp die Hälfte (48 Prozent) planen aktuell solche Aktivitäten. Etwas mehr als ein Drittel (38 Prozent) der Hochschulen sind auch schon selbst wirtschaftlich tätig, ein weiteres Drittel (33 Prozent) plant noch, damit zusätzliches Geld zu verdienen.
Die Erhöhung von Studiengebühren ist für die Hochschulen dagegen kein Thema: 78 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die von den Studierenden zu entrichtenden Gebühren gleich bleiben oder sogar fallen werden. Um den Herausforderungen des sich verschärfenden Wettbewerbs gewachsen zu sein, wünschen sich aber 60 Prozent der staatlichen Hochschulen mehr Selbstständigkeit.
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