Mo., 13.02.12

Deutschtürken «Rückkehr ist eine Verschlechterung»

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Artikel vom 20.11.2009

Fast die Hälfte der Deutschtürken will in die Türkei zurückkehren, sagt eine Studie. Andreas Goldberg vom Zentrum für Türkeistudien hält das nicht für hieb- und stichfest. Junge Deutschtürken suchen nach ihren Wurzeln, weil sie hier noch immer «der Türke» sind.

42 Prozent der Deutschtürken planen laut einer Umfrage, in die Türkei zurückzukehren. Haben Sie auch diesen Eindruck?

Goldberg: Bei solchen Studien hängt es immer davon ab, wie man fragt. Oft werden Sachen aus dem Kontext herausgerissen. Als kritischer Leser muss man genau hinschauen. Denn wer spielt nicht mit dem Gedanken, etwas zu tun? Tatsache ist, dass immer weniger in die Türkei zurückkehren, und das sind eher Rentner, jüngere Menschen kaum. Die, die doch in die Türkei gehen, sind hochqualifizierte Leute, die dort wegen ihrer Ausbildung und ihrer Sprachkenntnisse gefragt sind.

Dennoch haben offenbar viele Leute bei der Umfrage entsprechend geantwortet. Romantisieren viele Deutschtürken ihre Heimat?

Goldberg: Auf der anderen Seite des Flusses ist das Gras immer grüner. Es hängt sicher damit zusammen, dass man die Türkei idealisiert. Die meisten Familien haben die Rückkehroption einfach immer im Hinterkopf: Irgendwann... Faktisch tun es die wenigsten, auch die Älteren richten sich ein, die Zahl der türkischen Friedhöfe steigt. Das sind wichtige Indikatoren. Es ist ja auch nicht so einfach, zurückzukehren, man verliert seine Rechte, seinen Aufenthaltsstatus hier in Deutschland. Für Türken ist eine Rückkehr in die Türkei mit einer Verschlechterung ihrer Lage verbunden.

Warum wird die Frage nach der Rückkehr ausgerechnet jetzt gestellt?

Goldberg: Die Integration der Türken hat seit geraumer Zeit wieder Konjunktur, nicht zuletzt wegen der Äußerungen von Sarrazin. Dazu kommt, dass vor knapp 50 Jahren das erste Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei geschlossen wurde.

Wer sind heute die «Türken in Deutschland»?

Goldberg: Die ersten, die mit 20 gekommen sind, sind jetzt Rentner. Gerade kommt schon die vierte Generation zur Welt. Die Türken in Deutschland sind eine sehr heterogene Gruppe, daher muss man den Integrationsprozess differenziert betrachten. Es gibt die Gastarbeiter der ersten Stunde, aber auch sehr gebildete Leute in führenden Positionen, Unternehmer. Da ist alles dabei. Wir führen seit zehn Jahren regelmäßig Befragungen durch und sehen, wie sich die Wahrnehmung verändert, auch die Religiosität. Bei jungen Leuten ist die Tendenz äußerst positiv, bei den Alten wird sich nicht mehr viel ändern. Sie kommen aus einem bestimmten Umfeld in ihrer Heimat, haben immer sehr sparsam gelebt, waren immer an einer Rückkehr orientiert, und auch sprachlich hat sich da wenig getan. Bei den jüngeren aber sieht man zum Beispiel an Sprachstandserhebungen, dass Integrationsmaßnahmen greifen.

Was sind die wesentlichen kulturellen Unterschiede, die eine Integration erschweren?

Goldberg: Die Religion ist der größte Unterschied zur Aufnahmegesellschaft. Aber der Grad der Religiosität schwankt sehr stark. 19 Prozent bezeichnen sich selbst als sehr religiös, aber 80 Prozent eben nicht. Wenn Sie fragen, was führt die Leute zur Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Werte, dann ist das oft die Suche überhaupt nach kulturellen Wurzeln. Es ist ja so, dass selbst Kinder von Türken, die hier geboren wurden und die deutsche Staatsangehörigkeit haben, immer noch als türkische Kinder betrachtet werden. Dabei sind sie deutsche Kinder, sind hier aufgewachsen, haben das deutsche Schulsystem durchlaufen. Das spiegelt sich natürlich in den jungen Leuten wider, die merken: «Ich habe das deutsche Abitur, aber bin immer noch der Türke.» Das bestimmt die Selbstwahrnehmung: Wir sind anders, wir sind nicht wie die Mehrzahl, haben andere Wurzeln. Manche suchen ihre Wurzeln in der Religion.

Wie sehen Sie Ihre Verantwortung im Zentrum für Türkeistudien?

Goldberg: Wir führen Erhebungen durch und tragen die Ergebnisse an die Politik weiter. Wir nehmen Stimmungen in der Gesellschaft wahr, das sind natürlich subjektive Einschätzungen, aber so eine Antenne braucht die Politik. Auf dieser Basis können Handlungen initiiert werden für bessere Integration. Davon hängt sozialer Frieden ab. In Deutschland sind wir in der glücklichen Situation, dass es eigentlich sehr friedlich läuft, ohne gewaltsame Auseinandersetzungen wie zum Beispiel in Frankreich.

Ihr Zentrum gibt es seit 25 Jahren. Was hat sich seitdem verändert?

Goldberg: Sehr viel. Der Status, aber auch die Selbstwahrnehmung Deutschlands – politisch und in den Köpfen der Menschen. Früher war es ein Tabu, über Deutschland als Einwanderungsland zu sprechen, das ist inzwischen anders. Es gibt eine Integrationskonferenz, eine Islamkonferenz, große repräsentative Moscheen, Friedhöfe und eine starke Präsenz von Türken in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Gibt es in Ihren Augen eher ein Nebeneinander oder ein Miteinander zwischen Deutschtürken und Deutschen?

Goldberg: Die Heiratsquote ist nicht so hoch, was häufig als Argument herangezogen wird, um zu sagen, die Integration läuft nicht so toll. Aber Ehen sind nur ein Indiz. Andere sind die Wohnsituation, die Kontakte zu Deutschen, berufliche Bildung, Schule. Wenn man die Faktoren zusammen nimmt und guckt, wie sind Einzelne positioniert, ist es nur eine absolute Minderheit von zwei Prozent, die sich ausklinkt, in reinen Türkenvierteln lebt, keine Bildung genießt. Wenn man auch Leute hinzuzählt, die zwar mit Deutschen zusammenarbeiten, aber sonst keine Kontakte pflegen, kommt man auf maximal 17 Prozent, von denen man sagen kann, sie sind gesellschaftlich ausgeklinkt. Aber über 80 Prozent haben und suchen die Kontakte. Doch so ein Prozess braucht Zeit. Ich sehe das Glas eher halb voll, aber wir sind noch nicht am Ziel.

Es gibt Muslimenverbände, die von mehr oder weniger verdeckter islamfeindlicher Stimmung in Deutschland sprechen. Teilen Sie diese Ansicht?

Goldberg: Ich glaube nicht, dass man von Islamophobie sprechen kann. Sicher gibt es eine Distanz zum Islam, weil die Menschen nicht damit aufgewachsen sind. Dann kommt der islamische Terrorismus dazu, der viele Ängste schürt. Aber das ist eher Unkenntnis, Feindlichkeit würde ich nicht sagen. Das empfinden auch viele Türken nicht so, hier wirkt eher die eben angesprochene allgemeine Diskriminierungserfahrung, dass man sich immer noch als Türke fühlt.

Andreas Goldberg ist Ethnologe und Politikwissenschaftler und derzeit Geschäftsführer der Stiftung Zentrum für Türkeistudien (ZfT). Die Mission des ZfT ist, die deutsche Öffentlichkeit über die Türkei, die türkischen Migranten und andere Zuwanderer zu informieren – auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Dazu führt das ZfT verschiedene Studien und Befragungen durch, unter anderem seit zehn Jahren eine Mehrthemenbefragung zum Stand der gesellschaftlichen Integration von Türken.

iwe/reu/news.de
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Deutschtürken: «Rückkehr ist eine Verschlechterung» » Gesellschaft » Nachrichten

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Leserkommentare (9)
  • Kommentar: 9
  • 29.03.2010 20:04
von
Hermann Huber

Ich verstehe nicht, daß bei den Integrationsfanatikern der Faschismus so beliebt ist, der fordert, daß alle Bürger eines Landes auch einem Volk angehören müssen. Ein Sudanese, ein Türke, ein Inder etc. mit deutschem Pass ist Deutscher, punktum! Ein Sorbe oder Däne nicht, und auch ein Israeli mit deutschem Pass ist immer noch ein Jude! Traut man sich die nicht integrieren, oder dürfen die nicht integriert werden, oder wollen die vielleicht gar nicht integriert werden? Aber warum müssen dann die anderen zwangsweise diesem Tätervolk angehören? Um sie dann mangels echten Deutschen besser ausbeuten zu können?

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  • Kommentar: 8
  • 29.03.2010 14:39
von
hagal

Es ist aber verständlich, daß sich die Zuwanderer weigern ein "deutsches Leben" zu leben wie es sich diese Ströbeles so vorstellen: Selbst im eigenen Haus nichts zu reden, für jeden Parasiten weltweit zahlen, den Fußabtreter für die Welt zu spielen, diese Laiendarsteller in Politikerpose füttern, und neuerdings, so entsorgen die Grünen die Bundeswehr und feiern ihren Pazifismus, auf der ganzen Welt auch noch den Kopf hinhalten für die Interessen der USA und Israels! Nur ein Volltrottel, oder ein Deutscher, würde so etwas freiwillig annehmen!

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  • Kommentar: 7
  • 28.03.2010 22:34
von

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  • Kommentar: 6
  • 28.03.2010 22:14
von
Hermann Huber

Was ist das für eine NETIQUTTE die einen sachlichen Kommentar streicht? Das nennt sich doch Zensur, oder? Das gibt es im freiesten Land auf deutschem Boden (Polen) aber nicht, sondern nur in der BRD!

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  • Kommentar: 5
  • 28.03.2010 21:20
von
Huber Hermann

Komischerweise ist auch ein Israeli mit deutschem Pass aber immer noch ein Jude! Traut man sich die nicht integrieren, oder dürfen die nicht integriert werden, oder wollen die vielleicht gar nicht integriert werden im Mördervolk? Aber warum müssen dann die anderen zwangsweise diesem Tätervolk angehören? Um sie dann mangels echten Deutschen besser ausbeuten zu können?

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  • Kommentar: 4
  • 28.03.2010 21:16
von
Hermann Huber

Was ist das für eine NETIQUTTE die einen sachlichen Kommentar streicht? Das nennt sich doch Zensur, oder? Das gibt es im freiesten Land auf deutschem Boden, nämlich Polen, aber nicht sondern nur in der BRD!

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  • Kommentar: 3
  • 28.03.2010 20:25
von

Wegen Verstoß gegen die Netiquette gesperrt

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  • Kommentar: 2
  • 03.12.2009 22:08
von
Atilla
Antwort auf Kommentar 1

Ich sage nur eins dazu ich bin deutscher oder doch türke weiss nicht genau , aber eins weiss ich, deutschland wird ein problem kriegen und diese problem heisst 50, ich erkläre was 50 heisst . ist sehr wichtig für deutschland, in 50 jahren wird es weniger als 50 millionen deutsche geben, in 50 jahren werden in deutschland mehr als 50 prozent der menschen über 60 jahre alt sein,ich haue ab in einem land wo nicht so viele alte menschen gibt und wo die einsamkeit ein fremdwort ist viel spass noch hier

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  • Kommentar: 1
  • 20.11.2009 16:28
von
Home Sweet Home

Jeder Moslem der Deutschland verläßt ist gut für das Land.

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