Vogelgrippe unfähig zur Pandemie
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In aller Munde ist sie zurzeit, die Schweinegrippe. Doch vor einer deutlich gefährlicheren Vogelgrippe-Pandemie müssen wir uns wohl kaum fürchten, teilen Forscher mit.
Warum die Vogelgrippe bislang glücklicherweise nicht zur Pandemie wurde und dafür auch eher schlechte Karten hat, hat jetzt ein amerikanisch-britisches Forscherteam herausgefunden.
Zentrale Vorraussetzung für eine Pandemie ist zunächst: Der Erreger muss stabil von Mensch zu Mensch übertragbar sein. Um dies zu erreichen, müssten beim Vogelgrippeerreger vom Typ H5N1 mindestens zwei genetische Mutationen gleichzeitig auftreten, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt PLoS ONE. Dies wiederum sei zwar nicht völlig unmöglich, aber verhältnismäßig unwahrscheinlich, argumentieren sie.
«Es ist noch unwahrscheinlicher, als wir dachten, dass H5N1 eine Pandemie auslösen wird, weil es weit schwerer für den Erreger ist, die richtigen Zellen zu infizieren», erläutert Wendy Barclay vom Imperial College London. «Seine Chancen, genau die Art von Doppelmutation durchzumachen, die dazu notwendig wäre, sind extrem gering. Dennoch: Viren mutieren die ganze Zeit und wir sollten nicht selbstgefällig sein. Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass diese Art Pandemie niemals passieren kann.» Daher sei wichtig, dass weiterhin an möglichen Impfstoffen gearbeitet wird.
In Zellkulturen menschlicher Zellen aus den Atemwegen experimentierten Barclay und ihre Kollegen mit bestimmten Varianten von Schlüsselproteinen des Vogelgrippe-Erregers. Sie arbeiteten somit lediglich mit einem Modell, nicht mit dem kompletten Erreger. So konnten sie vermeiden, dass der Erreger letztlich gefährlich werden könnte, wenn bei Laborexperimenten genau der Stamm entstünde, der von Mensch zu Mensch übertragbar wäre.
Um eine Zelle infizieren zu können, nutzen Grippe-Viren ein Protein namens HA, mit dessen Hilfe sie an bestimmten Rezeptormolekülen auf der Zelloberfläche andocken. Bislang kann der Vogelgrippe-Erreger aber lediglich die mit feinen Haaren besetzten sogenannten Flimmerzellen der Atemwege infizieren, erklären die Forscher. Damit er effektiv von Mensch zu Mensch ansteckend wäre, müsste er dies auch bei dem anderen Zelltypus ohne solche Zilien schaffen.
In ihren Modellversuchen stellten Barclay und ihre Kollegen fest: Diese Anpassung würde der H5-Erreger nur dann erreichen, wenn er zur selben Zeit zwei Mutationen durchmacht. Nach und nach kann dies nicht passieren, denn eine Zwischenform mit nur einer dieser beiden Veränderungen könnte menschliche Zellen gar nicht mehr befallen und würde somit in eine Sackgasse führen.
Ob eine Schweinegrippe-Impfung beim tendenziell harmlosen Verlauf des Infektes nun sinnvoll ist oder nicht - Tatsache ist: Rein definitionsgemäß ist die Infektion mit dem Virus vom Typ H1N1 sicherlich als Pandemie zu bezeichnen, da sie weite Teile der Welt erreicht hat. In den allermeisten Fällen verläuft diese Influenza aber deutlich milder als die meisten anderen alljährlichen Winterinfekte.
Würde ein Mensch an Vogelgrippe erkranken, wäre dies ungleich gefährlicher. In den vereinzelten Fällen, in denen sich Menschen bei Vögeln direkt ansteckten, lag die Sterberate bei rund 60 Prozent. Eine Vogelgrippe-Pandemie wäre daher vermutlich verheerend. Eine stabile Übertragung von Mensch zu Mensch ist aber bisher nicht nachgewiesen und, wie die Ergebnisse von Barclay und ihren Kollegen zeigen, auch eher unwahrscheinlich.
car/kat/reu/news.de/wsa
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