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Beten mit Mundschutz (Bild 1/ 15)
Schweinegrippe alarmiert Länder weltweit (Foto)
Foto: dpa
29.04.2009

Keuscher Kuss: In Mexiko City gehört der Mundschutz zur Grippeprävention seit einigen Tagen zum Alltag.

Schweinegrippe

Was Masken über H1N1 verraten

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Wie heftig wir auf die Schweinegrippe reagieren, lässt sich aus den Verkaufszahlen von Atemschutzmasken ablesen. Die steigen und fallen parallel zu den Schlagzeilen. Der Wasserverbrauch hingegen lässt sich nichts anmerken - trotz Händewaschgebots.

Lester Maul (Was ist das?)

Schweinegrippe - endlich haben auch die Mexikaner mal einen weltweiten Exportschlager!

Seit Mai müssen wir hygienisch husten. Zwei Meter Abstand zu Mitmenschen halten und umarmen möglichst nur noch, wenn es unbedingt sein muss. Wir sind angehalten, die Fenster aufzureißen, damit die Luft nicht dick an H1N1 wird. Und Hände waschen, immer wieder Hände waschen. Auch zwischen den Fingern, ausgiebig, gründlich und mit Seife.

«Leider nein», sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserwerke. Es floss nicht messbar mehr Wasser aus den Hähnen der Hauptstadt, seit die Pandemie wütet. Im Gegenteil. «Wir haben in den letzten Monaten einen noch stärkeren Rückgang in der Wassernutzung, rund ein Prozent in diesem Jahr. Das liegt daran, dass es in der Zeit vor den Sommerferien, wo es in den Gärten losgeht, jeden dritten Tag erschöpfend geregnet hat.» Mit der Schweinegrippe hat das so rein gar nichts zu tun. Natz will damit nicht sagen, dass sich die Berliner nicht ausgiebig die Hände wüschen. Aber bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 110 Litern am Tag fiele das schlicht nicht ins Gewicht, erklärt er.

Die Leipziger Kollegen sind seiner Meinung. «Bei einem Wasserdurchlauf von 30 Millionen Kubikmetern im Jahr müsste man schon zum Dauerduschen neigen, damit sich das bemerkbar macht», heißt es bei den Kommunalen Wasserwerken. Trockener Sommer und nicht H1N1, ist auch hier der Tenor, macht die Wasserversorger reich. Oder hat es vielleicht doch etwas mit Ost-West-Gefälle zu tun, mit Groß- und Kleinstadt? Nein. Denn auch Harald Feine, Sprecher der Stadtwerke im westfälischen Soest, will von Wasserverbrauch steigernden Waschexzessen nichts wissen.

Ausnahmezustand in Sachen Hygiene, und keiner merkt's? Doch, Kaboclean ist etwas aufgefallen. «Wir reinigen intensiver und häufiger», sagt Andreas Zitsch, Betriebsleiter für Sanitärbereiche in dem Unternehmen. Offizielle Richtlinien für intensiveres Desinfizieren gebe es jedoch keine. «Je nachdem, was die Presse gerade berichtet, werden die Kunden hellhörig», hat Zitsch festgestellt. Wieviel mehr an Chemikalien sie wegen der Pandemie tatsächlich verputzt haben, hat Kaboclean jedoch noch nicht ausgewertet.

Im Hausgebrauch ist vor allem ein Name Programm, wenn es ums Ausmerzen von Erregern geht: Sagrotan. «Das Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie auch Influenza A (H1N1) wird durch den Einsatz von Sagrotan-Produkten deutlich reduziert», pflichtet das produzierende Unternehmen Reckitt Benckiser in seiner Stellungnahme dem Volksglauben bei. Der Absatz liege in diesem Jahr tatsächlich über dem üblichen saisonalen Anstieg in Herbst und Winter.

Genau 5,43 mal so viel Desinfektionsmittel wie im letzten Jahr hat der Hygiene-Vertrieb hygi.de in diesem Jahr verschickt. Das Unternehmen liefert europaweit an 60.000 Kunden, wie Sprecher Sven Pfeiffer betont. Unschlagbar jedoch ist die Absatzsteigerung für ein Produkt, dessen Wirksamkeit in der Pandemie nicht einmal erwiesen ist: die Atemschutzmaske. «Sie schützen vor allem die Umwelt, wenn man selbst infiziert ist», sagt Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Das Robert-Koch-Institut habe jedoch keine Empfehlung ausgegeben, die Masken vorbeugend anzulegen.

Dennoch werden sie hygi.de praktisch aus den Händen gerissen. 5,2 Millionen Masken hat das Unternehmen seit dem ersten europäischen Schweinegrippenfall abgesetzt - 100 Mal so viele wie im vergangenen Jahr. In Schüben, parallel zu den Meldungen zur Schweinegrippe, sei der Bedarf gestiegen, entnimmt Sven Pfeiffer seinen Unterlagen.

Seine Zahlen sind quasi ein Seismograph für die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Nachrichten. «Es ging los am 30. April, mit dem ersten Fall in Deutschland. Dann ist es wieder verflacht. Im Juli und August wurde das Thema sehr ernst genommen, weil die Fallzahlen stiegen. Und seit Montag, dem 2. November, ist die Nachfrage fast doppelt so stark wie im Sommer», schildert er den Verlauf der Volkshysterie. Vor allem für das Modell «Einmalschutz Med-Comfort» mit 50 Masken für 6,10 Euro. Die Produzenten in China kommen kaum nach. Noch hat hygi.de Masken im Lager, doch Nachbestellungen, die sie jetzt tätigen, sind erst in Kalenderwoche 16 des kommenden Jahres zu erwarten.

Wer sich plötzlich ein wenig schwach fühlt, sollte vorsichtshalber Tipp Nummer drei des Robert-Koch-Instituts beherzigen: «Krankheiten zuhause auskurieren.»

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iwe/news.de
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Leserkommentare (10)
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  • Kommentar: 10
  • 26.11.2009 09:57
von
Udo

Ich habe mich impfen lassen, auf Anraten meines Arztes, da ich Herzprpbleme habe und somit also "Riskiopatient" bin.-Er sagte mir allerdings auch klipp und klar, dass er sich nicht impfen lassen wird und *gesunden* Leuten auch davon abrät - wenn diese denn seine Meinung hören wollten. Sollte die H1N1-Grippe allerdings *mich* erwischen, dann könne das sehr böse ausgehen, so das das Risiko der Impfung deutlich geringer ausfällt.-Es kommt also immer auf den konkreten Einzelfall an und man sollte unbedingt nicht nur Rücksprache mit seinem Arzt nehmen, sondern vielleicht auch mal auf ihn hören.

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  • Kommentar: 9
  • 22.11.2009 19:37
von
ragnaroekr

Es geht nicht um die Impfung allein. Die Art und Weise der Angstkampagne anläßlich einer Grippe ist es, die zum Widerspruch zwingt. Der Wiederholungsfall (Vogelgrippe) zeigt auch, dass nichts gelernt wurde. Die politischen Ratschen arbeiten ein Thema ab, von dem sie keine Ahnung haben. Dies passiert ständig und nicht nur bei der Gesundheit. Dieser Therapiestaat darf die Menschen nicht weiter belästigen. Am Schluss bestimmen die Psychiater das geistige Wohl und die Behandlung der Menschen. Und diese Dubbel sind auch noch einverstanden (K 5). R fordert: Kampf dem Therapiestaat. Wehrt Euch.

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  • Kommentar: 8
  • 22.11.2009 18:08
von
ehrlich währt am längsten
  • Kommentar: 7
  • 22.11.2009 16:42
von
mieleitner

Es liegt an der Medienpandemie! Wenn die Bild ohne Kommentar auf S.1 berichtet ein Kind sei nach der Impfung gestorben und einen Tag später meldet, das Kind sei todkrank gewesen und habe in einer Klinik auf die Lungentransplantation gewartet, dann ist das Schweinejournalismus! Bei den anderen Medien ist es ähnlich - das beweist, dass Schweine genetisch den Menschen näher stehen sind als die Affen.

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  • Kommentar: 6
  • 22.11.2009 16:42
von
Kaktus
Antwort auf Kommentar 5

Mit befremden lese ich den Artikel. Da wird von der Verängstigung durch die Scheiß Medien geschrieben. Da frage ich: wer macht denn die Panik vor der SCHWEINEGRIPPE? Das sind doch auch die sch. Medien in Verbindung mit den sch. Politikern, die wohl von der Pharmacie finanziell unterstützt wird. Ich bin auch über 60 Jahre alt, habe mich weder von der Panikmache vor der Vogelgrippe, noch werde ich mich von der Panikmache der Schweinegrippe verückt machen lassen. Ich habe viel über die Schweinegrippe gelesen, gehört und gesehen.Noch nie habe ich so viele Meinungen über eine Krankheit gehört.

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