Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Was haben Wohnungslose, Menschenrechte und Eier gemeinsam? Für alles gibt es einen bestimmten Tag im Kalender, an dem man sich an sie erinnern soll. Heute ist der Welttoilettentag.
Es soll nicht um die Preisung der Schüssel gehen, auch wenn es der Name vermuten lässt. Am Welttoilettentag will die Welttoilettenorganisation auf die katastrophalen hygienischen Zustände aufmerksam machen, unter denen 2,5 Milliarden Menschen weltweit leben müssen.
Der Name des Gedenktages lässt die Ernsthaftigkeit zunächst außen vor. Welttoilettentag reiht sich ein in die lange Liste von Deutschem Butterbrottag über Weltkusstag bis hin zum Welteitag. Doch der Welttoilettentag ist von den Vereinten Nationen anerkannt und als solcher «ein großes Thema», wie es Arne Molfenter ausdrückt.
Der Sprecher der Uno macht klar, welchen Unterschied es zwischen Gedenktagen der Vereinten Nationen für Menschenrechte, dem Weltfrauen und Weltaidstag und sogenannten Aktionstagen wie dem Deutschen Butterbrottag gibt. «Die Uno-Gedenktage beschäftigen sich mit den wirklich wichtigen und oft sehr ernsten Themen», sagt Molfenter. Und so wird auch der Welttoilettentag von der Uno zumindest unterstützt, denn ausgerufen hat ihn 2001die Welttoilettenorganisation.
Anregungen für Gedenktage der Vereinten Nationen kommen sonst aus den 192 Mitgliedsländern. «Die Staaten bringen ihre Vorschläge ein, und in der Uno-Generalversammlung in New York wird dann darüber abgestimmt», erklärt Molfenter. Es gebe bereits eine große Zahl an solchen Gedenktagen – 80 sind auf der Homepage der Uno angegeben. Jubiläen wie der Welttag des geistigen Eigentums (26. April), der Tag des öffentlichen Dienstes (23. Juni), der Weltbevölkerungstag (11. Juli) oder der Internationaler Tag der älteren Menschen (1. Oktober) gelten dann auch in allen Mitgliedstaaten. «Wichtig ist für uns, klar zu machen, dass die Uno mit dem Tag der Sachsen oder mit dem Butterbrottag nichts zu tun hat», meint Molfenter.
Denn im Prinzip kann jedes Unternehmen, jeder Verein oder auch jede Privatperson einen solchen Tag bestimmen. In diesem Fall heißen sie jedoch nicht Gedenktage, sondern Aktionstage, die nicht rechtlich geschützt sind. Wie der «Tag des Kaffees». Vom Deutschen Kaffeeverband ins Leben gerufen, findet er im nächsten Jahr zum fünften Mal statt.
«Wir haben den letzten Freitag im September als Tag des Kaffees ausgerufen, weil das Kaffeejahr endet», sagt Holger Preibisch vom Deutschen Kaffeeverband. «Das passiert völlig unbürokratisch, ist aber ein erheblicher Aufwand, Hunderte von Aktionen und Presseartikel zum Thema Kaffee zu generieren, um wahrgenommen zu werden.» Der Verband regt Kaffee-Unternehmen an, für diesen Tag Aktionen rund um die Bohne zu planen. «Viele Unternehmen machen auch jedes Jahr wieder mit. Es ist aber inzwischen ein harter Wettbewerb der ‹Tage des...›. Da muss man schon besondere Aktionen bieten», sagt die Kaffeeexperte.
Und so stilisiert und etabliert sich auch der Tag des Kaffees oder des Deutschen Butterbrotes oder der Tag des Schlafes zum Gedenktag. Medieninteresse vorausgesetzt.
Nicht nur in der freien Wirtschaft, sondern auch zu den offiziellen, geschützten Uno-Gedenktagen kommen ständig welche hinzu. Im nächsten Jahr wird es zum ersten Mal am 18. Juli den Mandela-Day geben. «Diesen Vorschlag hat, wie sollte es anders sein, Südafrika eingebracht», sagt Arne Molfenter. Nelson Mandela werde damit für seinen Beitrag zum Weltfrieden geehrt. Auch wenn immer mehr dazu kommen, werden keine Tage von der langen Liste gestrichen. «Manche Tage wie zum Beispiel der Welttag des Fernsehens, der in den 1950ern eingeführt wurde, geraten in Vergessenheit.» Offiziell gestrichen wurde laut Molfenter jedoch noch kein Gedenktag.
iwi/news.de