Bildungssystem

Veränderung bleibt beim Geld stecken

Die von Bildungsministerin Schavan angekündigte Bafög-Erhöhung wird so schnell nicht umgesetzt. Zudem ist bislang unklar, wie viel Geld in die Restrukturierung des Studiensystems nach Bologna noch investiert werden muss.

Die von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) angekündigte Erhöhung des Bafög wird nicht im kommenden Jahr erfolgen. Die Frankfurter Rundschau berichtete vorab, die Bundesregierung wolle ihren jährlichen Bafög-Bericht zwar noch bis Ende des Jahres vorlegen. Eine Anhebung der Bedarfssätze sei aber für 2010 noch nicht vorgesehen. Zunächst will Schavan Gespräche mit ihren Länderkollegen führen.

Nach Vorstellungen von Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) könnten künftig auch Teilzeitstudierende, insbesondere junge Eltern, stärker unterstützt werden. Zum Gedankenspiel gehört auch, die dreimonatige Bedarfslücke zu füllen, die zwischen Bachelor- und Masterstudium besteht. In dieser Zeit erhalten Studenten keine staatliche Unterstützung.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz und Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Henry Tesch (CDU), sagte der Berliner Zeitung, die Fördersätze seien in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr gestiegen, deswegen sei eine baldige Anpassung angebracht. Rückendeckung gibt es auch von Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). Er unterstütze das Bestreben, weil die Lebenshaltungskosten den größten Anteil der Studienkosten darstellten. Außerdem müsse die Bezugsdauer von Bafög und Kindergeld für Studenten verlängert werden.

Parallel bleibt die Forderung einer stärker finanziellen Ausstattung der Hochschulen bestehen. Im Zweifelsfall müssten die Länder mehr Spielraum für Personal schaffen, sage Schavan der Rheinischen Post. Gleichzeitig forderte sie die Universitäten auf, das Bachelorstudium strukturell zu verbessern. Sie sei aber nicht der Meinung, dass jeder dieser Studiengänge auf acht Semester ausgeweitet werden müsse. Insgesamt zwölf Milliarden Euro würde die Bundesregierung ins Bildungssystem investieren.

Das reiche jedoch nicht aus, kritisiert Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen. Um den Ausgabendurchschnitt Deutschlands an andere Industrienationen anzugleichen, müssten 25 Milliarden bereitgestellt werden. 

Mehrere zehntausend Studenten und Schüler waren in den vergangen Tagen für Verbesserungen im Bildungssystem auf die Straße gegangen. Weitere Proteste wurden bereits angekündigt. So soll am 24. November die in Leipzig stattfindende Hochschulrektorenkonferenz bestreikt werden. Am 10. Dezember wird es die Kultusministerkonferenz in Bonn treffen.

ham/news.de/ddp/dpa/ap
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Bildungsstreik in Deutschland (Foto)
Bildungsstreik

Kehrtwende jetzt

Die Kultusminister haben ihr Scherflein beigetragen. Sagen sie. Den Studenten und Schülern in Deutschland reicht das mehr ...

Neue Bildungsproteste (Foto)
Proteste

Freie Bildung für alle

Nach dem letzten Bildungsstreik hat die Politik zu wenig gehandelt. Schüler und Studenten protestieren deshalb mehr ...

Streik an Hochschulen (Foto)
Bildungsstreik

«Inhaltsleer, banal und rückwärtsgewandt»

Schüler und Studenten protestierten erneut gegen miese Bildung. Ein Wirtschaftsexperte hält das für wenig mehr ...

Studentenproteste in Österreich weiten sich aus (Foto)
Gespräch zum neuen Bildungsstreik

«Die Bafög-Perspektiven sind enttäuschend»

Deutschlands Studenten streiken wieder. Das geht auch an der Hochschulrektorenkonferenz nicht mehr ...

Neuer Bildungsstreik (Foto)
Neuer Bildungsstreik

Kopfnoten sind unmenschlich

Bundesweit wird es neue Bildungsstreiks geben. Zu wenig Engagement habe die Politik nach der letzte Aktion mehr ...

Bildungssystem: Veränderung bleibt beim Geld stecken » Gesellschaft » Nachrichten
URL : http://www.news.de/gesellschaft/855033206/veraenderung-bleibt-beim-geld-stecken/1/
Schlagworte:
Leserkommentare (0)
jetzt kommentieren
Kommentar schreiben
Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.

Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken
Videos
zurück
vor
Merkzettel
Hier können Sie Artikel ablegen, die Sie später lesen wollen.
Wie geht das?
Anzeige