Fr., 25.05.12

Arzt 06.12.2009 Dankbarer Knochenjob

Ärzte haben es auch nicht leicht (Foto)
Die vermeintlichen Halbgötter in Weiß haben ein harte Aufgabe: Pünktlicher Feierabend ist selten und die Aktenberge nehmen kein Ende. Bild: dpa

Sie gelten als Halbgötter in Weiß, die sich dicke Autos und teuerste Urlaube leisten könne. Doch bei den meisten Ärzten ist Freizeit teuer erkämpft und der Arbeitsalltag vielfach ein Marathon. Mancher entscheidet sich daher zu forschen, statt zu praktizieren.

Der Beruf des Arztes ist prestigeträchtigt: Laut einer Forsa-Umfrage steht er auf Platz vier der angesehensten Berufe in Deutschland. Entsprechend hoch sind aber auch die Ansprüche.

Thomas Lipp klingt gestresst. In seiner Sprechstunde warten noch drei Patienten, sagt der Hausarzt aus Leipzig, der zum Gesamtvorstand des Hartmannbundes gehört. Eigentlich schließt die Praxis in 15 Minuten. 15 Minuten Zeit für drei Patienten? «Ja, und das ist jetzt noch Urlaubszeit.» Stress ist eine Berufskrankheit der Mediziner. Auf 50 bis 70 Wochenstunden komme er im Schnitt, erzählt Lipp. Wer Arzt werden will, müsse belastbar sein.

Der Lohn dafür ist ein ansehnliches Gehalt: Ein Radiologe oder ein Internist verdient in einem kommunalen Krankenhaus nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg rund 4800 bis 6000 Euro brutto im Monat. «Das Schöne an der Arbeit ist aber auch die Dankbarkeit, die man empfängt», sagt Günther Jonitz vom Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK). Anderen helfen zu wollen, sei daher das Hauptmotiv für den Beruf.

Aus Sicht der Mediziner wird der Beruf aber immer unattraktiver: Mehr als jeder zweite praktizierende Arzt in Deutschland (56 Prozent) sagt das einer Allensbach-Studie zufolge. Schuld daran ist unter anderem der harte Alltag im Krankenhaus. Denn dort erwartet Absolventen ein Knochenjob, der sich wegen Nachtschichten und Überstunden auch schwer mit der Familie vereinbaren lässt. «Wenn um 17.30 Uhr noch ein Unfall reinkommt, können Sie schlecht sagen: ‹Ich muss jetzt aber mein Kind von der Kita abholen›», sagt Lipp. Flexibel zu sein, ist ein Muss.

Härtefall Aktenberg

Frustrierend ist dabei für manche, dass nach jeder Behandlung öde Aktenarbeit und Abrechnungen warten. «Ein Drittel der Zeit geht für Papierkram drauf», erzählt Lipp. Und damit nicht genug: Wenn die Kasse eine Behandlung nicht mehr zahlen will, bekomme der Arzt auch noch den Ärger der Patienten ab, fügt Jonitz hinzu.

Hohe Hürden gibt es aber schon vor dem Berufseinstieg: Das Studium ist lang und schwer. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Jahre und drei Monate. Schon in den ersten zwei Jahren im vorklinischen Teil werde stark gesiebt, sagt Jonitz. Vor der Approbation wartet aber noch das «Hammerexamen». Damit ist die Ausbildung nicht vorbei: Bis zum Facharzt sind es noch einmal drei bis sechs Jahre.

Ob sich daran bald etwas ändern wird, ist derzeit kaum absehbar: Die Uni Oldenburg will jetzt zwar als erste in Deutschland einen Bachelorstudiengang anbieten. Kritiker betrachten das aber als Schmalspurstudium. Daneben gibt es an einigen Hochschulen inzwischen Reformstudiengänge mit eigenen Konzepten.

Forschung oder Menschennähe

Die Berufschancen sind so gut wie lange nicht mehr: In manchen Regionen herrscht der BÄK zufolge schon jetzt akuter Ärztemangel. Außerdem benötigten viele Ärzte hierzulande bald einen Nachfolger: Vier von zehn (38,5 Prozent) seien bereits mehr als 50 Jahre alt. Und durch die gestiegene Lebenserwartung der Deutschen werde der Ärztebedarf in Zukunft noch zusätzlich wachsen.

Für Mediziner gibt es zwei Berufswege: Sie können entweder in die Forschung gehen oder als behandelnder Arzt arbeiten. Für die zweite Variante ist mehr als Fachwissen nötig: «Ein guter Mediziner ist noch lange kein guter Arzt», sagt der Thomas Lipp. «Medizin ist auch eine Erfahrungswissenschaft.»

Außerdem müsse ein Arzt die Menschen im Blick haben, die er behandelt, und nicht nur die Krankheiten. So gehöre es auch zu seinen Aufgaben, sich ihrer Sorgen anzunehmen. Voraussetzung für den Beruf sei daher ein Händchen im Umgang mit anderen. «Man muss Menschen mögen - auch wenn es ihnen schlecht geht», erklärt Günther Jonitz.

ham/kat/news.de/dpa
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Arzt: Dankbarer Knochenjob » Gesellschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesellschaft/855032918/dankbarer-knochenjob/1/

Schlagworte:

Abholen , Abrechnungen , Absolventen , Alltag , Angaben , Ansprüche , Approbation , Arbeit , Ärger , Arndt Leipzig , Arzt , Ärzte , Ärztemangel , Arztes , Aufgaben , Ausbildung , Bachelorstudiengang , Behandelt , Behandlung , Bekomme , Benötigten , Berlin-Roman , Beruf , Berufe , Berufschancen , Berufseinstieg , Berufskrankheit , Betrachten , Blick , Bundesagentur , Bundesärztekammer , Dankbarkeit , Deutschen , Deutschland , Drittel , Entscheidet , Erzählt , Euro Brutto , Euro Gehalt , Euro Kritiker , Euro Sorgen , Euro Start , Euro Vorstand , Euro Zusätzlich , Facharzt , Fachwissen , Familie , Forsa-Umfrage , Forschung , Gareth Thomas , Gehalt , Gesamtvorstand , Günther Jonitz , Günther Lohre , Günther Maria , Günther Messner , Günther Schulz , Günther Siegmund , Ham , Händchen , Härtefall , Hauptmotiv , Hausarzt , Hierzulande , Hochschulen , Höhe , Hürden , Imogen Thomas , Italia Lang , Jahre , Jahren , John Leipzig , Jonitz , Kasse , Kind , Kita , Klischee , Knochenjob , Kommunalen , Konzepten , Krankenhaus , Krankheiten , Kritiker , Lang Lang , Lange Jahre , Lange Zeit , Lebenserwartung , Leena Günther , Leipzig , Lipp , Lohn , Marathonlauf , Medizin , Mediziner , Menschen , Minuten , Monat , Monate , Müsse , Nachfolger , Nürnberg , Oldenburg , Papierkram , Patienten , Platz , Praxis , Prozent , Ratgeber-Themen , Regelstudienzeit , Regionen , Schlecht , Schnitt , Schöne , Schuld , Schwer , Sicht , Sorgen , Sprechstunde , Stephen Lang , Stress , Studium , Target , Teil , Teuer , Thomas Altmann , Thomas Broich , Thomas Erne , Thomas Frey , Thomas Fritsch , Thomas Grob , Thomas Härtel , Thomas Helmer , Thomas Hübener , Thomas Hückels , Thomas Hunsteger-Petermann , Thomas Jarmoc , Thomas Jordan , Thomas Karaoglan , Thomas Kranig , Thomas Krause , Thomas Liese , Thomas Lück , Thomas McDonell , Thomas Milo , Thomas Mirow , Thomas Muster , Thomas Pröckl , Thomas Robopoulos , Thomas Ruff , Thomas Rühmann , Thomas Strobl , Thomas Ubber , Thomas Vermaelen , Thomas Vinterberg , Thomas Weinberg , Überstunden , Uhr , Umgang , Unfall , Uni Basel , Uni Duisburg-Essen , Uni Göttingen , Uni Leipzig , Uni Michigan , Uni Potsdam , União , Urlaube , Urlaubszeit , Variante , Verdient , Vielfach , Voraussetzung , Vorstand , Wochenstunden , World Marathon , Zeit , Zukunft ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige