Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Der Lukas Podolski alias Poldi, den jeder kennt, ist 24 Jahre alt. Der Poldi, den Forscher des Max-Planck-Instituts entdeckt haben, ist zwischen zweieinhalb und drei. Millionen Jahren in diesem Fall. Denn er ist ein Gen, das auf die Hoden von Mäusen wirkt.
Sie wollten ihrer Freude Ausdruck verleihen, dass Lukas Podolski zum FC Köln zurückgekehrt ist. Deshalb haben die Wissenschaftler Fabian Staubach und Tobias Heinen ein Gen mit der Eigenschaft «polymorphic derived intron-containing» (vielgestaltiger, nicht codierter Abschnitt der DNA) lustig Poldi genannt.
«Die Bezeichnung beschreibt die Struktur des Gens und ermöglicht es uns gleichzeitig, die Bewunderung für unseren Lieblingsspieler beim geliebten Heimatverein 1.FC Köln zu zeigen», erklärt Fabian Staubach aus dem Forscherteam des Plöner Max-Planck-Instituts. Und die Funktion des Gens sei hodenspezifisch. «Wie soll ich sagen - Poldi hat einfach die Eier, das Tor zu schießen», meint Staubach.
Doch was ist Poldi, das Gen, genau? Bislang gingen Evolutionsbiologen davon aus, dass Gene neu entstehen, indem DNA-Sequenzen, die bereits genetische Informationen tragen, neu kombiniert werden. Nun haben die Wissenschaftler auf dem Chromosom 10 bei Mäusen ein Gen entdeckt, das aus Junk-DNA, also zuvor funktionsloser DNA entstanden ist.
Auch über Junk-DNA wird unter Wissenschaftlern diskutiert. Warum gibt es sie noch, wenn sie doch eigentlich nutzlos ist? «Dass sie eine Spielwiese der Evolution ist, auf der durch Zufall Nützliches entstehen kann, ist wahrscheinlich nicht der Grund für ihre Existenz, sondern ein Nebenprodukt», sagt Staubach. Poldi sei durch Mutationen in einem längeren Zufallsprozess entstanden, vor zweieinhalb bis drei Millionen Jahren. Ein Jungspund unter den Genen, die bis zu eine Milliarde Jahre alt sind. «Poldi ist das erste Gen, dessen Entstehung aus Junk-DNA akribisch dokumentiert und glaubhaft dargelegt wurde», sagt der Forscher.
Poldi-Gen steht für große Hoden und aktive Spermien
Und was bewirkt Poldi? Fabian Staubachs Kollegin Daniela Häming habe zeigen können, dass eine Hausmaus, in der Poldi ausgeschaltet wurde, im Vergleich zu einer Hausmaus mit einem aktiven Poldi-Gen kleinere Hoden und weniger mobile Spermien habe. Das scheinbare Glück des aktiven Poldi-Gens teilen unter anderem die Zypern-Maus, die Mazedonische Maus und die Algerische Maus. In entfernteren Verwandten wie der Waldmaus, Gelbhalsmaus und auch in Ratten gibt es hingegen keine Hinweise auf das aktive Poldi.
Ihre Entdeckung wurde den Wissenschaftlern erst nach und nach klar. Eigentlich wollte sich Fabian Staubach in seiner Promotion mit der Anpassung der Hausmaus an verschiedene Lebensräume durch die unterschiedliche Aktivität der Gene beschäftigen. Und da ist er auf Poldi gestoßen.
Der scheinbar ungewöhnliche Name ist dann auch schon wieder ganz normal. Die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard habe Genen, die sie entdeckt hat, Namen wie Gurken, Spätzle und Krüppel gegeben, sagt Staubach. Da kommt Poldi noch ganz gut weg. Bei Mäusen gebe es sogar gewisse Regeln zur Namensfindung. Er sollte auf die Funktion oder bestimmte Eigenschaften des Gens schließen lassen.
«Wir würden uns sehr freuen, wenn Lukas Podolski davon erführe», sagt Fabian Staubach. «Er soll wissen, dass es überall FC-Fans gibt, die er mit seiner Spielweise begeistert. Auch wenn es mich nach Norddeutschland und Tobias in die USA verschlagen hat.» Und da ist auch noch die Hoffnung der Wissenschaftler auf eine Fußball-Freikarte und ein Autogramm. «Das Größte wäre natürlich, Lukas selbst einmal die Hand schütteln zu dürfen.»
iwi/news.de