Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Dresden
Die Musliminnen Elisa und Susan stehen seit zehn Uhr morgens vor dem Landgericht in Dresden. Sie warten auf das Urteil gegen den Mörder von Marwa El-Sherbini. Erst nach Stunden in der Novemberkälte erfahren sie: lebenslänglich.
Seit zwei Jahren wurden keine Fotos von ihnen gemacht, und nicht einmal heute wollen Elisa und Susan eines schießen. Muslime sollen sich kein Abbild machen, denn ein Abbild könne man anbeten. Anbetungswürdig ist jedoch nur einer – Allah. Deshalb nimmt Susan nicht einmal den Apparat in die Hand, als eine Glaubensschwester sie darum bittet, ein Foto von ihr zu machen.
Für die Muslimin Fatime Berbatovci ist das Prozessende in Dresden ein besonderes Erlebnis, das auch im Bild festgehalten werden muss. Sie ist mit ihrem Bruder und dessen Frau extra aus Weiden in der Oberpfalz angereist.
Mit ihnen stehen muslimische Geschwister aus Dortmund, Hamburg, Braunschweig, der ganzen Republik auf der Wiese vor dem Dresdner Landgericht. Mit unzähligen Journalisten mit Notizblöcken in den Händen oder Reportern mit geschulterten Kameras warten sie auf das Urteil gegen Alex W. In der Straße neben dem Gerichtsgebäude haben sich die Übertragungswagen aufgereiht - sie senden fürs ZDF, RTL, Al Dschasira oder TV1, einen russischen Sender.
Fatime gibt Interviews. Sie erzählt, dass sie sich das weiße Kopftuch mit Rüschen heute extra aufgesetzt hat. Sie trage es sonst nicht, da sie sich noch nicht dafür entschieden habe. «Muslimin bin ich doch im Herzen und nicht nur vom Aussehen her», sagt die Kosovo-Albanerin.
Geschockt sei sie gewesen, als sie vom Tod Marwa El-Sherbinis erfuhr. «Allein Gott hat das Recht, ein Leben zu nehmen», sagt die 32-Jährige. Das Motiv des Mörders schien für sie eindeutig: der Ausländerhass in Deutschland. Dass Alex W. ein Russlanddeutscher ist, eine Nebensächlichkeit von wenig Interesse.
Die Ladefläche eines roten Transporters vor dem Landgericht dient als improvisierte Bühne für Pierre Vogel. Ab neun Uhr hat die muslimische Organisation «Einladung ins Paradies» vor dem Gerichtseingang zwei grüne Pavillions aufgebaut. Die sollen die Technik schützen, die Mischpulte, die Lautsprecher. Denn Pierre Vogel, der Mann mit dem roten Bart, ist Sprecher von «Einladung zum Paradies», und heute hat er etwas zu sagen, verstärkt durch ein Mikrofon. Der 31-Jährige wurde christlich erzogen, konvertierte vor acht Jahren zum Islam.
Kameras werden gezückt. Reporter halten Mikrofone in Vogels Richtung, Fatime fotografiert. Elisa und Susan erzählen, dass Pierre derjenige sei, an den sich Konvertiten mit ihren Fragen wenden können. Konvertiten, wie die beiden Anfang 20-Jährigen aus Dresden auch. Auf der Suche nach Gott habe sie genau wie Susan vor zwei Jahren zum Islam gefunden, erzählt Germanistikstudentin Elisa. Mittlerweile ist die junge Frau mit der schmalgestelligen Brille und dem schwarz-grau-gestreiften Kopftuch mit einem Moslem verheiratet. Susan, im roten Kopftuch, kenne sie aus der muslimischen Frauengruppe Muslimat. Jeden Samstag treffen sie sich zum Plaudern und Beten.
Beten muss sein, fünfmal am Tag - auch, wenn man vor den Toren des Landgerichts steht, auch wenn der Boden etwas matschig ist. Dann werden blaue Plastiksäcke auf der Wiese und der betonierten Zufahrt zu Gebetsteppichen, Gesichter und Füße mit Wasser aus Kanistern gewaschen. Während sich das Urteil am letzten Prozesstag immer weiter verzögert, verneigen sich 140 Muslime aufgereiht gen Mekka. Elisa, Susan und Fatime hinter den Männern.
Erst spricht einer, der jetzt nicht mehr Michael, sondern Abdul heißt, und dann ist wieder Pierre Vogel dran. Der Bonner sagt über den Angeklagten: «Möge der allmächtige Gott ihm Recht leiten.» Elisa und Susan stehen vor der Transporterbühne. Vogel spricht über die Blutlache, in der Marwa El-Sherbinis dreijähriger Sohn gestanden haben soll. Der kleine Mustafa musste mit ansehen, wie Alex W. seine Mutter kaltblütig erstach. Mit seiner Rede fordert der 31-Jährige ein «Verbot von islamischer Hetze im Internet». Eine Hetze, der auch Marwa zum Opfer gefallen sein soll.
Die muslimischen Frauen, die an der sechsstündigen Kundgebung teilnehmen, fühlen sich der toten ägyptischen Apothekerin verbunden. Auf ihren selbstgeschriebenen Plakaten ist zu lesen: «Abgeschlachtet wegen einem Kopftuch» und, «Wer eine Frau angreift, ist ein feiger Hund».
Und dann fällt endlich das Urteil. «Bravo», ruft Elisa. «Lebenslänglich sind 25 Jahre. Hoffentlich kommt er dann nicht gleich raus.» Fatime ist auch zufrieden – denn es ist die Höchststrafe, «obwohl deutsche Gefängnisse wie Hotels sind», sagt sie und macht noch ein letztes Foto von der Reportermenge.
mat/news.de
Ich zitiere da mal einen alten Spruch: "Jeder macht sich seinen Ruf selbst" oder "Will man etwas verändern muss man sich verändern"
jetzt antwortenKommentar meldenVielleicht sollten Sie sich einmal mit Muslimen hier in Deutschland unterhalten. Ich bin mir sicher, dass sich alle gegen Ehrenmorde oder sonstige Gewalt stellen werden und Ihnen dies auch begründen können! Sie können sich nicht vorstellen, wie schlimm das ist, wenn man auf offener Straße ohne Grund angepöbelt und bedroht wird! Und das von den eigenen Landsleuten! Nur weil man ein Kopftuch trägt. Ich erinnere nur an Artikel 4 unseres Grundgesetzes. Wir leben hier in Deutschland und nicht in Afghanistan oder Ägypten.
jetzt antwortenKommentar meldenWas für eine Heuchelei der Mehrheit der Muslime ! Zitat: >Wer eine Frau angreift, ist ein feiger Hund.< Wo bleiben die Massendemos von Moslems, wenn wieder einmal ein sogenannter Ehrenmord geschah ? Wo blieben die Massendemos, als in Afghanistan in einem Sportstadium Frauen erschossen wurden, nur weil sie ohne Kopftuch und Schleier auf die strasse gingen ? Wenn in Ägypten Koptische Christen erschlagen werden, passiert garnichts wenn die Täter Moslems waren. Auch das Plakat wegen der Shoa ist zum Kotzen. Da sind die Juden wieder gut genug. Ansonsten sind sie Feinde.
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