Fr., 25.05.12

Schweinegrippe 11.11.2009 Die Protagonisten in Sachen H1N1

Weltverbände wappnen sich gegen Schweinegrippe (Foto)
Schweinegrippe - was nun? Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Die Schweinegrippe ist überall und nirgends. 40.000 Menschen sind seit April vom H1N1-Virus infiziert worden, doch eine klare Linie im Umgang mit der Pandemie hat sich hierzulande nicht eingestellt. News.de stellt die wichtisten Protagonisten vor.

Erst war es die mexikanische Grippe, am 27. April hatte nn der erste Reisende das Virus nach Spanien mitgebracht. Zwei Tage später ging die erste bestätigte Infektion in Deutschland durch die Presse. Seitdem durchleben die Bürger ein Wechselbad aus Hysterie und Verharmlosung. 13 Menschen sind hierzulande bislang an der Grippe gestorben, der normalen, saisonalen Grippe fallen jährlich rund 10.000 Leben zum Opfer.

Dennoch raten Regierung, Wissenschaftler und Ärzte zur Impfung – um Risikogruppen wie alte Leute, Schwangere und Kinder zu schützen, eine flächendeckende Verbreitung zu verhindern und vor einer Mutation gewappnet zu sein. Um Licht ins Chaos um die «neue Grippe» zu bringen, stellt news.de die wichtigsten Akteure vor.

Robert-Koch-Institut (RKI)

Wenn es um Fakten und verlässliche Interpretationen geht, wird an erster Stelle auf das Robert-Koch-Institut verwiesen. Das RKI ist eine sogenannte Obere Bundesbehörde innerhalb des Bundesgesundheitsministeriums und das leitende Institut des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Es ist dafür zuständig, Infektionskrankheiten zu erkennen, zu verhüten und zu bekämpfen. Damit koordiniert das RKI, in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, auch das Vorgehen gegen die Schweinegrippe: Es berät die Regierung, Gesundheitsämter und klärt die Öffentlichkeit auf. Seine Forschungsprojekte finanziert das RKI in der Hauptsache durch Gelder der Bundesministerien und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Nicht-öffentliche Finanzierungen müssen publiziert werden.

Im Robert-Koch-Institut angesiedelt ist die Ständige Impfkomission (Stiko). Die zwölf bis 18 ehrenamtlichen, vom Bundesgesundheitsministerium ausgewählten Mitarbeiter geben Empfehlungen für die Durchführung von Schutzimpfungen ab. Sie bestimmen auch die Bevölkerungsgruppen, die zunächst und mit Vorrecht eine Impfung erhalten sollen – sogenannte Risikogruppen.

Das sind bei der Schweinegrippe alle Beschäftigte in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, chronisch Kranke und Schwangere. Jüngsten Empfehlungen von Fachärzten zufolge gehören auch Kinder unter drei Jahren dazu. In der diesjährigen Grippesaison sind bislang, so betont RKI-Präsident Jörg Hacker, keine Fälle der saisonalen, sondern nur Schweinegrippe-Fälle registriert.

Paul-Ehrlich-Institut (PEI)

Autorität Nummer zwei in Sachen Schweinegrippe ist das Paul-Ehrlich-Institut, das ebenfalls dem Gesundheitsministerium untersteht. In seiner Verantwortung liegt die Wirksamkeit und Qualität von biologischen Arzneimitteln und damit auch Impfstoffen. Es ist zuständig für die klinischen Prüfungen und Zulassungen.

Die Ärzteschaft

Kritisch stehen viele Ärzte der Schweinegrippe-Impfung gegenüber. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Montgomery, rechnete Ende August öffentlich damit, dass die Impfung ein «Flop» werde, die Vorbereitungen tat er als «Hysterie» ab. Ärzteverbände beäugten auch den Impfstoff selbst stets misstrauisch. Die Verstärkersubstanzen in Pandemix und Focetria seien für das bisher relativ harmloses H1N1-Virus übertrieben, hieß es. Zudem seien die Nebenwirkungen nicht ausreichend erforscht, da der Impfstoff schnell auf den Markt musste.

Ein Argument, das die Stiko zurückweist. Wirkstoffe mit Verstärker wirkten auch gegen gewissen Mutationen des ursprünglichen Virus – und bislang seien bei jedem Grippevirus auch solche Nebenformen aufgetaucht, betonte der Stiko-Vorsitzende Friedrich Hofmann.

Stets im Raum steht auch ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber den Impfstoff-Produzenten. Die zweite Vizepräsidentin der Ärztekammer, Cornelia Goesmann, hielt im September nicht hinterm Berg mit ihrem «Verdacht, dass die Interessen der Pharmaindustrie durch ihre Lobbyisten wieder einmal gut bedient werden».

Letztlich unterstützt die Ärzteschaft jedoch die Impfung. «Unsere Chance, eine Viruserkrankung auszurotten, liegt darin, das Virus gar nicht zur Ausbreitung kommen zu lassen. Deshalb ist es sozialmedizinisch richtig, möglichst viele Menschen zu impfen», sagte Montgomery Anfang November. Zur sinnvollen Durchführung der Impfung fordert er, dass in allen Bundesländern neben den Gesundheitsämtern auch die Hausärzte den Pieks verabreichen sollten – das ist bislang nicht überall der Fall. Montgomery hält es zudem nicht für klug, dass jedes Bundesland ein anderes Verteilungsverfahren nutzt.

Sehr kritisch gesehen wird von Politikern und RKI die Impfmuffeligkeit beim Gesundheitspersonal selbst. Die ist unter Medizinern und Pflegepersonal nicht neu. Nach Angaben der Stiko lassen sich auch bei der alljährlichen Grippeimpfung nur 18 Prozent dieser Risikogruppe impfen. Nicht geimpftes Klinik- und Praxispersonal handle verantwortungslos, schimpfte der Stiko-Vorsitzende Friedrich Hofmann.

Lesen Sie auf Seite 2, wem die Impfung befohlen wird

Die Pharmaindustrie

Vier Labore waren in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an der Entwicklung des Serums beteiligt, das gegen das H1N1-Virus immunisieren soll. Für Europa haben im Oktober die drei Unternehmen GlaxoSmithKline, Novartis und Baxter die Zulassung zur Produktion erhalten.

Prominentester Impfstoffproduzent ist derzeit GlaxoSmithKline (GSK). Sein Serum Pandemix ist als erstes für die Bevölkerung auf den Markt gekommen – oder eben nicht. In den meisten Bundesländern gibt es Lieferschwierigkeiten. Es laufe alles planmäßig, betont eine Sprecherin. Nun ist bekannt geworden, dass bis Ende des Jahres 20 Millionen der insgesamt bestellten 50 Millionen Impfdosen bereitstehen sollen.

Die Bundeswehr

Bundeswehrsoldaten, die sich im Einsatz befinden oder darauf vorbereiten, sind die einzigen Deutschen, die nicht um eine Impfung herum kommen - «zur Sicherstellung der Durchhaltefähigkeit der Kontingente und natürlich auch zum Schutz der Zivilbevölkerung in Afghanistan» müssen sie den Stich über sich ergehen lassen, erklärt der Sprecher des Verteidigungeministeriums, Frank Wachter. Die Soldaten in Afghanistan werden mit dem Impfstoff Celvapan des Pharma-Unternehmens Baxter geimpft, ein Ganzvirusimpfstoff, der ohne Wirkungsverstärker funktioniert. Diese Differenzierung hatte Mitte Oktober für Aufruhr gesorgt, weil man ein Zwei-Klassen-Impfung vermutete. Das Paul-Ehrlich-Institut bemühte sich jedoch, die Zweifel zu zerstreuen.


Die Politik

Die Bundesregierung hat sich in Sachen Schweinegrippe stets diplomatisch verhalten. Wie schon seine Vorgängerin Ulla Schmidt angekündigt hatte, ließ sich nun auch ihr Nachfolger Philipp Rösler mit Pandemrix impfen, dem Serum für die Bevölkerung – auch, um der Debatte um einen besseren oder schlechteren Impfstoff den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er stellte sich ob der Verzögerungen auch hinter die Impfstoff-Erzeuger.

Weniger zufrieden sind die Länder. Sie fordern Klarheit darüber, wie viel Impfstoff die Konzerne wann liefern können. «Wir haben ein fundamentales Interesse daran, dass der lange bestellte Impfstoff jetzt zügiger produziert und dann zahlreicher als bisher in die Länder geliefert wird», betonte die niedersächsische Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann im Vorfeld des Impfgipfels mit dem Bundesgesundheitsminister am 11. November.

Auf kommunaler Ebene fühlten sich viele Politiker von der Wissenschaft allein gelassen, wie Erfurts Bürgermeisterin Tamara Thierbach beim Influenza-Kongress Ende September betonte. Wer impft, wann kommt der Impfstoff, was sagen wir den Leuten – Fragen, die ihrer Ansicht nach nicht systematisch geklärt wurden und damit zum Chaos um die Schweinegrippe beigetragen hätten.

iwi/kat/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • neugierig
  • Kommentar 5
  • 26.11.2009 16:59
 

An alle die unzensierte Informationen darüber suchen. . http://www.anti-zensur.info/frames/Videos.html#

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  • tomahawk
  • Kommentar 4
  • 25.11.2009 13:15
 

Gestern im den Nachrichten... In Kanada wurde das Serum vom Markt genommen, weil es schwere Allergien auslöst.

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  • frank fischerb
  • Kommentar 3
  • 19.11.2009 13:45
 

ich glaube, es waere angebracht, parallel nachzudenken, wer fuer dieses dilemma um die impfung, aufklaerung und die verdunklung um die zusammensetzung der impfseren verantworlich ist. aber da hat man vorgesorgt, politiker und ihre vasallen haben bei entdeckung nicht zu befuerchten, ausser einer versetzung mit gleichzeitiger befoerderung...warum wurde nicht in aller offenheit ueber die inhaltsstoffe gesprochen, die in den USA nicht verwendet werden. man hat etwas gekauft, mit verfalldatum, fuer viel geld...wie wird eigentlich ein kostenloser grossversuch an der bevoelkerung von der farma belohnt?

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  • Christiane Wartenberg
  • Kommentar 2
  • 13.11.2009 19:23
 

H1N1 stiftet Verwirrung, ich denke nicht nur sie. Unfassbar in den Schulen erkranken Kinder, diese werden nach Hause geschickt, der Arzt testet sie nichtmal. Niemand kennt mehr die Dunkelziffer der Schweinegrippe.Das Gesundheitsamt spielt die Pandemie herunter.Die Ärzte brauchen ab Samstag keine Meldung mehr machenüber grippale Infekte machen, praktisch kann die H1N1 jeder haben. Spielt man nun mit unseren Leben? Das würde mich mal interessieren!

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  • Wilfried Soddemann
  • Kommentar 1
  • 12.11.2009 07:21
 

Schweinegrippe ist unter Menschen ansteckend, sekundär. Influenza wird primär durch kaltes Trinkwasser ausgelöst. Menschen scheiden das Schweinegrippevirus mit Erbrochenem und Durchfall aus, via Abwasser in Gewässer. Tiere verschmutzen durch Fäkalien und Ausscheidungen aus Nase und Maul/Schnabel das Wasser. Alle Menschen haben Kontakt zum Trinkwasser. Viren bleiben im kalten Wasser lange ansteckend. Deshalb treten Influenzaepidemien im Winter auf. Viren werden im Wasserwerk unzureichend gefiltert. Im Winter wird uns die Schweinegrippe via Trinkwasser anstecken. soddemann-aachen@t-online.de

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