Im Dezember kommt Serum für Schwangere
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Von Basil Wegener
Artikel vom 11.11.2009
Erst wollte sich niemand impfen lassen, nun ist der Ansturm auf den schützenden Pieks enorm. Und verläuft vielerorts ins Leere: GlaxoSmithKline produziert nicht schnell genug, Arztpraxen führen Wartelisten. Dafür kommt der Impfstoff für Schwangere im Dezember.
Die angekündigten 50 Millionen Dosen des Schweinegrippe-Impfstoffs lassen länger auf sich warten als gedacht. Bis Ende des Jahres sollen 20 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix ausgeliefert werden. Das habe der Hersteller GlaxoSmithKline jetzt den Gesundheitsministern von Bund und Ländern zugesichert, sagte Bundesminister Philipp Rösler (FDP) in Berlin.
Maßgeblich seien die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, sagte Rösler. «Man muss nicht unbedingt morgen geimpft werden», erläuterte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD). Zunächst würden demnach Sicherheits- und Gesundheitspersonal geimpft. Dann folgten Menschen mit chronischen Krankheiten.
Im Dezember sollten zusätzlich 150.000 Impfdosen ohne Wirkverstärker (Adjuvans) für Schwangere zur Verfügung stehen, sagte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD). Insgesamt dürfe keine Hysterie aufkommen, mahnte Taubert. Im Januar und Februar solle beim Impfstoff nochmals nachgelegt werden.
Die Impfmüdigkeit der Bundesbürger scheint angesichts der immer stärker grassierenden Schweinegrippe mit inzwischen 13 Toten und insgesamt mehr als 40.000 Infizierungen hingegen passé. Vor zwei Monaten wollten sich laut Umfragen nur 13 Prozent auf jeden Fall impfen lassen. Nun läuft die Massenimpfung - und viele Impfwillige gehen zunächst leer aus. Vor allem für Schwangere gibt es bisher keine Klarheit über den mittlerweile von vielen ersehnten Piekser für mehr Sicherheit.
Beispiel Berlin: In rund 100 Arztpraxen sollte seit Montag geimpft werden - bei vielen gab es aber Fehlanzeige. Der Serumkurier blieb im Verkehr stecken, kam außerhalb der Öffnungszeiten zu den Praxen oder lieferte weniger als gebraucht. Die Kinderärzte der Hauptstadt wollen wenigstens chronisch kranke Kleine in von der Stadt gestellten Räumen umsonst impfen - die Behörden prüfen das Angebot noch.
Beispiel Frankfurt/Main: Von den Landesbehörden bekamen die Schulleiter den Ratschlag, die Lehrer sollten sich impfen lassen. Die Gesundheitsämter teilten postwendend mit, dafür fehle es an Kapazitäten. Beispiel Tübingen: Die meisten Praxen führen Wartelisten - Impfstofflieferungen blieben zunächst aus.
Im stark betroffenen Bayern steigt die Zahl der Infizierten rasant an - allein von Dienstag auf Mittwoch wurden innerhalb von 24 Stunden 1530 neue Fälle bestätigt. Kein Wunder also, dass die zunächst zurückhaltende Einstellung der Patienten sich ins Gegenteil verändert hat, wie der Allgemeinmediziner Bernhard Lutz in Poing bei München sagt. «Seit einer Woche hat ein richtiger Ansturm auf die Impfung eingesetzt», berichtet der Mediziner. «Die Hälfte der Patienten verlangt sofort nach der Impfung, die andere fragt besorgt nach.»
«Ich kann nur hoffen, dass hier niemals die Pest ausbricht»
In vielen Arztpraxen läuft die Impfung auch problemlos. «Das Ganze war in vier, fünf Minuten erledigt», berichtet ein Mann, der sich in Berlin morgens bei seinem Hausarzt impfen ließ. Schließlich hieß es aus dem Bundesgesundheitsministerium vor Wochen auch stets: «Jeder, der sich impfen lassen will, kann auch geimpft werden.» Risikopatienten zuerst - dann die anderen. Heute sind manche Ärzte aber vergrätzt: «Ich kann nur hoffen, dass hier niemals die Pest ausbricht», schimpft der Vorsitzende der Berliner Frauenärzte, Albrecht Scheffler. Die Bundesärztekammer beruhigt: So schlimm verlaufe die neue Grippe zum Glück meist nicht, sagt Kammer-Vize Frank Ulrich Montgomery. «Deswegen kann man jetzt alles mal üben.»
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) versichert: Die Engpässe können beseitigt werden. Ein Vertreter des Impfstoff-Herstellers GlaxoSmithKline ist bei Gesprächen mit Rösler und seinen Länderkollegen im Ministerium an der Berliner Friedrichstraße dabei. Die Bundesländer haben insgesamt 50 Millionen Impfdosen bestellt. Das Pharmaunternehmen hatte Lieferschwierigkeiten mit Problemen bei der Vermehrung des Saatvirus erklärt.
Haben die Behörden den Impfstoff im Sommer zu spät geordert? «Wir waren spät dran», sagt der Hallenser Mikrobiologe Alexander Kekulé in der ARD. Die Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) weist dies prompt zurück.
Angesichts der Schwierigkeiten fragen sich manche, wie sie mit den Aufforderungen aus der Ärzteschaft umgehen sollen. So sollen laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auch Kinder unter drei Jahren gegen die neue Grippe geimpft werden. Wenn Eltern von Kindern ohne chronische Leiden beispielsweise in der Hauptstadt aber bei Gesundheitsämtern oder Ärzten fragen, handeln sie sich reihenweise Absagen ein.
Völlig unklar ist zunächst auch, ob der gesonderte Impfstoff für Schwangere bald kommt. Möglichst ohne die strittigen Wirkungsverstärker und nur mit Virenteilen soll dieses Serum ausgestattet sein. «Die Verträge sind noch nicht abgeschlossen», heißt es dazu im Rösler-Ressort. Das Robert-Koch-Institut aber will Verunsicherung vermeiden: Bis der gesonderte H1N1-Impfstoff zur Verfügung stehe, könne auch eine Impfung mit dem bereits verfügbaren Pandemrix auch bei Schwangeren sinnvoll sein. Voraussetzung: eine eingehende Besprechung mit dem Arzt.
iwi/kat/news.de/dpa
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Wer als baldige Mutti ein gesundes Kind will, sollte weder vor noch nach der Geburt eine Impfung empfangen und sei sie noch so gut gemeint. Denkt jetzt schon an das Märchen von Schneewitchen und der bösen Königin. Sie wollte auch nur das "Beste" für das Kind - nämlich sein Leben nehmen.
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