Jogginghosen schlabbern auf dem Laufsteg
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von Gregor Tholl
Artikel vom 11.11.2009
Eigentlich gehen sie gar nicht - nur für Prolls, Prügler und Bankräuber. Trotzdem lassen sich längst auch Stars in Jogginghosen blicken, und von der Straße sind die schlabbrigen Modelle auf den Laufsteg gesprungen.
Sie ist die Uniform in Fitnessstudios und Dauergast in Polizeimitteilungen, wenn es um die Kleidung von Tätern geht: die Jogginghose. Jetzt ist die Schlabberhose zum hippen Kleidungsstück geworden. Der lässige Stil - mancher sagt auch «Proll- Look» - gewinnt an Terrain. Die Rapper- und Hip-Hop-Szene mit Idolen wie Bushido hat die Jogginghose schon seit längerem straßenfähig und sogar clubtauglich gemacht.
«In den letzten zehn Jahren ist die Straße zum wichtigen Laufsteg geworden», sagt die Modekolumnistin Marlene Sørensen von der Zeitschrift Maxi. Gerade junge Designer wie Alexander Wang oder Isabel Marant fielen mit Kollektionen auf, die direkt vom Stil der Straße inspiriert waren. «Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Designer schließlich das Kleidungsstück rausgriffen, das am wenigsten glamourös ist - und es glamourös machten.»
Tough aussehen und es dabei trotzdem bequem haben, das passe in harte Zeiten, interpretiert Sørensen. Aber als direkte Reaktion auf die Krise sollte man diesen Schlabber-Trend in der Designermode nicht verstehen. Designer-Jogginghosen kosten nämlich gerne mal mehrere hundert Euro und sind dann aus Kaschmir oder Seidengemisch.
Privat tragen auch Stars lieber Adidas als Edeldesigner
Wer Paparazzi-Fotos in Gossip-Blogs oder Leute-Magazinen anschaut, bekommt selbst Stil-Ikonen wie Madonna oder Natalie Portman in Jogginghosen zu Gesicht - die Stars tragen in ihrer Freizeit nicht nur edle Teile von Designern, sondern wie der Mainstream die Hosen bekannter Sportmarken.
«Heute sieht man Julia Roberts und Cameron Diaz ungekämmt in Jogginghosen rumlaufen, die sehen aus wie ‹bag ladies›, wie Obdachlose. So etwas gab es früher nicht. Damals mussten sich Schauspielerinnen in ihren Verträgen verpflichten, wie Stars aufzutreten, wenn sie das Haus verlassen», beklagte Mode-Altmeister Valentino schon 2005 in der Wochenzeitung Die Zeit. Der Vollständigkeit halber muss man aber sagen, dass sich der Meister der klassischen Eleganz in einer Kollektion für 2003 selbst einmal der Jogginghose angenommen hatte.
Wird hier also mit zweierlei Maß gemessen? Klare Antwort: Ja. Designer unterscheiden einen edlen und einen schäbigen Jogginghosen-Look. Michael Michalsky etwa sagte dem Berliner Magazin 030: «Das kann geil sein, wenn man sie mit einem Jackett und einem guten T- Shirt kombiniert.»
Die Süddeutsche Zeitung philosophierte kürzlich allgemein über die Jogginghose, insbesondere die graue, die zum «Klassiker des neuen Jahrtausends» werde. In ihrem Heimatland USA sei sie fast ein Kulturgut. Die angesagtesten Modelabels bemühten sich derzeit um ihre Resozialisierung. Die Jogginghose - im Amerikanischen sweatpants - habe sich seit den 1970er Jahren immer mehr vom Sweatshirt emanzipiert.
Dass sie auch Kleinganoven-Uniform sei, hat laut SZ einen einfachen Grund: Sie sei nun mal «der beste Komplize, den man sich wünschen kann: Das nachgiebige Baumwollgemisch erleichtert die Flucht über Rolltreppen, Gartenzäune und sonstwelche Hindernisse. Dazu ist die Jogginghose leicht wie Watte und warm wie eine Taschenheizung, Kriminalität hat ja immer Hochsaison, auch nachts und im Winter.»
Und was sagt Karl Lagerfeld? Der Modezar hat schließlich immer einen Rat, wenn man nicht mehr weiter weiß. Lagerfeld findet Jogginghosen auf andere Art verbrecherisch. Der Zeitschrift Freundin sagte er: «Jogginghosen sind gefährlich.» Warum? «Weil sie einen Gummizug haben. Der gibt nach und dann merken Sie nicht, wenn Sie zugenommen haben.»
iwi/car/news.de/dpa
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Komiker Olli Dittrich hat die Sommerpause beendet und startet in die 12. Staffel seiner Kult-Comedy mehr ...
RTL zeigte gestern Abend die Dokumentation über Britney Spears, die schon vor ihrer Erstausstrahlung für Gesprächsstoff mehr ...
Sie besinnen sich auf die uritalienischen Qualitäten - edle Stoffe und hochwertige Verarbeitung. In Mailand mehr ...
Bei den Prêt-à-Porter-Schauen in Paris ärgerten sich die Kritiker über relativ einfallslose Kollektionen. Hingucker gab mehr ...
Männer sehnen sich wieder nach Sauberkeit und Ordnung am Körper. Die aktuellen Modetrends kommen ihnen da gerade mehr ...
Geschmäcker sind verschieden. Und so gibt es auch in der Mode immer wieder Trends, die polarisieren. Das Must-Have des Winters mehr ...
Mit fröhlichen Farben und klaren Formen wollen die Modemacher im Jahr 2010 der Wirtschaftskrise trotzen. mehr ...
Zuerst war Rock´n´Roll, dann kamen Punk, Pop und die Hippies. Und heute? Jugendkulturen spenden keine mehr ...