«Andere Schauspieler weinen auch»
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Von news.de-Mitarbeiter Oliver Neumann
Artikel vom 08.11.2009
Menschen mit Down-Syndrom können außergewöhnliche Künstler sein, und damit den Blick der Öffentlichkeit für ihre Belangen schärfen. News.de spricht mit Schauspielerin Juliana Götze und Theaterleiterin Gisela Höhne über Proben, Preise und die Liebe.
Sie haben vor kurzem den «Bobby», den Medienpreis der Lebenshilfe, für Ihren Auftritt im Polizeiruf 110-Rosis Baby bekommen. Haben Sie schon einen Platz für die Statue aus Bronze und Glas ausgesucht?
Götze: Ich bin ich stolz auf den Preis. Der bekommt in meinem Zimmer einen Ehrenplatz auf meinem Regal.
Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Götze: Ich muss überlegen. Ich habe mit dem Kinderzirkus angefangen. Da war ich neun Jahre alt, dann mit 14 war meine erste Premiere bei Gisela.
Höhne: Wir haben im unserem Verein Sonnenuhr auch einen Zirkus. Damals haben wir freche, selbstbewusste Frauen gesucht für das Stück Weiberrevue, möglichst mit Down-Syndrom. Und ich wusste, dass Juliana selbstbewusst, musikalisch ist und sich wunderbar bewegen kann. Damals ist sie noch zur Schule gegangen und nachmittags zur Probe ins Theater Rambazamba gekommen.
Juliana, wenn Sie schon so lange Theater spielen, haben Sie noch Lampenfieber?
Götze: Ein bisschen nervös bin ich, ja, aber Lampenfieber habe ich gar nicht.
Sie haben jetzt schon in einigen TV-Produktionen gespielt. Was gefällt Ihnen besser, Theater oder Film? Macht es überhaupt einen Unterschied?
Götze: Es gibt schon einen Unterschied. Im Film wird man nur einmal gezeigt, im Theater spielt man live vor allen Zuschauern. Das Theater ist sowieso besser, da hat man sofort den Applaus, beim Fernsehen muss man lange warten, bis man nach der Drehpause wieder anfängt.
Höhne: Im Theater spielt man die Rolle von Beginn durch, da fließen dann auch die Gefühle. Im Film ist das unterbrochen. Es hat auch den Vorteil, glaube ich, dass man immer noch was verbessern kann. Juliana spielt offenbar lieber Theater, das höre ich schon raus.
Ist Theater viel Arbeit für Sie?
Götze: Es ist schon Arbeit. Wir haben viel Training, Musik, Tanz, Stimmtraining. Aber das macht Spass, vor den Zuschauern zu spielen, da ist auch eine große Spannung, wenn so viele Zuschauer im Theater sind. Wir spielen vor allen Leuten, vor 5 oder 15 oder vor 40.000 Leuten.
Haben Sie eine spezielle Technik, den Text zu lernen.
Götze: Wir bekommen das Drehbuch mit, und lernen zu Hause. Auch bei den Proben lerne ich.
Höhne: Juliana ist ein Phänomen. Wenn ein Stück schon läuft und es hat sich ein Fehler eingeschlichen, dann sag ich einmal: Juliana, den Satz musst du umdrehen, er heißt soundso. Ich habe das nur einmal gesagt, und sie hat es sofort gemacht und immer wieder richtig gemacht.
Wie reagierten die Kollegen beim Film auf Sie? Denken die, Juliana Götze, wer ist das?
Götze: Den Regisseur Andreas Kleinert habe ich vorher auch nicht gekannt. Aber als wir uns kennen gelernt hatten, da haben wir uns vertraut. Dann ist es einfacher.
Höhne: Die waren alle total nett, ich war als Coach dabei. Die haben Juliana richtig als gleichberechtigte Kollegin anerkannt. Natürlich weil sie gemerkt habe, dass sie richtig was kann und dass sie ernsthaft als Schauspielerin arbeitet. Die haben gemerkt, die können sie genauso fordern, wie andere Schauspieler.
Die anderen Schauspieler haben Juliana nicht geschont. Gibt Juliana selbst immer alles?
Höhne: Juliana schont sich nie. Beim Film ein bisschen, weil Themen berührt wurden, die tief gehen. Sie hat natürlich Angst vor der Emotionalität einer Szene. Und ich habe sie ermutigt, habe gesagt, du kannst das. Der Regisseur hat das mit der Zeit auch gelernt, so dass ich zum Schluss gar nicht mehr so viel dabei sein musste. Bei ganz aufregenden Szenen hat sie erst einmal geweint, aber dann konnte sie es. Nach dem Weinen war etwas gelöst, da war ein Punkt überwunden. Andere Schauspieler weinen übrigens auch.
Ist eine starke Hand bei den Proben wichtig?
Götze: Wenn es Kritik ist, na klar. Da muss man auch hart sein manchmal, wenn man einen Fehler gemacht hat. Ich brauche das auch.
Höhne: Die Korrektur ist eine Form von Akzeptanz. Aber ansonsten ist es schon nett zwischen uns.
Frau Höhne, spornt Julianas Preis die anderen Ensemblemitglieder an?
Höhne: Ich glaube schon, dass jeder mal gerne einen Preis hätte. Aber es hat keiner so gesagt. Das müsste ich direkt mal fragen. Einen Film würden sie alle gerne einmal machen. Juliana ist da schon etwas Besonderes und wir bewundern sie alle. Ansonsten haben sie eine in sich ruhende Selbstverständlichkeit, sie arbeiten fürs Theater gerne und sind sowieso motiviert.
Gibt es schon neue Projekte?
Götze: Nee.
Höhne: Es gibt ein Projekt, aber darüber kann ich noch nicht reden. Das wäre etwas mit Juliana und noch zwei anderen Schauspielerinnen für die Berliner Festtage, aber nicht bei uns. Das ist noch nicht endgültig, wäre aber etwas ganz tolles.
Wie wichtig ist Öffentlichkeit für die Arbeit mit Schauspielern mit Down-Syndrom?
Höhne: Es ist immens wichtig, dass unsere Schauspieler auch in anderen Zusammenhängen gesehen werden. Weil damit ist klar, sie sind zwar anders, aber sie sind Schauspieler. Sie gehören zu dieser Gesellschaft, zu dieser Kultur. Dass sie immer sie selbst bleiben, gerade die Menschen mit Down-Syndrom, ist immer so eine Art Selbstreferenz. Aber sie öffnen damit natürlich den Blick auf Menschen mit Behinderung. Wir machen uns keine Illusion, wir bleiben eine Nische - nach 20 Jahren weiß ich das. Aber wir sind auch nicht Laien-Theater. Es ist was Besonderes, was auf der gleichen Ebene mit guten Theatern liegt und das ist okay. Das Grundprinzip ist Qualität und Professionalität.
Im Polizeiruf spielen Sie eine junge Schwangere. Sind Kinder und Liebe ein Thema für Sie?
Götze: Schwanger werden will ich nicht. Ich habe mit einem Kollegen einen Aufklärungsfilm gemacht, da haben wir natürlich was gelernt. Ich habe eine Freundin.
Höhne: Ja, Juliana hat ein Frauen-Verhältnis, sie liebt eine Freundin.
Jetzt haben Sie den «Bobby» gewonnen, könnten Sie sich eine gemeinsames Engagement mit Bobby Brederlow vorstellen, nach dem der Preis benannt ist.
Juliana Götze: Ja, doch.
Gisela Höhne: Es gab übrigens intern eine ganz tolle Begründung für den Preis. Der Bobby hat tolle Rollen gespielt, aber er spielt sich immer selbst. Juliana wurde vorgeschlagen, weil sie eine andere Rolle gespielt hat. Sie ist in der Lage, andere Personen zu verkörpern und das ist toll. Ich kenne nicht noch so eine Schauspielerin wie Juliana.
Juliana Götze, 24, ist seit mehr als zehn Jahren Schauspielerin am Theater Rambazamba in Berlin. Einem breiten Publikum wurde die Jungschauspielerin mit Down-Syndrom durch Fernsehproduktionen bekannt, zuletzt spielte sie die Hauptrolle in einer Folge der ARD-Serie Polizeiruf 110. Vom Vereins Lebenshilfe wurde ihr im im November der Medienpreis „Bobby“ verliehen.
Gisela Höhne, Jahrgang 1949, gründete zusammen mit Klaus Erforth im Jahr 1990 den Verein Sonnenuhr für Menschen mit geistiger Behinderung in Berlin. Die beiden integrativen Theater-Ensembles des Vereins gehören zu den renommiertesten in Deutschland.
iwe/news.de
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Von mir auch herzliche Glückwünsche! Allerdings habe ich es wie ella empfunden- die hinterhergeschobenen Antworten wirken störend. Als ob Julia eben doch keine gleichberechtigte Kollegin ist. Dabei kann sie doch hervorragend für sich sprechen!
jetzt antwortenKommentar meldenGlückwunsch! Nur etwas verwirrend, dass Frau Höhne die Aussagen von Juliana Götze zum Teil wiederholt - eigentlich ist es ohne Wiederholung verständlich genug..
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