Ein muslimischer Psychiater des amerikanischen Heeres hat auf dem größten Militärstützpunkt der USA in Fort Hood zwölf Menschen erschossen und 31 verletzt. Er erlitt bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften schwere Verletzungen.
Der Kommandeur des in Fort Hood stationierten III. Heereskorps, Generalleutnant Bob Cone, sagte, der Täter befindet sich unter Bewachung im Krankenhaus des Stützpunktes.
Der Täter wurde offiziell als der 39-jährige Major Nidal Malik Hasan identifiziert. Er sei in Virginia geboren und ein gläubiger Muslim gewesen, der oft in Uniform gebetet habe, sagte der Imam einer Moschee in Maryland, die Hasan oft besucht hat. Hasan habe oft mit ihm über seinen Wunsch gesprochen, eine Frau zu finden, sagte Imam Faizal Khan. In einem Partnervermittlungsprogramm der Moschee habe er sich als Palästinenser bezeichnet, sagte er weiter. «Ich weiß nicht warum», fügte Khan hinzu. «Er wurde in Virginia geboren.»
Zunächst hatte es geheißen, der Täter sei in der vermutlich folgenschwersten Schießerei innerhalb eines US-Stützpunkts getötet worden. Cone führte die Fehlinformation auf die allgemeine Verwirrung nach dem Blutbad zurück. Zum Zustand Hasans sagte er: «Ich würde sagen, sein Tod steht nicht unmittelbar bevor.» Oberst Ben Danner bezeichnete auf derselben Pressekonferenz Hasans Zustand als kritisch.
US-Präsident Barack Obama sprach von einem «entsetzlichen Ausbruch der Gewalt», dessen Hintergründe rückhaltlos aufgeklärt würden. «Wir werden sicherstellen, dass jede einzelne Frage zu diesem schrecklichen Zwischenfall beantwortet wird», sagte Obama.
Cone sagte, nach der Schießerei seien zunächst drei weitere Personen festgenommen und befragt worden. Man gehe aber von einem Einzeltäter aus. Ermittler erstellten ein Profil zur Klärung des Motivs des Amoklaufs. Sie fanden heraus, dass Hasan eine schlechte Bewertung für seine Zeit im Militärkrankenhaus Walter Reed erhalten habe, von wo er nach sechs Jahren Dienst im Juli nach Fort Hood versetzt worden sei. US-Senatorin Kay Bailey Hutchison sagte, der Major habe vor einer Versetzung ins Ausland gestanden. Sie wisse aber nicht, ob er nach Afghanistan oder Irak sollte.
Oft Streit mit Kameraden über Irak und Afghanistan
Ein Kollege des mutmaßlichen Täters, der pensionierte Oberst Terry Lee, sagte im Fernsehsender Fox, Hasan habe gehofft, dass Obama die Truppen aus Afghanistan und dem Irak zurückholt. Er habe sich oft mit Kameraden gestritten, die für die Einsätze gewesen seien. Gegen eine Versetzung in die Konfliktgebiete habe er gekämpft.
Danner sagte, der Täter habe zwei Handfeuerwaffen benutzt, eine davon halbautomatisch. Es seien keine Militärwaffen gewesen. Zum Zeitpunkt des Massakers habe eine Zeremonie für Absolventen einer Ausbildung im Auditorium des Readiness Centers stattgefunden, sagte Heeressprecherin Rebekah Lampman. Cone sprach von einer «schrecklichen Tragödie».
Das Massaker in dem texanischen Stützpunkt setzt eine Serie ähnlicher Schießereien mit vielen Toten allein seit 2007 fort. Im vergangenen März bei einem Amoklauf in Alabama zehn Menschen getötet, im April bei einer Schießerei in einem New Yorker Einwandererzentrum 13 und beim größten Blutbad in der jüngeren US-Geschichte 32 Menschen in der Universität Virginia Tech im April 2007. 1993 wurden bei einer Schießerei in Fort Knox drei Zivilbeschäftigte von einem Amokläufer getötet, der sich danach erschoss.
Wenige Stunden nach dem Amoklauf sind mehr Details über den Täter bekannt geworden. Die Washington Post berichtete, er sei ein gläubiger Muslim gewesen und habe früher jeden Tag in seiner Gemeinde nahe Washington gebetet.
Eine Tante des 39-jährigen Nidal Malik Hasan sagte der Zeitung, er sei seit Jahren wegen seines Glaubens immer wieder schikaniert worden. Seit Jahren habe der Militär-Psychiater auch versucht, aus der Armee entlassen zu werden und sogar angeboten, die Kosten für seine medizinische Ausbildung der Armee zurückzuzahlen.
Die New York Times berichtete, nach Angaben eines Neffen war der Schütze «entsetzt», dass er Ende des Monats in den Irak geschickt werden sollte. Als Psychiater habe er Soldaten betreut, die nach ihrem Einsatz im Irak unter einem posttraumatischem Schock litten und von den Grauen des Kriegs berichteten.
Nach Informationen der New York Times untersucht die Bundespolizei FBI Blogeinträge im Internet, die möglicherweise von dem Täter stammen. Darin debattiert ein Mann, der sich Nidal Hasan nennt, über Selbstmordanschläge und findet dafür positive Argumente. So vergleicht er in einem Eintrag das Heldentum eines Soldaten, der sich auf eine Granate wirft, um seine Kameraden zu schützen mit einem Selbstmordattentäter, der sich für seine muslimischen Glaubensbrüder opfere.
jan/news.de/ap