Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Ein Kind zeugen, das ist ein Akt von Sekunden. Manchmal dauert es Jahre. Und wenn beide Partner dasselbe Geschlecht haben, ist es von vornherein kompliziert. Frederike und Silke haben einiges versucht - und endlich ein gutes Gefühl, dass es klappen könnte.
Irgendwann fällt die Entscheidung. Man ist es leid, sich immer nur um sich selbst zu drehen. Die Beziehung stimmt, das Geld auch. Jetzt können wir eine Familie werden. Das haben sich Frederike und Silke auch gedacht.
Drei Jahre ist das her, und die beiden haben für ihre Entscheidung mehrere tausend Euro gezahlt. Samenbank, Fruchtbarkeitsklinik, Hormone, Flüge, Eileiterdurchspülung. Da kommt einiges zusammen, wenn man nicht einfach so ein Kind zeugen kann wie ein heterosexuelles Paar.
Drei gescheiterte Pläne später sind Silke und Frederike noch immer nicht Mama und Mama. Dafür aber mittendrin in Plan vier. Und sie erinnern sich. Zuerst haben sie damals getan, was die meisten Leute auf der Suche nach einer schnellen Antwort tun: im Internet gesucht. Sie fanden Plattformen, auf denen Männer ihren Samen anbieten. «Aber wir haben ziemlich schnell mitbekommen, dass sie nur ihren Spaß haben wollen», sagt Frederike. Sie sollte die leibliche Mutter werden, das war zwischen ihr und Silke klar. Aber dafür mit einem Mann ins Bett steigen, was sie noch nie getan hatte – nein.
Ein neuer Plan musste her, und der führte recht schnell nach Berlin. Dort fanden sie eine Privatklinik, die sich einer Gesetzeslücke bediente und bei homosexuellen Paaren die künstliche Befruchtung durchführte. Eigentlich ist das in Deutschland nicht möglich, aber ein Passus im Paragraphen erlaubte «eheähnlichen» Gemeinschaften die Insemination - und damit auch eingetragenen Lebensgemeinschaften Homosexueller. Inzwischen ist dies jedoch auf heterosexuelle Lebensgemeinschaften reduziert worden.
Sechs Versuche und kein Erfolg
Schon die Anmeldung in der Samenbank kostete Frederike und Silke 1500 Euro. Jeder Versuch weitere 600, und alle Arztkosten mussten sie selbst tragen. Heterosexuellen Paaren zahlt die Krankenkasse drei Versuche. Die beiden versuchten es viermal, ohne Erfolg. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass bei Frederike mit einem Eileiter etwas nicht in Ordnung war. «Jetzt wussten wir immerhin, dass ich darauf achten musste», erzählt sie. Zwei Jahre lang nahm sie Hormone, so richtig gut haben ihr die nicht getan. Nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen reichte es den beiden.
«Der nächste Schritt wäre, dass man außerhalb des Körpers befruchtete Embryonen einsetzt. In vitro also», schildert Frederike Plan drei. Doch dazu kam es nie. Denn ein Retortenbaby dürfen in Deutschland definitiv nur heterosexuelle Ehepaare bekommen. In anderen Ländern ist man freizügiger, zum Beispiel in den Niederlanden oder Skandinavien. Aber auch teuer. 5000 Euro für einen Versuch in Barcelona klangen im Vergleich dazu günstig.
Doch nach einem Erstgespräch in Spanien wurde Frederike klar - das war nicht ihr Weg. Sündhaft teure, starke Hormontabletten, zwei Eingriffe zum Entnehmen und wieder Einsetzen der Eier, und zwei Wochen lang hätte sie sich jeden Tag Blut abnehmen lassen müssen. In ihrer Stadt gibt es kein Labor, das die Proben umgehend nach Barcelona geschickt hätte. Und 14 Tage lang allein in der fremden Stadt, ohne Silke, denn die musste arbeiten – das war zu viel. «Ich war das erste Mal schon alleine da. Mir war klar, das ist zu emotional, daran geh ich kaputt», sagt Frederike.
Endlich ein gutes Gefühl
Die Idee mit der Adoption war nicht neu. Bei Freunden hatte es gut geklappt. Und der junge Mann, den sie beim Jugendamt antrafen, war sehr aufgeschlossen, von Homophobie keine Spur. Frederike darf ein Kind als Einzelperson adoptieren, erfuhren sie, und da sie mit Silke «verheiratet» ist, ist es selbstverständlich, dass sie die Vorbereitung gemeinsam durchmachen.
Die Chancen stehen gut. Sieben Paare bewerben sich derzeit in ihrer Kommune um eine Adoption, und im Osten Deutschlands ist das Verhältnis von Adoptionswünschen und zur Adoption freigegebenen Kindern allgemein günstiger als im Westen. Erst kürzlich haben ein alleinerziehender Vater und eine alleinerziehende Mutter in ihrer Umgebung ein Kind annehmen können, erzählt Frederike.
Das Jugendamt lege ihnen keine Steine in den Weg, doch die Zustimmung müsse von der leiblichen Mutter kommen, erklärt sie: «Manche Mütter sind ganz offen und wollen nur eine Familie, wo es das Kind gut hat. Aber das Jugendamt muss noch einmal explizit nachfragen, ob es auch wirklich in Ordnung sei, wenn es zu zwei Frauen kommt.»
Bisher sind alle Paare, die an den Vorbereitungsseminaren teilgenommen haben, auch Eltern geworden. Einmal im Monat treffen sie sich, um herauszufinden, ob eine Adoption wirklich das Richtige für sie ist. «Man muss abgeschlossen haben mit dem Thema, selbst kein Kind bekommen zu können. Ein Adoptivkind kann kein Ersatz dafür sein», betont Frederike. Sie und Silke sind bereit. «Auf jeden Fall. Ein eigenes Kind soll nicht sein, aber wir wollen für ein anderes Kind da sein, das Eltern braucht. Das sehen wir jetzt als unsere Aufgabe an.»
Für Silke ist der Schritt gar nicht so groß – sie hätte Frederikes leibliches Kind ohnehin adoptiert. Und Frederike erspart sich die Sorgen um den anonymen Samenspender. «Da hat man kein Recht, herauszubekommen, wer es ist. Man muss das Kind später allein damit lassen.» Mit Plan vier haben beide ein gutes Gefühl.
kat/reu/news.de
Ein Kommentar der Anerkennung verdient. Die zwangsläufige Verzweiflung dieser Kinder durch ein Verhalten der Erwachsenen wird ausgeblendet. Im Übrigen ist die permanente Kampagne dieser Personengruppe, ich bin anders - aber in Bezug auf X (Steuerrecht, Kinder haben, Politiktreiben, usw.) will ich gleich behandelt (durch Gesetz und in der sozialen Achtung) werden, eine Zumutung. Dies gilt rechtlich, sozial, medizinisch, ethisch und psychisch. M.E. hat die Gesellschaft auch andere Probleme, als den Gleichstellungsansprüchen dieser Personengruppe nachzulaufen.
jetzt antwortenKommentar meldenBei denen ist es wie bei Lindner und Co.Die kaufen die Kinder aber von Adoption ist es weit weg.Anständige Paare die nicht so betucht sind und ein Kind adoptieren wollen bekommen Steine in den Weg gelegt wo es nur geht.Und die ganze Kinderkauferei geht zu Lasten der Politiker die so Machtbesessen sind dass sie egal was für Gesetze in die Welt schleudern.Mal sehen wer die Verabntwortung übernimmt wenn das erste Kind durch den Spott der anderen sich das Leben nimmt.Dann will es keiner gewesen sein.Diese Welt geht besser unter.Denn so wie jetzt kann es nicht weitergehen.
jetzt antwortenKommentar meldenDiese medizinische Familienplanung ist nicht nur der Natur unwillkommen, sondern entspricht auch nicht dem kulturellen Verständnis und schon gar nicht dem Wohl der Kinder. Vom Letzteren ist auszugehen. Wie ein Gesetzgeber in dieser Frage dermaßen aus dem Tritt kommen kann, verwundert allerdings nicht. Alle Entscheidungen der letzten Jahre waren gegen Kinder gerichtet. Die Ökonomisierung der Familie, die Kitas als Kinderverwahranstalten oder dem Mangel an Erziehungsfähigkeiten führten zu Regelungen, die dem Rabenelterntum entsprechen. R fordert: Kinderwahlrecht, Popularanwaltschaft für Kinder.
jetzt antwortenKommentar meldenDer Bericht hört sich fast so an, als hätte Mutter Natur da einen Fehler gemacht. Nein, es ist nicht gewollt von der Natur, kann man das nicht einfach akzeptieren ? Ich weiß auch nicht, was dabei heraus kommt, wenn ein Kind in solch einer Beziehung aufwächst ...
jetzt antwortenKommentar meldenhello i hope happy life for you pls pl s save me i love you i want freedom life i need care i lost my family in yemen war in north yemen on 25/10/2009 pls save me i need you i love you i want any work pls pls pls pls pls god bless help me by any way pls kisess Adel Ahme tel:009671321233 Sana'a Yemen
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