Wegen versuchter Erpressung der Quandt-Erbin Susanne Klatten ist ein 43 Jahre alter Kfz-Mechaniker zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Drei 33 bis 46 Jahre alte Komplizen kamen wegen Beihilfe mit Bewährungsstrafen von zwölf bis 20 Monaten davon.
Die Trittbrettfahrer aus Nordrhein-Westfalen hatten im Juli dieses Jahres behauptet, Videos von Klattens intimer Beziehung mit dem Schweizer Helg Sgarbi zu besitzen. Für die Herausgabe der Aufnahmen forderten sie von der Milliardärin 800.000 Euro und einen Wagen. Sgarbi war im März wegen der versuchten Erpressung von Klatten zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Der 43 Jahre alte Hauptangeklagte gab vor Gericht zu, zusammen mit dem 46 Jahre alten Kraftfahrer im Juni und Juli in Briefen und Telefonaten von Klatten 800.000 Euro und einen BMW verlangt zu haben. Dafür würden sie die Videos herausgeben, tatsächlich besaßen die Männer den Ermittlungen zufolge kein Filmmaterial. Die Übergabe sollte auf einem Parkplatz bei einem Autohaus in Duisburg stattfinden. Als Zeitpunkt wurde der 15. Juli 2009 genannt. Die beiden 33 und 40 Jahre alte Mitangeklagten sollten die Straße beobachten und das Auto abholen. Die Polizei belauschte die Telefonate der Angeklagten und nahm sie am 15. und 21. Juli fest.
Auf die Idee waren die beiden Haupttäter durch den Prozess gegen Sgarbi gekommen. Sgarbi hatte die Videos 2007 während seiner Affäre mit Klatten angefertigt und versucht, die BMW-Großaktionärin damit um zweistellige Millionenbeträge zu erpressen. Die Videoaufzeichnungen sind bis heute nicht gefunden worden. Lediglich ein kurzes Video liegt den Ermittlern vor. Sgarbi hatte es seinerzeit an Klatten geschickt, um seine Forderungen zu unterstreichen. Klatten ging jedoch zur Polizei.
Gleich zu Beginn des neuen Prozesses hatten sich Gericht, Anklage und Verteidigung am Dienstagmorgen hinter verschlossenen Türen um eine Einigung über das Strafmaß im Falle eines Geständnisses bemüht. Der «Deal» drohte allerdings zu scheitern, als der 43-Jährige bei seiner früheren Aussage blieb. Schließlich gestand der Hauptangeklagte dann doch.
kat/news.de/dpa