Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Die Welt schaut auf Dresden. Dort wird am Landgericht der Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini verhandelt. Für die arabische Welt berichtet Al-Jazeera-Korrespondent Aktham Suliman über den Prozess. Ein Gespräch über ein Verbrechen, das erschüttert.
Der Mord an Marwa El-Sherbini hat die islamische Welt erschüttert - und Deutschland in ein sehr schlechtes Licht gerückt.
Suliman: Problematisch war eher der Umgang mit dem Mord auf medialer und politischer Ebene und weniger der Mord an sich. Jeder weiß, dass kein Staat in der Lage ist, jeden Bürger 24 Stunden lang zu schützen, schon gar nicht vor so großem Hass. Aber es gab Zögern am Anfang, es gab Stottern, es gab Unverständnis. Man war irritiert. Man wollte das alte Denken nicht gleich aufgeben, dass normalerweise die Muslime die Täter sind und die anderen die Opfer. Das hat dazu geführt, dass die arabische und islamische Welt mit Unverständnis auf die Linie hier in Deutschland blickte.
Welche Rolle spielt nun der Prozess in Dresden?
Suliman: Inzwischen haben Presse und Politik ihr Verhalten revidiert, nicht zuletzt dank der Bemühungen der muslimischen Vereine. Mit dem Prozess wird Deutschland zwar nicht geprüft, aber man will natürlich sehen, dass auch hier für das schlimmste Verbrechen, das man begehen kann, und zwar eine Mutter, eine schwangere Frau umzubringen - in einem Gerichtsaal - die höchstmögliche Strafe verhängt wird.
Lebenslang.
Suliman: Das Maximum. Keiner verlangt die Wiedereinführung der Todesstrafe.
Was haben die Fehlreaktionen für das Verhältnis von Deutschen und Muslimen in Deutschland bedeutet?
Suliman: Ich würde nie von Deutschen und Muslimen sprechen. Aber natürlich kann man sagen, dass die muslimischen Mitbürger hier und da schon das Gefühl hatten, wenn bei einem Mord ein Moslem das Opfer ist, dann ist das nicht unbedingt gleichzusetzen mit einem anderem Mord, wo der Moslem meinetwegen auch der Täter ist. Viele haben gesagt, so oft, wie über Ehrenmorde berichtet wird, da hätte man auch hier berichten können. Aber weil der Muslim hier ein Opfer ist, passt das nicht ins Gesamtbild. Das hat in der ersten Zeit das Bild geprägt.
Hat sich das geändert?
Suliman: Ich habe das Gefühl, dass inzwischen, mit der Trauerfeier und der ganzen Debatte, die Frage, wer ist hier der Muslim, wer der Christ, kaum noch zu sehen ist. Sogar die Boulevardpresse schreibt sehr solidarisierend über Marwa El-Sherbini und ihre Familie und feindlich dem Täter gegenüber.
Wie sind die Reaktionen ihrer Zuschauer auf den Prozess?
Suliman: Meine Beiträge darüber gehören zu den meist gesehenen. Daran sieht man, dass das Interesse groß ist. Aber ich behaupte, es ist ein Interesse des Beobachtens, des interessierten Zuschauens, und weniger des Lauerns. Man ist nicht mehr so, «aha, der Westen». Aber man verfolgt es sehr genau, weil es einmalig ist in Deutschland, dass Muslime aufgrund der Islamzugehörigkeit zu Mordopfern werden. Viele haben auch Verwandte in Deutschland.
Ist Alex W. eine Hassfigur?
Suliman: Jemand, der eine schwangere Frau umbringen will, wird nirgends auf der Welt geliebt. Natürlich kann man nur auf Verachtung treffen. Aber so, wie es manchmal in der Presse durchsickert, dass die Muslime - eine Milliarde Menschen - nichts anderes zu tun hätten, als ihn zu suchen – da bedient man sich leider nur alter Vorurteile, anstatt zu schauen, was hier los ist. Nicht zu vergessen: Der dunkelhäutige Mann, der Araber, der Muslim, der Ehemann, der seine Frau und sein Kinder verloren hat. Der war derjenige, der ruhig da saß und sachlich argumentierte. Der andere, der blonde, der war der Randalierer, der war es, der nicht stand, als die Richter den Saal betraten. Das hat man sehr betont, als die Terrorverdächtigen hier vor Gericht standen: Ach, die stehen gar nicht vor unserem Gericht auf, sie glauben nur an das Gericht Gottes – das Bild hat sich umgekehrt, das muss man wirklich mal wahrnehmen.
Denken Sie, dass sich durch den Prozess die Sichtweise auf den Islam hierzulande verändert?
Suliman: Auf jeden Fall. Das ist meine erste Antwort, und «leider» wäre gleich mein Anhang. Es ist traurig, wenn man merkt: Da muss auf eine brutale Art und Weise jemand sterben, erst dann bewegt sich etwas, was sich hätte bewegen können ohne so etwas. Rein theoretisch zumindest. Mit diesem Mord hat sich einiges zum Positiven geändert, aber ich weiß nicht, soll man sich da freuen? Aber ja, es hat sich etwas geändert. Man gewöhnt sich daran, dass eine muslimische Frau nicht durch Ehrenmord umgebracht wurde, sondern von einem Nicht-Muslim wegen ihres Kopftuchs. Das ist eine Lehrstunde gewesen, leider, für viele, die bei den Theoriestunden besser hätten aufpassen müssen. Man muss nicht immer die Praxis sprechen lassen.
ham/reu/news.de
Jupp, wie kannst Due eine so kaltherzige, besserwisserische Frage in DIESEM Zusammenhang stellen? Roland Vital
jetzt antwortenKommentar meldenAha, das größtmögliche Verbrechen ist also der Mord an einer schwangeren Frau? Zum Glück unterscheidet unser Strafrecht da nicht. Ein Schelm wer böses dabei denkt, bei so einer dämlichen Aussage. Bevölkerungswandel in Europa zu wessen Ungunsten?
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