Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Eine nebensächliche Alltäglichkeit. Um es mit einem Wort zu sagen: Es gibt Dinge, über die es sich lohnt - und wenn alle so denken, dann ist es meist schon zu spät. Denken Sie einmal genau darüber nach. Heute: der Scheibenwischer.
Manchmal geht er verloren, der Durchblick. Weil zu viel auf einmal passiert, weil Unerwartetes sich in den Weg stellt. Wer Auto fährt, kennt das Problem. Es regnet oder schneit und schon ist das Wesentliche, auf das sich der Blick richten sollten, verschwommen, dank irrisierender Lichtreflexe nur schwer zu erkennen.
Doch der kleine Schwarze macht klare Sicht. Was wäre das Leben wohl ohne Scheibenwischer? Oft genug heilloses Chaos, eine Existenz in ständiger Unruhe. Denn nicht zu wissen, was jenseits des Scheibenhorizonts passiert, macht unsicher.
Manchmal hat so ein Scheibenwischer aber auch ganz hypnotische Wirkung. Dann wischt er den Alltagstrott beiseite und lässt abschweifen, nachdenklich werden. Freilich um mit trockenem Quietschen darauf hinzuweisen, dass jetzt nicht die Zeit für Gedankenentrückungen sei.
Und bisweilen wird er Zentrum jedweder Aufmerksamkeit - weil man sich ärgern muss, lacht oder einfach nur den Kopf schütteln kann. Genau genommen hat so ein Scheibenwischer nämlich den Charme eines Mülleimers, der zu rufen scheint: «Lad' deinen Papierkram bei mir ab!»
Das passiert eben, wenn man jedem Dahergelaufenen seinen Arm reicht. Ob nun der Dame in Blau, mit dem Strafzettel in der Hand, dem Studenten, der die Einladung zur Party mit Gratis-Getränk an die Scheibe klemmen will, oder ob er den Zettel mit dem flotten Spruch festhält: «Hey Süße. Danke für das nette Lächeln an der Ampel.»
Ein Wisch genügt, um all das loszuwerden. Und manchmal eben auch, um Gedanken beiseite zu schieben, die besser nicht gedacht sind.
bjm/news.de