Fr., 25.05.12

Fahrdienstleiter 15.11.2009 Fluglotse auf Gleisen

Berufsbild Fahrdienstleiter (Foto)
Damit auf Deutschlands Gleisen alles glatt rollt, müssen die Fahrdienstleiter den Überblick behalten. Bild: dpa

Es klingt nach Spaß, fast ein bisschen wie mit der Modelleisenbahn zu spielen. Doch Fahrdienstleiter haben einen harten Job. Der erforderte höchste Konzentration und nimmt auch keine Rücksicht auf Familienfeste wie Weihnachten.

Ein weißer ICE steht neben dem roten Regionalexpress. Auf einem leeren Gleis fährt der Nachtzug aus Wien ein. Einige Schienenstränge weiter holt eine Lok eine Garnitur des Nahverkehrs ab, um sie in den wenige Kilometer entfernten Bahnhof zu schieben.

All diese Bewegungen steuert André Stender an einem Pult. Sein Beruf ist Fahrdienstleiter. Sein Arbeitsplatz liegt in der obersten Etage eines mehrgeschossigen Betriebsgebäudes der Deutschen Bahn im größten Reisezugbildungsbahnhof Europas am Stadtrand von Hamburg.

Stender überwacht Zugbewegungen auf mehr als 200 Gleisen. Dazu kommt der Regelverkehr auf der Nordstrecke zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Dänemark. «Dieser Beruf erfordert höchste Konzentration», sagt der 29-Jährige und gibt einem Güterzug elektronisch ein grünes Signal für die Fahrt in südliche Richtung.

Für die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg (EiB/F) zu absolvieren, brauchen Bewerber einen guten Realschulabschluss. «Und mindestens die Note Befriedigend in Deutsch, Mathe und Englisch», erklärt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst. «Die Ausbildungsdauer beträgt zweieinhalb Jahre.»

«Spielen» mit großen Zügen

Die Spezialisten in den fast 4500 Stellwerken in Deutschland vergleichen ihre Tätigkeit gern mit der von Fluglotsen. Wie diese für den Luftraum zuständig sind, sorgen Fahrdienstleiter für den pünktlichen, reibungslosen und sicheren Zugbetrieb im Schienenverkehr. «Es ist kein Job mit Routine, jeden Moment muss man sich auf eine neue Situation einstellen», erklärt Bahnbetriebsbezirksleiter Uwe Koop.

Seit fünf Jahren arbeitet Stender in Stellwerken. Sein Hobby Modelleisenbahn weckte das Interesse für diesen Beruf, und er bewarb sich um einen Ausbildungsplatz. Er lernte die Grundlagen des Eisenbahnbetriebs kennen, darunter Signalkunde, das Zusammenstellen von Zügen, Rangieren, die Technologie der Stellwerke, Fahrzeugtechnik und vieles mehr. Die Schulung ist auch darauf ausgerichtet, bei besonderen Vorkommnissen wie einer plötzlichen Baustelle auf der Bahnstrecke entsprechend zu disponieren.

Zur Theorie kam schnell der Einsatz in der Praxis. Stender lernte, wie man im Stellwerk auch in außergewöhnlichen Situationen den Bahnbetrieb steuert. Während in früheren Jahrzehnten in den mechanischen Stellwerken noch Muskelkraft zum Bewegen der Signale nötig war, gibt der Bahnlotse seine Anweisungen heute fast nur noch mit elektronischen Geräten.

«Die Ausbildungsvergütung für einen EiB/F beträgt zur Zeit im ersten Jahr 670 Euro monatlich, im zweiten Jahr 730 und im dritten Jahr 780 Euro», sagt Sabine Brunkhorst. Vom zweiten Ausbildungsjahr an kann der Azubi je nach Einsatz außerdem Zulagen erhalten. Die Prüfung zum Fahrdienstleiter muss dann vor der jeweils zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) abgelegt werden.

Job im Schichtdienst

«Das monatliche Bruttoentgelt beim Einstieg in den Beruf liegt bei rund 1900 Euro», so die Bahnsprecherin. «Je nach Berufserfahrung und Qualifikation sind Steigerungen auf bis zu rund 2900 Euro möglich.» Außerdem werden Weihnachtsgeld in Höhe von rund einem Monatsgehalt und Urlaubsgeld gezahlt.

Auf dem 34.000 Kilometer langen Netz der Deutschen Bahn sind täglich etwa 27.000 Personenzüge und 5400 Güterzüge unterwegs. Stender ist einer von 12.300 Fahrdienstleitern, die in Teamarbeit mit anderen Eisenbahnern diesen Verkehr rund um die Uhr steuern. Das bedeutet regelmäßig Schichtdienst. Diesen besetzen auch die Zuglotsen, die bei anderen Netzbetreibern wie den privaten oder kommunalen Gesellschaften arbeiten. Diese bilden auch aus.

«Arbeitszeiten in der Nacht und an Wochenenden sind die Regel», sagt Stender. «Auch an Weihnachten und Neujahr, wenn andere feiern, müssen die Stellwerke einen reibungslosen Betrieb auf dem Streckennetz garantieren.» Insgesamt beträgt die Wochenarbeitszeit 40 Stunden. Die Schichten können unterschiedlich lang sein - am längsten sonntags mit zwölf Stunden. «Dann ist aber im Vergleich zu Wochentagen auch etwas weniger Betrieb», sagt Uwe Koop.

Die Karriere eines Fahrdienstleiters muss nicht am Steuerpult eines Stellwerks enden. Bei entsprechend guten Leistungen gibt es Aufstiegsmöglichkeiten. «Beispielsweise eine Weiterbildung zum Fachwirt für den Bahnbetrieb», erklärt Brunkhorst. «Abiturienten haben die Möglichkeit einen dualen Studiengang zum Bachelor of Engineering Bahnbetrieb und Infrastruktur zu absolvieren.»

ham/kat/news.de/dpa
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