So., 12.02.12

An Halloween Lieber Lutherkekse

Von news.de-Mitarbeiter Oliver Neumann

Artikel vom 31.10.2009

Klingeln Hexen, Zauberer und Monster an der Haustüre, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Süßes oder Saures. Jeder dritte Deutsche pflegt mittlerweile den US-amerikanischen Brauch Halloween. Kirchenvertreter und Einzelhandel bewerten das Fest seit Jahren höchst unterschiedlich.

Pastor Michael Stahl liegt mit seiner Idee zu Halloween auch in diesem Jahr wieder richtig, und natürlich erinnert sich der Amtsleiter für Öffentlichkeitsdienst der Nordelbischen Kirche in Hamburg am 31. Oktober in erster Linie der Reformation. Die Kirche soll «Zähne zeigen, aber nicht verbissen sein», sagt Stahl, der gegen das kommerzielle Treiben mit Kostümen und Kürbissen ankämpft.

Genau genommen zeigt der Pastor den Kindern an seiner Haustüre dann 18 Zähne aus Teig, so viele Zacken haben nämlich die neuen Lutherkekse, die pünktlich zum Reformationstag in den Online-Verkauf gebracht wurden. Außerdem sei das einfach «der falsche Tag» für Halloween in Deutschland, meint Stahl. Und weil sich die Termingleichheit nur schwer ändern lässt, soll wenigstens die kirchliche Bedeutung des Tages deutlicher werden.

Das Konzept vom Keks mit eingeprägter Lutherrose aus der Lutherstadt Wittenberg scheint aufzugehen: «Schon ausverkauft», heißt es aus dem Büro des Pastors wenige Tage vor Monatsende. Bereits vor vier Jahren hatte Michael Stahl mit der Erfindung der Luther-Bonbons nebst zugehöriger kindgerechter Internetseite zum Reformator Aufmerksamkeit erregt, und ein Stück Deutungshoheit über den letzten Tag im Oktober zurückgewonnen. Seit dem muss kein evangelischer Christ an der Haustüre verzweifeln, wenn dunkle Gestalten nahen. «Es gibt schon Süßes, aber auch eine Botschaft dazu», fasst Stahl die Idee zusammen. Bonbons und Kekse sollen in erster Linie dazu beitragen, «den Reformationstag wieder zu entdecken».

Denn jeder dritte Deutsche findet gefallen an den Halloween-Bräuchen, ermittelten kürzlich Meinungsforscher aus Hamburg. In seiner derzeitigen Ausprägung ist das Fest ein Import aus Amerika, wo gruselige Verkleidungen und Schabernack, das «Trick-Or-Treating», zur Tradition gehören. Einst brachten irische Einwanderer die Feier mit christlichem Hintergrund – namensgebend ist der Vorabend zu Allerheiligen, der «All Hallows Eve» – nach Übersee. Seit einigen Jahren, so scheint es jedenfalls, wird das Gruselfest in der deutschen Öffentlichkeit stärker wahrgenommen als der Reformationstag, der seit dem 17. Jahrhundert am 31. Oktober begangen wird. Die evangelische Kirche erinnert dann an Martin Luther, der, gemäß der Überlieferung, am Tag vor Allerheiligen seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben soll.

Dass Halloween mittlerweile besonders bei Jugendlichen populär ist, macht sich der Einzelhandel zunutze, weil das Fest vor dem eigentlichen Weihnachtsgeschäft noch einmal Kunden in die Läden lockt. Besonders die Hersteller von Karnevalsartikeln profitieren vom deutschlandweiten Verkleidungs-Boom, der Branchenverband meldete ein Umsatzplus von 40 Prozent im vergangenen Jahr.

Gerade Lebensmittelhersteller reagierten mit immer neue Verpackungsideen auf die Halloweentrends, bestätigt Ulrike Hörchens, stellvertretende Sprecherin des Deutschen Einzelhandelsverbandes (HDE). Dabei sind Halloweenmotive in fast allen Branchen präsent. «Aber Halloween steht in der Bedeutung für den Einzelhandel noch hinter dem Valentinstag», gibt die Sprecherin zu bedenken.

Die Hamburger Meinungsforscher haben gar herausgefunden, dass zwei Drittel der Bundesbürger Halloween für eine «kommerzielle Erfindung des Handels» halten, dennoch hält nur jeder zwanzigste Deutsche Halloween überflüssig.

iwe/news.de/dpa/ddp
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An Halloween: Lieber Lutherkekse » Gesellschaft » Nachrichten

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Leserkommentare (6)
  • Kommentar: 6
  • 02.11.2009 16:17
von
Keks

Kann mir jemand das Rezebt für die Luther Kekse geben schickt es mir unter:UMarlonglandorf@aol.com

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  • Kommentar: 5
  • 01.11.2009 12:54
von
Schriftsteller
Antwort auf Kommentar 2

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Tehesen an die Kirchentür zu Wittenberg. Dieses Ereignis wird heute als Reformationstag gefeiert. Immerhin darf man - das ist meine Überzeugung - an diesem Tag gedenken, dass der starrsinnige Martin Luther die damalige Diktatur der Renaissance-Katholische Kirche beendet hat (Selbst Katholiken müssen Luther dafür verehren, denn Hexenverbrennungen etc. haben mit dem kath. Glauben nichts zu tun).

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  • Kommentar: 4
  • 01.11.2009 10:49
von
Kaktus
Antwort auf Kommentar 3

Da hast Du dich aber gewaltig vertan. Es sind nicht nur "die gestrickten Kleinbürger" die Amerika in allem nachäffen. Schau Dir doch die "große Politik" an. An erster Stelle die ach so tolle Gesundheitsreform. Präs. Obama versucht die Gesundheit für "jeden Bürger", egal ob arm oder reich, bezahlbar zu machen. Merkel und Co versuchen die amerikanische Verhältnisse, die jetzt sind, ein zu führen. Dann die Kriegstreiberei, wenn Merkel gekonnt hätte, hätten unsere Soldaten schon Sadam Hussein mitgestürzt. Da wären noch einige Punkte auf zu zählen. AMERIKANISCHE VERHÄLTNISSE, WIR KOMMEN!

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  • Kommentar: 3
  • 01.11.2009 02:10
von
Longus

Wir Deutschen sind wirklich Weltmeister im nachäffen anderer Gebräuche. Ob Halloween, schwarze Musik, Rockmusik in Englisch, American Football, Sushi und Hamburger fressen...und, und, und. Der Einfach gestrickte Kleinbürger übernimmt wirklich jeden Scheiss, hauptsächlich es kommt aus den USA...dem Land der Kranken und Verhaltensgestörten. Ich freue mich ja schon über Bands wie Rammstein etc. die in Deutsch singen.

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  • Kommentar: 2
  • 01.11.2009 00:54
von
viech666
Antwort auf Kommentar 1

Ich bin dankbar für Halloween! Es bewahrt uns wenigstens bis Ende Oktober vor dem Weihnachtskonsumwahnsinn. Es ging ja vor der Entdeckung von Halloween schon im Oktober los mit Weihnachtsgedudel im Radio und Weihnachtswerbung überall. Dank Halloween gibt es dafür jetzt eine Begrenzung, damit es nicht bald schon im August damit losgeht. Zu meiner Schande muß ich aber gestehen, daß ich gar nicht weiß, was es mit dem Reformationstag auf sich hat. (bin aber evangelisch) Bisher hat sich immer nur Allerseelen unangenehm bemerkbar gemacht, wenn um 12 Uhr die Musik abgestellt werden muß.

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  • Kommentar: 1
  • 31.10.2009 15:40
von
Schriftsteller

Halloween und Reformation haben sich gewaltig angenähert. Hier Lutherkekse und -bonbons, dort Geisterlakritzen und -gummis. Wenn es jetzt auch nicht Geisterkekse, Geisterbonbons, Lutherlakritzen und Luthergummis gibt, ist die Gleichstellung komplett. Hier Zeichen der Geister, dort Zeichen Luthers. Es ist doch wurcht, ob in diesem oder in jenem Zeichen Kommerz betrieben wird!

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