Bibel kapert Biounterricht
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Von news.de-Mitarbeiterin Anwen Roberts
Eine internationale Umfrage zeigt: Fast die Hälfte der Befragten findet, die Schöpfungsgeschichte solle als Alternative zur Evolutionslehre in Schulen unterrichtet werden. Wissenschaftler befürchten damit das Ende des naturwissenschaftlichen Unterrichts.
Wie wäre es denn, wenn man sich mal die Entstehungszeit der Schöpfungsgeschichten in der Bibel ansieht. Zwischen Gottes Wort und einem Buch liegt viel «Theorie». Oder anders: Die Trennung zwischen Staat und Kirche ist vielleicht doch nicht so dumm.
In der im Auftrag des britischen Fernsehanstalt BBC durchgeführten Länderstudie sollten rund 2000 Befragte in zehn Ländern angeben, wie sie zu den Ursprüngen des Lebens stehen und welche Erklärungsmodelle sie akzeptieren. Nunmehr knapp die Hälfte der Befragten hält dabei die Evolutionstheorie für das beste Modell – gegenüber 17 Prozent von Befürwortern von sogenanntem Intelligent Design (ID), einer abgeschwächten Form des Glaubens an die Schöpfungsgeschichte, und 22 Prozent für Kreationismus. Insgesamt waren 43 Prozent der Ansicht, dass diese Entwürfe neben der darwinistischen Evolutionstheorie auch einen Platz im Schulunterricht erhalten sollten.
Seit der letzten vergleichbaren Umfrage ist die ID-Akzeptanz weiter angestiegen, und das ausgerechnet in aufgeklärten Ländern wie Großbritannien. Dort gab erstmals weniger als die Hälfte der Befragten an, die Evolutionslehre zu bevorzugen – prozentual weitaus mehr als in Staaten wie etwa Ägypten. Diese Ergebnisse verschärfen nun die ohnehin nicht zimperlich geführte Debatte um die ideologische Einfärbung des Biounterrichts.
Kreationismus ist die radikalere Version in Form einer sehr wörtlichen Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte, die Idee ist aber auch in anderen Religionen, wie etwa dem Islam, verbreitet. So soll die Erde und das Leben darauf binnen wenigen Tagen entstanden sein, dem jeweiligen Gott sei Dank. Demgegenüber räumt ID als «wissenschaftlicher» Arm des Kreationismus der Schöpfung etwas mehr Zeit ein, setzt aber eine höhere Intelligenz mit einem konkreten Plan dahinter voraus. Derart komplexe Lebensformen wie auf unserem Planeten könnten kaum willkürlich entstanden sein, so die Überzeugung der IDler.
Religiöse Überzeugungen als Naturwissenschaft zu behandeln und womöglich in Schulen zu unterrichten, geht Forschern weltweit naturgemäß gegen den Strich. Besonders in Großbritannien zeigten sich zahlreiche Wissenschaftler schockiert über die Ergebnisse der Studie. Abseits von religiösen Fragen gelingt es der Kreationismusbewegung immer öfter, unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit die Evolutionslehre zu untergraben.
Bibel in Bio: ein Skandal?
Stellt sich die Frage, ob der Unterschied zwischen der Bibel im Biounterricht und der Bibel im Religionsunterricht tatsächlich so groß ist, dass das eine ein Skandal und das andere soziale Realität ist. Die Argumentation: Wenn man für naturwissenschaftlichen Unterricht auch die Kriterien der Wissenschaftlichkeit und die Trennung von Glauben und Wissen aufrechterhalten will, dann sei dies durchaus der Fall, sind Naturwissenschaftler überzeugt.
Denn es geht nicht nur um Glaubensfragen und kulturell geprägte Empfindlichkeiten. Die Problematik ist allgemeiner: «Wir können beobachten, dass mit dem Ablehnen der Evolutionstheorie häufig ein Unverständnis dessen gekoppelt ist, was Wissenschaft eigentlich ist. Was sie macht, wie sie arbeitet», sagt Dittmar Graf, Professor für Biologie und Didaktik der Biologie an der Universität Dortmund.
Die grundsätzliche Vorläufigkeit von Theorien würde von Kreationisten ja sogar als Nachteil angesehen – im Gegensatz zur Bibel würde die Evolutionslehre ja nur unsicheres Wissen liefern. «Wissenschaft als kumulativen Prozess zu verstehen, als Anhäufen von Wahrheit, nach dem Motto 'Irgendwann weiß man alles', das ist ein falsches Denken. Das verleitet dazu, nach keinen weiteren Erklärungen zu suchen.»
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