Wenn Kindersoldaten Spielzeug basteln
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Einen Hubschrauber aus Badelatschen hielt der liberische Kindersoldat in der Hand, selbst gebastelt. Die ARD-Korrespondentin Birgit Virnich war berührt. Seit sechs Jahren sucht sie in Afrika nach den Kinderwerken aus Abfall. In Berlin sind sie jetzt zu sehen.
Alles begann im August 2003, als die ARD-Korrespondentin Birgit Virnich über den Krieg in Liberia berichtete. Mitten im menschlichen Inferno sah die Journalistin ein kleines Meisterwerk in den Händen eines Kindersoldaten: ein selbst gebastelter Hubschrauber aus Badelatschen. Seitdem suchte Virnich, die bis Mitte 2008 als Afrika-Korrespondentin aus fast 40 Ländern Zentral-, Ost- und Westafrikas berichtete, auf jeder Reise nach dem Spielzeug, die die Kinder aus Abfall bastelten.
In der Ausstellung «Global Players - Spielzeug aus Afrika» werden im Berliner Technikmuseum nun bis zum 10. Januar 2010 rund 40 Exponate aus 17 Ländern gezeigt, darunter Kenia, Kongo und Sudan. In den nächsten zehn Monaten sollen die Kinderwerke auch in Nürnberg, Hamburg und Köln zu sehen sein.
Sie sei fasziniert gewesen, wie die Kinder Draht, Gummi oder Bananenblätter in Hubschrauber, Autos oder Schlangen verwandelten, erzählte Virnich bei der Eröffnung. Ihr zufolge sind die Spielwaren ein Spiegel für die Träume und Lebensumstände der Kinder. «Mit Hubschraubern wollen sie dem Krieg entkommen, mit Bällen den großen Fußballstars nacheifern», sagte sie.
Von Afrika lernen
Durch ihre Arbeit, die Virnich unter anderem in die Slums von Nairobi, in die Dörfer Nigerias und die belagerte Hauptstadt Liberias führte, hat sich die Journalistin immer wieder mit den tragischen Lebensgeschichten der Kinder auseinandergesetzt. Doch trotz der Armut sei es ihr wichtig, eine Seite Afrikas zu zeigen, die «fern ist von allen Klischees über den Kontinent als Verlierer und Versager», erklärte sie.
Bundespräsident Horst Köhler, der als Schirmherr der Kampagne «Gemeinsam für Afrika» die Ausstellung eröffnete, lobte in seiner Eröffnungsrede den schöpferischen Reichtum der Kinder. «Der Schaffensreichtum und der Optimismus der Kinder zeigen, was in dem Kontinent Afrika steckt», schwärmte Köhler. Er lobte die Erfindungen als Ausdruck kindlicher Genialität.
Köhler, der von Virnich einen persönlichen «Präsidentenhubschrauber» überreicht bekam, lobte die Arbeit der internationalen Hilfswerke. Sie zeige, dass man auch aus der Ferne etwas für Afrika tun könne. «Wir können von Afrika viel lernen», betonte der Präsident.
Der Verein Gemeinsam für Afrika, der rund 25 Hilfswerke wie die Kindernothilfe und Malteser International vereint, setzt sich in rund 5000 Projekten unter anderem für den Bau von Schulen und eine weitreichende medizinische Grundversorgung ein.
Ziel der Arbeit ist es dem Vorsitzenden Wolfgang Jamann zufolge auch, ein differenziertes Afrikabild zu vermitteln, das «die Potenziale und Stärken der Menschen heraushebt». Unterstützt wird das Bündnis von über 100 Prominenten, so von der Moderatorin Anne Will, Talkmaster Alfred Biolek und Schauspielerin Nina Hoss.
iwi/iwe/news.de/ap
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