Wegen Betrugs verurteilte ein Pariser Gericht den französischen Zweig von Scientology zu hohen Geldstrafen. «Moderne Inquisition» nannte eine Sprecherin das Urteil, Scientology will Berufung einlegen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Auflösung der Organisation gefordert.
Der französische Zweig der 1954 in den USA gegründeten Organisation muss nach dem Urteil des Gerichts 400.000 Euro zahlen, die Scientology-Bibliothek SEL 200.000 Euro. Außerdem wurden vier angeklagte Führungsmitglieder zu Bewährungsstrafen von zehn Monaten bis zwei Jahren verurteilt. Gegen zwei weitere Angeklagte wurden Geldstrafen von 1000 und 2000 Euro verhängt. Der Strafgerichtshof von Paris folgte aber nicht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die «Eglise de Scientologie» zu verbieten.
Scientology kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Das Urteil sei «moderne Inquisition», sagte Scientology-Sprecherin Agnes Bron.
In dem Verfahren ging es um die Anklage wegen organisierten Betrugs. Die Ermittler warfen Scientology vor, aus finanziellen Interessen von ihren Mitgliedern hohe Geldbeträge verlangt und neu eingetretene Mitglieder eingeschüchtert zu haben. Die Anklage geht ursprünglich auf die mehr als zehn Jahre alten Beschwerde einer Frau zurück, die angab, sie habe einen Kredit aufgenommen, um 21.000 Euro für Bücher, Lehrgänge und «Reinigungspakete» an Scientology zu zahlen. Beim Austritt aus der Organisation habe sie das Geld nicht zurückbekommen.
Verteidiger Patrick Maisonneuve sagte während des Prozesses, weder Scientology noch die sechs Angeklagten hätten finanzielle Gewinne erzielt. Der Staatsanwalt hatte am 15. Juni die Auflösung beider Organisationen sowie Geldstrafen von zwei Millionen Euro verlangt. Zu dem Verzicht auf ein Verbot erklärte das Gericht, damit wäre das Risiko verbunden, dass Scientology seine Aktivitäten «außerhalb jedes gesetzlichen Rahmens» fortsetzen würde.
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