Fr., 25.05.12

Schweinegrippe 26.10.2009 Kein Ansturm auf die Impfung

Schweinegrippe Impfung (Foto)
Besonders begehrt ist die Schweinegrippe-Impfung an ihrem ersten Tag nicht. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiter Oliver Neumann

Es ist soweit: Der Impfstoff gegen Schweinegrippe wird seit heute an Risikogruppen verabreicht. Einen Ansturm auf den Impfstoff Pandemrix gibt es jedoch noch nicht. Beim Gesundheitsamt Leipzig werden zuerst Touristen geimpft.

André Heßler hat auf dem Stuhl in der einen Hälfte des großen Raumes Platz genommen. Es riecht nach Desinfektionsmittel in dem Behandlungszimmer im zweiten Obergeschoss der Impfstelle. Gleich wird Dr. Regine Krause-Döring den Impfstoff in Heßlers linken Oberarm spritzen.

Damit ist André Heßler einer der ersten in Deutschland, der das Serum gegen Schweinegrippe verabreicht bekommt. Den Hemdsärmel hat er bereits hochgeschlagen. Er gehört nicht zu einer Berufsgruppe mit hohem Risiko und ist auch nicht durch eine chronische Krankheit besonders von der Grippe bedroht. Aber: Heßler will verreisen. Das knallrote Brillengestell der Amtsleiterin Krause-Döring kontrastiert ihren weißen Kittel, sie gibt freundlich Anweisung. Heßler soll den Arm ganz locker hängen zu lassen. «Den Rest mache ich», sagt sie ruhig, aber gewitzt. Heute bediene «die Chefin schließlich selbst».

Viel zu tun hat sie nicht. Im Gang vor dem Anmeldezimmer stehen ein paar Menschen an, allerdings wegen einer Gesundheitsbelehrung, nicht für die Schweinegrippe-Impfung. Nur wenige kommen an diesem Vormittag spontan vorbei, die meisten sind angemeldet. Ein Polizist, ein Feuerwehrmann und drei Touristen, so das Fazit der Amtsleiterin, «viel mehr werden es kaum werden».

Vorrätig hat das Gesundheitsamt der Stadt Leipzig 10.000 Dosen des Impfstoffs Pandemrix, 29.000 Einheiten sind insgesamt bestellt und sollen in den kommenden Wochen ausgegeben werden. Richtig los geht es im Gesundheitsamt erst nächsten Montag. Dann sind fünf Impfplätze besetzt, wenn nötig wird auch am Wochenende gespritzt. 80 bis 100 Leipziger sollen dann pro Tag eine Spritze erhalten, plant Krause-Döring. Der größte Teil der Bevölkerung kann sich aber in ein bis zwei Wochen auch beim Hausarzt impfen lassen.

Reisende wie André Heßler müssen aufs Amt, weil die Hausärzte bisher noch kaum Impfstoff vorrätig haben. Der 46-Jährige will seinen Urlaub in Mexiko verbringen, einem Land, in dem es mehr als 49.000 bestätigte Fälle von Influenza A H1N1 gibt. Das Auswärtige Amt rät Urlaubern deshalb zu «besonderen Vorsorgemaßnahmen».

Die Spritze in den linken Oberarm ist eine solche. «Viren können sich gefährlich verändern», erklärt Krause-Döring. Sie empfiehlt deshalb jedem die Grippeschutzimpfung. Bei ihr sitzt jeder Handgriff: Sie desinfiziert die Einstichstelle, macht eine schnelle Handbewegung mit der dünnen Spritze, und der Impfstoff ist verabreicht. Eine Prozedur von wenigen Sekunden, an deren Ende André Heßler fast pflichtschuldig erklärt: «Hat gar nicht weh getan.»

«Lieber Nebenwirkungen als die Grippe»

Was er zuvor im Anmeldezimmer des Amtes unterschrieben hat, erklärt die Amtschefin nun noch einmal persönlich. Es könne eine leichte Rötung und eine Schwellung entstehen. «Größere Nebenwirkungen werden nicht erwartet.» Man ist sich der Verunsicherung bewusst, die der Impfstoff Pandemrix hervorgerufen hat.

«Lieber Nebenwirkungen als die Grippe», findet André Heßler. Die Reise sei bereits lange gebucht gewesen, und stornieren wolle er nicht. Die Amtsleiterin unterschreibt noch schnell im gelben Impfpass hinter dem Aufkleber «Pandemrix», dann ist Heßler entlassen.

80 Prozent der Bevölkerung sollen nach dem Willen der Bundesregierung den Impfstoff verabreicht bekommen. Laut Medienberichten geht man davon aus, dass sich nicht einmal drei bis vier Prozent impfen lassen wollen. Trotzdem rechnet die Amtsleiterin in den nächsten Wochen mit Nachahmern - wenn «erst einmal ein paar Menschen geimpft sind».

Eine Ampulle Pandemrix reicht für zehn Impfungen, kann aber nicht länger als einen Tag aufbewahrt werden - und vernichten möchte man so wenige der wertvollen Dosen wie möglich. Sollte am Abend noch Impfstoff offen sein, «dann werden die Mitarbeiter geimpft», sagt Krause-Döring. Sie selbst lasse sich dann selbstverständlich ebenfalls eine Spritze setzen.

iwi/kat/news.de
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Amina
  • Kommentar 3
  • 12.11.2009 11:21
 Antwort auf Kommentar 2

studiere ebenfalls seit kurzem erst in leipzig, beim gesundheitsamt leitete man mich an die kv weiter, die gab mir die telefonnummern von 3 praxen in meiner nähe, zwei haben weder impfstoff noch informationen wann dieser verfügbar sein wird und eine war noch nicht zu erreichen. was nun? weiß jemand eine praxis in leipzig, die impfstoff da haben, meinetwegen auch mit warteliste??

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  • Janine
  • Kommentar 2
  • 09.11.2009 10:08
 

war heute morgen beim gesundheitsamt in Leipzig und wurde wieder weg geschickt, ich soll mir doch einen Hausarzt suchen. ich studiere in Leipzig und komme nicht von hier, hab mir wegen einem neuen Hausarzt bis jetzt keine gedanken gemacht. Auch ein Anruf bei der Hotline des Gesundheitsamt Sachsen hat mir gesagt, ich könne dort hingehen ohne Anmeldung und würde eine Spritze bekommen. Ich bin verärgert und verstehe diese Politik nicht, jeder schickt einen zu jemand anderen.

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  • Mara
  • Kommentar 1
  • 04.11.2009 15:23
 

Absolut lesenswertes zum Thema Schweingrippe und Klimawandel gibt´s hier: http://newstopaktuell.wordpress.com/category/marchen-aus-dem-hause-von-und-zu-schweinegrippe-und-klimawandel/

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