Mo., 13.02.12
Globalisierung der Jobs

Jobsuche in den USA «Keinesfalls ein gemütliches Schwätzchen»

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Artikel vom 02.11.2009

Etwa 150.000 Deutsche verlassen jedes Jahr das Land, viele auf der Suche nach einem neuen Job. Dabei gibt es viele Stolperfallen: Unterschiede bei Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen und Gehältern. So auch in den USA, sagt Judith Beckschäfer.

Welche Chancen haben deutsche Bewerber auf dem Arbeitsmarkt der USA?

Beckschäfer: Das kommt natürlich auf die Branche und die Position an. Grundsätzlich gilt aber: Wenn ein deutscher Bewerber keine Greencard und kein Visum hat, dann braucht er von dem potentiellen Arbeitgeber ein so genanntes «Sponsorship». Das bedeutet, dass die Firma, die ihn einstellen möchte, dem Heimatschutzministerium, dem «Department of Homeland Security», nachweisen muss, dass sie die Stelle nicht mit einem US-Bürger besetzen kann. Wenn also Arbeitnehmer für den jeweiligen Job in den USA knapp sind, sieht es gut aus, ansonsten kann es ziemlich schwierig werden.

Und welche bürokratischen Hürden gilt es zu überwinden, um dort arbeiten zu dürfen?

Beckschäfer: Visa und Greencard habe ich ja bereits angesprochen. Das sind schon die größten Hürden. Zudem muss ein Arbeitnehmer nachweisen, dass er in Deutschland fest angestellt war. Die meiste Arbeit hat jedoch der neue Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer bekommt, wenn er den Job hat, nur noch eine Benachrichtigung, mit der er zum Konsulat in Berlin oder Frankfurt fahren muss, wo noch einmal alles abgeglichen wird. Wenn man aber die Daten korrekt angegeben hat, ist das überhaupt kein Problem.

Unterscheiden sich Bewerbungen in den USA vom Aufbau her von denen in Deutschland?

Beckschäfer: Durchaus, zum Beispiel im Lebenslauf. Den möchten Arbeitgeber in den USA möglichst auf zwei Seiten zusammengefasst habe, Daten wie Familienstand, Nationalität oder ein Foto sind hier gar nicht so gefragt. Und darunter fügt man dann ein so genanntes «Objective» ein, in dem steht, wer ich bin und was ich will.

Wie sieht es mit dem formalen Aufbau des Lebenslaufs aus?

Beckschäfer: In den USA beginnt man ihn mit der aktuellen oder der letzten Position, in der man angestellt war, dann geht man chronologisch in die Vergangenheit. Die Schulbildung kommt demnach kurz vor den Hobbys, wobei die inzwischen durchaus auch weggelassen werden können.

Und inhaltlich?

Beckschäfer: Anschreiben sind in den USA nicht so wichtig wie in Deutschland, da wird eher auf den Lebenslauf und auf die Referenzen geschaut. Auch Zeugnisse haben nicht denselben Stellenwert. Das Gehalt aber spielt in den USA eine viel größere Rolle. In Deutschland spricht man ja nicht über Geld, in den USA passiert das viel früher. In Bewerbungen würde ich Gehaltsvorstellungen aber dennoch nicht angeben.

Initiativbewerbungen können in Deutschland ja durchaus erfolgreich sein. Wie sieht es damit in den USA aus?

Beckschäfer: Das sieht ganz ähnlich aus. Wir bekommen inzwischen genauso viele Initiativbewerbungen von Amerikanern wie von Deutschen und es werden immer mehr, gerade von deutscher Seite. In den USA gibt es auch ein ganz anderes Verhältnis zum Arbeitgeberwechsel, der ist viel selbstverständlicher als hier. Dort ist es eher unüblich, länger als drei Jahre bei einer Firma angestellt zu sein, die Fluktuation ist dort viel höher. Daher werden auch Fragen nach Loyalität in den USA so nicht gestellt.

Angenommen ein Bewerber wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wo stehen hier die Fettnäpfchen?

Beckschäfer: Tatsächlich sind das dieselben wie in Deutschland. Man sollte sich gut über die neue Firma informieren, sich anständig anziehen, das Handy ausschalten. Das sind ja fast schon Plattitüden. Ein Vorstellungsgespräch in den USA erscheint jedoch lockerer, man spricht sich mit Vornamen an. Da kann schon mal das Gefühl aufkommen, man plaudere einfach ein wenig. Solch ein Gespräch ist aber keinesfalls ein gemütliches Schwätzchen, das sollte man nicht zu locker sehen. Dazu kommt: Dem Moment, in dem man in Deutschland überhaupt mal einen Verantwortlichen zu Gesicht bekommt, geht ziemlich viel Bürokratie voraus, in den USA führt man früher und öfter Gespräche und geht mit jedem Mal ein Level höher.

Unterscheidet sich der Dresscode von dem hierzulande?

Beckschäfer: Nein, gerade auf höheren Ebenen sieht das gleich aus. Ich habe es aber schon mehrmals erlebt, dass es Unternehmen nicht so gerne sehen, wenn Männer einen Dreitagebart tragen. Das kommt aber anscheinend auch darauf an, wie militärnah Unternehmen arbeiten oder wie nah ihr Firmensitz an Washington liegt. Dass mir das aufgefallen ist, mag nämlich vielleicht auch daran liegen, dass wir sehr viel mit der Luft- und Raumfahrtindustrie und mit der Militärindustrie zusammenarbeiten, da ist «clean shave», das glatt rasierte Gesicht, tatsächlich sehr gefragt.

Was erwartet einen Bewerber sonst noch bei einem Vorstellungsgespräch? Mit welchen Fragen kann er rechnen?

Beckschäfer: Meiner Erfahrung nach mit den gleichen Fragen wie in Deutschland. Man sollte sich immer gut über die Firma informieren. Man wird sich am Anfang des Gesprächs kurz vorstellen und dann erzählen, warum man der Richtige für diesen Posten ist. Und in beiden Ländern werden Fragen, die die Politische Korrektheit oder das Gleichstellungsgesetz berühren, immer weniger gestellt.

Woher kann ein Bewerber erfahren, welche Gehälter in seiner Branche üblich sind?

Beckschäfer: Zum Beispiel aus dem Internet, von Seiten wie monster.com. Das kann ich durchaus empfehlen. Überhaupt wird man im Netz sehr schnell fündig, was Gehaltsspiegel angeht, auch zum Beispiel auf der Internetseite hoovers.com.

Und danach? Wie viel Zeit muss man bis zu einer Entscheidung einrechnen? Und sollte man zwischendurch nachfragen, was aus der Bewerbung geworden ist?

Beckschäfer: Auf jeden Fall, spätestens nach vier Wochen. Dadurch, dass die Konkurrenz in den USA höher ist, ist ja auch der Zeitdruck größer. Man wird wahrscheinlich ohnehin so auseinander gehen, dass einer der letzten Sätze lautet: «Wann höre ich von Ihnen?» Und ein anderer eben: «Wenn Sie noch irgendwelche Fragen haben, rufen Sie an.» Und sehr wahrscheinlich hat man Visitenkarten ausgetauscht, sodass ein kurzer Anruf nach dieser Frist problemlos möglich ist. Solche Prozesse gehen dort einfach schneller, weil alle Seite drängeln.

Judith Beckschäfer ist Diplom-Soziologin und arbeitet in den Bereichen Personalberatung und -entwicklung für mittelständische Unternehmen und multinationale Konzerne. Lange war sie als Personalvermittlerin und Beraterin für die Lucasgroup, eine der führenden Personalberatungen weltweit, tätig, unter anderem in der US-amerikanischen Niederlassung des Unternehmens. Sie studierte Sozialwissenschaften und Politik an der Universität Potsdam.

ruk/ham/news.de
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Jobsuche in den USA: «Keinesfalls ein gemütliches Schwätzchen» » Gesellschaft » Nachrichten

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Leserkommentare (2)
  • Kommentar: 2
  • 02.11.2009 15:34
von
ragnaroekr

Amerika hat es gut getroffen. Hier gelten Maßstäbe. Daher ist der Einwanderer ganz anders geschätzt, er ist wichtig. Alle, Firma, Einwanderer und Amerika bilden eine Einheit und stellen fest,etwas Besseres als dich gibt es nicht. Das ist Harmonie. Deutschland dagegen lässt nicht nur jeden herein, sondern drückt auch noch den Schnitt. Wildeste kulturelle Verwerfungen werden in die sozialen Systeme integriert. Beschneidungsrituale seien als Beispiele genannt. Die Dekadenz besteht auch darin,dass die Einwanderer die Standards in Wirtschaft und Bildung bis zur Unkenntlichkeit versenken dürfen.

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  • Kommentar: 1
  • 02.11.2009 09:45
von
The American Dream

Für die angesprochene Problematik des Visums bzw. der GreenCard gibt es gerade in den nächsten Wochen noch eine Lösung: Bei der GreenCard-Lotterie DV-2011 werden 55.000 US-Aufenthaltsgenehmigungen verlost, allerdings nur noch bis 30. November. Da hier keine Links gepostet werden sollen, einfach mal googeln ;) Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings gibt es zugelassene Auswanderungsberatungsstellen, die bei der Bewerbung und dem späteren Konsulatstermin behilflich sein können!

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