Von news.de-Mitarbeiterin Anwen Roberts
Der Dokumentarfilm Die Bucht über die jährliche Delfintreibjagd in der japanischen Stadt Taiji bringt Bewegung in den seit Jahren vor sich hindümpelnden Delfinschutz. Der Kinostart der Doku hat nun auch die japanischen Behörden aufgerüttelt.
Der Film erforscht unter anderem die abgeschottete Welt des Küstenortes Taiji, wo Delfine grausam zusammengetrieben und abgeschlachtet werden. Die erlegten Delfine werden als «Walfleisch» auf den japanischen Markt gebracht, doch die schönsten Exemplare werden lebend an Aquarien und Delfinarien in aller Welt teuer verkauft.
Zehntausende Delfine werden jährlich allein in Japan gefangen und getötet. Die Küstenstadt Taiji ist das geheime Zentrum dieser Jagd, über die auch die japanische Öffentlichkeit kaum informiert ist. Bei den Dreharbeiten zu Die Bucht mussten die Filmemacher in wahrer Guerilla-Manier vorgehen.
Das Team schlich sich teils in Verkleidung in die streng bewachte Bucht, dokumentierte die Hatz mit Nachtsichtgeräten und eingeschleusten Tauchern und setzte sich selbst großen Gefahren aus. Örtliche Fischer und Sicherheitskräfte behinderten die Dreharbeiten, Behörden strebten einen Rechtsstreit um die geheimen Filmaufnahmen aus der Bucht an.
Nun wendet sich der Regisseur mit einem ungewöhnlichen Angebot an den Ort seiner verdeckten Ermittlungen. Louie Psihoyos sagte am Dienstag, dass er die Einnahmen der Filmvorführung in Japan der Stadt Taiji zukommen lassen würde – vorausgesetzt, die dortigen Fischer stellten ihre Hatz ein.
Denn die Jagd auf Delfine ist vor allem eines: ein knallhart durchkalkuliertes Geschäft. Der Verkauf von Walfleisch ist in Japan immer noch lukrativ. Und das, obwohl es schon mehrfach Lebensmittelskandale um die Schwermetall-Belastung von Walfleisch gegeben hat, welches auch bevorzugt in Schulküchen verwendet wird – die Tiere sind oft hochgradig mit Quecksilber kontaminiert.
Die japanische Bevölkerung war darüber bislang kaum informiert. Umfragen zufolge wissen mehr als 90 Prozent der Bevölkerung nichts oder nur wenig über die hohen Quecksilberwerte in Delfinfleisch. Doch gerade der ignorierte Gesundheitsaspekt könnte der Delfinjagd nun ein Ende bereiten.
Zumindest freuen sich Artenschutzverbände in einer gemeinsamen Erklärung über die jüngsten Vorgänge in Taiji: Erstmals nehmen die Behörden vor Ort Haarproben von Bewohnern, um diese auf Quecksilberbelastung infolge des Verzehrs von Delfinfleisch zu untersuchen. Die Organisationen Pro Wildlife, Whale & Dolphin Conservation Society (WDCS) und OceanCare sehen das Quecksilberproblem denn auch eher als Hilfsmittel zum Aufrütteln denn als Nebenschauplatz an: «Egal aus welchem Grund: Hauptsache, Japan beendet diese Massaker.»
Doch der Film zeigt nicht nur die Grausamkeit der Jagd, sondern auch die Geldgier und die internationalen Netzwerke, die lebende Delfine in Gefangenschaft befördern. «Der Fang lebender Tiere für Delfinarien in aller Welt finanziert die Massaker an tausenden Delfinen mit», sagt Niki Entrup, Geschäftsführer der WDCS Deutschland.
Denn während die seit Anfang September gefangenen Delfine in Taiji nun in diesem Jahr erstmals nicht abgeschlachtet wurden, haben die Fischer dennoch einige lebende Delfine für den Verkauf an Vergnügungsparks eingefangen – schließlich verspricht der Handel mit lebenden Exemplaren im Vergleich zum Walfleisch-Geschäft noch höheren Profit.
Dass dies keinesfalls ein geringeres Übel ist, sondern Delfine unter Gefangenschaft nicht minder leiden, ist der Forschung schon länger bekannt. Und auch Ex-Flipper-Trainer O’Barry, der an dem Bucht-Film als Delfinexperte mitwirkte, weist auf das perfide Geschäft mit der Gefangenschaft hin. «In freier Wildbahn legen sie jeden Tag rund 100 Kilometer zurück, tauchen bis zu 300 Meter tief und kommunizieren mit Hunderten ihrer Artgenossen. Dass sie es mögen, in irgendwelchen Schwimmbecken zu unserer Belustigung Tricks vorzuführen, ist völliger Unsinn», sagte Ric O’Barry vergangene Woche im Interview.
Das Aufrechterhalten des Mythos von Delfinen als «verspielten Akrobaten» spielt allein in den USA jährlich zwei Milliarden Dollar in die Kassen der Delfinshow-Veranstalter. Ein Anzeichen dessen, was Frank Schätzing in seinem Bestseller Der Schwarm als die traurige Doppelbelastung der Delfine beschrieb:
«Insbesondere Delphine wurden zunehmend Opfer einer romantischen Vorstellung, die nicht minder gefährlich war als Hass und Arroganz: dass sie sich als die besseren Menschen erweisen und die Menschen sich bessern könnten, indem sie versuchten, Walen und Delphinen nachzueifern. Derselbe Chauvinismus, der sich in beispielloser Brutalität ausdrückte, brachte die rückhaltlose Vergötterung hervor, der sich Delphine ausgesetzt sehen. Sie wurden entweder zu Tode gequält oder zu Tode geliebt.»
voc/dpa/ap/news.de
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jetzt antwortenKommentar meldenDie Antwort von Norbert ist doch echt doof!! Petra hat das Thema Delphine angesprochen und zugleich das Thema Anzeigen. Was hat das mit Fleischtransporte zu tun wo niemand eine Anzeige aufgeben würde. Freund Norbert versucht hier was aufzuweichen aber das Thema Walfang, Delphine etc. ist extrem wichtig und Bedarf vieler Hilfe. Gruß Enrico
jetzt antwortenKommentar meldenAnmerkung an die Redaktion: Toll das ihr einen solchen Artikel bringt, die Öffentlichkeit muss unbedingt erfahren, was dort in Japan vorsich geht. Aber eins kann ich nicht verstehen: ihr macht im Artikel Werbung für den Film DIE BUCHT, der absolut gegen Delfinhaltung für Shows und Therapiezwecke ist - und gleichzeitig findet man unter dem Artikel eine Werbung für eine Delfintherapieangebot auf der Krim. Das wirkt auf mich reichlich schizophren. Wenn ihr schon ein solches Thema anschneidet, schaut doch ein bisschen genauer hin, an wen ihr euren Anzeigenplatz verkauft!
jetzt antwortenKommentar meldenKlar denken wir auch an die. Aber man kann nicht alles auf einmal machen. Die einen retten Wale und Delfine und andere kümmern sich um Legebatterien, Fleischtransporte und nicht artgerechte Tierhaltung. Und das ist gut so! ;-)
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