Wenn es nach Jülicher Forschern geht, könnte das Mitnahmeverbot für Flüssigkeiten im Flugzeug bald aufgehoben werden: Sie haben einen Detektor entwickelt, mit dem sich flüssige Sprengstoffe schnell von harmlosen Flüssigkeiten unterscheiden lassen.
Wöchentlich 50 Tonnen Müll und eine Vernichtung von geschätzten zwei Millionen Euro: Die strikte Flüssigkeitsregelung beim Handgepäck ärgert Passagiere wie Airlines und Flughafenbetreiber. Moderne Detektoren sollen gefährliche Flüssigkeiten zuverlässig erkennen - und nebenbei den Check-In beschleunigen.
Physiker des Forschungszentrums Jülich schlagen eine vielversprechende neue Methode vor: Innerhalb von nur wenigen Sekundenbruchteilen könne der Prototyp mit einer extrem hohen Zuverlässigkeit erkennen, ob es sich bei einer Flüssigkeit um etwas Explosives oder um flüssige Komponenten handele, aus denen sich im Flugzeug Sprengstoffe herstellen lassen, berichten die Forscher.
Die Wissenschaftler vom Institut für Festkörperforschung nutzen bei ihrem neuen Detektor eine besondere Spektroskopievariante. Das Prinzip: Trifft elektromagnetische Strahlung auf eine Flüssigkeit, absorbiert und reflektiert diese Flüssigkeit abhängig von ihrer Zusammensetzung bestimmte Anteile der Strahlung. Dadurch entsteht eine Art Fingerabdruck, der für jede Flüssigkeit charakteristisch ist.
Zwar gebe es bereits Systeme, die auf einem ähnlichen Prinzip basieren, erläutern die Forscher. Sie hätten jedoch bisher nur einen sehr engen Frequenzbereich genutzt und konnten dadurch immer nur einen kleinen Ausschnitt des Fingerabdrucks sichtbar machen. Damit ließen sich gefährliche Substanzen jedoch nicht mit Sicherheit identifizieren und bei Flüssigkeitsmischungen bestehe sogar die Gefahr falscher Ergebnisse.
Das neue System, ein sogenanntes Hilbert-Spektrometer, kann nun jedoch innerhalb von nur 200 Millisekunden über einen Frequenzbereich von wenigen Gigahertz bis einigen Terahertz messen. Zu verdanken ist das vor allem einem neuartigen nanoelektronischen Sensor, der sehr empfindlich ist und das aufgenommene Spektrum computergesteuert in ein elektrisches Signal umwandeln kann.
In Testmessungen hat sich der Prototyp bereits bewährt: Die Jülicher konnten zeigen, dass trotz ihrer zum Teil erheblichen chemischen Ähnlichkeit Ethanol, Methanol, Propanol, Wasser und Azeton problemlos unterschieden werden konnten. Einem Einsatz im Flughafen stehen momentan allerdings noch die Dimensionen des Geräts im Wege - ein Problem, das die Wissenschaftler als nächstes angehen wollen.
car/news.de/ddp