Von Marc Reisner
Schlechter Service im Urlaub? Wer keine Lust hat, sich über mit Handtüchern reservierte Pool-Liegen oder das Gedränge vorm Büffet zu ärgern, für den ist vielleicht die Luxusvariante des «Eigentums auf Zeit» eine Alternative.
Das nötige Kleingeld muss man allerdings schon haben. «The Hideaways Club» etwa, laut Eigenwerbung Europas erster Club für Besitzer von Luxusferienappartments, der in diesen Tagen seine Mitgliedslisten öffnet, kassiert pro Anteil mindestens 134.000 Euro. Wer sich für den exklusiven Club interessiert, sollte außerdem wenigstens 7700 Euro pro Jahr für die laufenden Kosten übrig haben und sein Geld nicht während der kommenden drei Jahre benötigen.
So viel gibt das Sparbuch nicht her? Bei den meisten anderen Menschen auch nicht. Kein Wunder also, dass der Verein der Reichen maximal 600 Mitglieder aufnimmt. Die allerdings dürfen sich über jede Menge erlesenen Urlaubsgefühls freuen. Denn dem Club werden letztlich rund 100 Luxus-Ferienimmobilien in etwa 25 Ländern gehören, durchschnittlicher Wert: 1,5 bis zwei Millionen Euro. Aktuell sind 25 Immobilien in Europa, Südostasien und Südafrika beisammen.
Da lässt es sich trefflich urlauben, zumal die Villen in den schönsten Urlaubsregionen liegen: Toskana, Côte d'Azur, Mallorca, Algarve, französische Alpen - schon die ersten erworbenen Häuser versprechen ein einmaliges Feriengefühl. Und die Ausstattung stimmt ebenfalls. Während Otto-Normal-Urlauber sich das 80-Quadratmeter-Ferienhaus oder das 18-Quadratmeter-Hotelzimmer schönzureden versucht, liegt die Wohnfläche in den Luxusvillen mit mindestens vier Schlafzimmern bei 230 Quadratmetern. Aber auch 500 Quadratmeter wie in einer Finca auf Mallorca sind schon mal drin.
Damit die Genießerferien schon am Flughafen beginnen können, ist der Transfer bei der Ankunft bereits arrangiert, der Kühlschrank gefüllt, ein Mietwagen steht bereit. Und natürlich sind auch Green-Fee oder Skipässe längst gebucht. Das Zimmermädchen schaut jeden Tag nach dem Rechten, und ein Concierge steht bei Fragen und Problemen rund um die Uhr bereit.
Einmalig? Längst nicht mehr. In anderen Ländern hat sich das «Eigentum auf Zeit» längst etabliert. Kein Wunder, meint etwa das Fachmagazin Helium Report: «Ein Besuch in einer privaten Residenz ist ungefähr so, als würde man die größte Suite in einem Fünf-Sterne-Resort mieten, dann eine voll ausgestattete Küche und ein paar zusätzliche Schlafzimmer ergänzen.» Kein Wunder auch, dass sich Unternehmen wie Marriott, Ritz-Carlton und Four Seasons in diesem Markt tummeln.
Eintrittskarte dickes Bankkonto
Doch Vorsicht: Falls Sie sich jetzt spontan zu einer Mitgliedschaft entschließen, sollten Sie vorher noch ausrechnen, was eine Nacht in einer Clubvilla kostet. Dazu jedenfalls rät Branchenbeobachter Nick Copley: «Sie sollten die Kosten pro Nacht mit denen von Alternativen vergleichen, etwa Luxushotels oder der Miete für normale Ferienhäuser.»
Die aktuelle Krise hat den Reichen und Schönen jedenfalls in die Hände gespielt: Die Mitgliedsbeiträge für die Nobelclubs sind deutlich gesunken. Zum Beispiel im High Country Club, der von «Private»-Aspiranten nicht mehr 60.000 sondern nur noch 20.000 Dollar Aufnahmegebühr verlangt. In den verschiedenen Mitgliedsstufen dürfen pro Jahr sieben bis 35 Tage in den Clubimmobilien verbracht werden.
«The Oyster Circle» fordert zum Eintritt 330.000 Euro; dafür gibt es - wie bei Hideaways - eine Vorzugsaktie, die bei einem möglichen Austritt auch wieder verkauft werden kann. Pro Jahr werden für eine Familienmitgliedschaft (zwei Personen) noch einmal mindestens 21.000 Euro fällig. Im Gegenzug können die Mitglieder 14 traumhafte Chalets, Fincas und Villen in Europa, den USA, Südafrika und auf den Bahamas nutzen - je nach Beitrag 28 oder 35 Tage lang. Der Tagespreis von 600 Euro für ein Objekt, das laut Oyster-Management drei bis fünf Millionen wert ist, klingt dann schon wieder fast attraktiv.
Doch manchmal verrechnen sich auch die Gründer, zum Beispiel Tim Blixseth, der den besonders edlen Yellowstone Club World ins Leben gerufen hatte. Die Aufnahmegebühr von bis zu zehn Millionen Dollar, eine Jahresgebühr von 75.000 Dollar und höchstens 150 Mitglieder waren denn doch zu ambitioniert: Der Club wurde kürzlich für zahlungsunfähig erklärt.
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