Der Impfstoff wird schon ausgeliefert. Doch vor Beginn der Massenimpfung gegen die Schweinegrippe sorgt die Beschaffung unterschiedlicher Präparate für Politiker und Bevölkerung für Aufregung. Kanzlerin Merkel will auf eine Sonderbehandlung verzichten.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vertraut bei der Frage nach einer Impfung gegen die Schweinegrippe ganz ihrem Arzt. «Sie wird natürlich, wenn der Impfstoff dann in den Praxen angekommen sein wird in den nächsten Tagen, mit ihrem Hausarzt sprechen», sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. «Wenn er ihr sagt, es ist richtig, sich jetzt impfen zu lassen, dann wird sie das machen.» Falls sie sich dann für eine Impfung gegen die Schweinegrippe entscheidet, wird sie nach Angaben von Wilhelm keinen besonderen Impfstoff wählen, sondern den üblichen, der in allen Hausarztpraxen verwendet wird.
Denn die Information, dass zwei verschiedene Impfstoffe für Regierung und Beamte und Bevölkerung auf den Markt kommen, sorgt für Aufregung. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, sagte der Bild-Zeitung: «Zweierlei Impfstoffe für Regierung und Bevölkerung ist das falsche Signal. Da verstärkt sich bei vielen Menschen der Eindruck, sie seien Patienten zweiter Klasse. Das zeugt von wenig Fingerspitzengefühl.»
Ähnlich äußerte sich die Grünen-Gesundheitsexpertin Biggi Bender: «Großes Risiko fürs Volk, kleines Risiko für die Regierung. Diese Art von Zweiklassenmedizin darf es in einer Demokratie nicht geben.»
Auch führende Mediziner äußerten heftige Kritik an der geplanten Impfpraxis. Der Chef des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Universität Bonn, Martin Exner, sagte: «Dass Politiker und Spitzenbeamte in Ministerien mit einem anderen Impfstoff geimpft werden als die Bevölkerung, ist ein verheerendes Zeichen. Gerade Politiker müssen diejenigen sein, die das, was sie empfehlen, auch für sich selbst in Anspruch nehmen.»
Der Virologe Alexander S. Kekulé von der Uniklinik Halle sagte: «Dass die Mitglieder der Bundesregierung und der Behörden offenbar einen anderen Impfstoff bekommen sollen, ist ein Skandal.»
Regierung verteidigt unterschiedliche Impfstoffe
In der Debatte um unterschiedliche Impfstoffe für die Kanzerin, ihre Minister, die Bundeswehr und die übrige Bevölkerung sieht die Bundesregierung keine Vorzugsbehandlung. «Ich weise den Vorwurf der Zweiklassen-Impfung zurück», sagte eine Sprecherin von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) der Berliner Zeitung. Das für die Bestellung der Impfstoffe zuständige Beschaffungsamt im Innenministerium habe mit dem Hersteller Baxter schon vor vielen Monaten einen Vertrag abgeschlossen, den man einhalten müsse, sagt die Sprecherin. Zum damaligen Zeitpunkt sei von möglichen Unterschieden der beiden Stoffe noch keine Rede gewesen.
Warum sich die Beschaffungsbeamten am Ende für Celvapan entschieden haben, ist laut Zeitung noch offen. Vieles spreche aber dafür, dass der Impfstoff von Baxter billiger gewesen sei.
Derweil hat die Verteilung des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe begonnen. Pünktlich um 7 Uhr seien die ersten Dosen ausgeliefert worden, sagte eine Sprecherin des Pharmaherstellers GlaxoSmithKline auf Anfrage. Details wurden nicht genannt. «Wir müssen jetzt schauen, dass das alles reibungslos abläuft.» Deshalb habe man darauf verzichtet, den konkreten Zeitplan und den Ort der Auslieferung zu veröffentlichen. Dem Vernehmen nach ist das Lager in der Nähe von Dresden. Alle Bundesländer hätten gemäß ihrer Bevölkerungszahl Impfstoffe bestellt, hieß es. Die Impfungen sollen bundesweit am 26. Oktober beginnen.
juz/iwe/reu/news.de/ddp/dpa
Hallo, ich bin nicht "impfmüde! ABER ich bin sehr verunsichert! Wenn ich höre, dass es z.Zt. 1. Zwei verschiedene Sera gibt, und dann auch noch höre, dass prominente - bzw. angebl. WICHTIGE Personen und Pers.-Gruppen gibt?!, Dann will ich UNBEDINGT wissen, was mir wirklich gut tut, und nicht NUR dem allgemeinen Zweck dienlich ist! Was würden Sie denken wenn z.B. Ihre Eltern sich mit einem "guten" Mittel impfen würden, und die Kinder NUR mit einem vielleicht nicht ganz so GUTEM "Zweitmittel"? Sind die Kinder weniger rettungsbedürftig??? Ich weiß nicht, was ich denken/machen soll !!! Dieter
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