Von news.de-Mitarbeiterin Anwen Roberts
Die hitzige Debatte um das Erdöl-Fördermaximum wird erneut entfacht. Ein britischer Bericht wertet über 500 Studien zur Zukunft fossiler Brennstoffe aus und folgert, dass der Fördergipfel schon 2020 erreicht sein könnte.
Peak Oil – der Scheitelpunkt der Ölfördermenge – könnte bereits in zehn Jahren erreicht sein, gaben Wissenschaftler des britischen UK Energy Research Centre (UKERC) vergangene Woche bekannt. Das UKERC hatte für seinen umfassenden Bericht mehr als 500 Studien zum Thema ausgewertet und verglichen. Ihr Ergebnis ist nicht nur das bedrohlich nahe Datum 2020, sondern auch eine Zusammenschau von Handlungsempfehlungen und Leitlinien für die Politik.
Ursache für den drohenden Engpass und somit für die Prognose scharf ansteigender Ölpreise ist die Kombination von versiegenden Quellen und steigendem Energiebedarf. Tatsächlich lässt heute schon die Ergiebigkeit der Förderung weltweit erheblich nach: Betrug in den 1960er Jahren das Verhältnis von eingesetzter zu gewonnener Energie noch rund 1:100, steht die weltweite Ölförderung heute bei 1:25. Und mit dem Versiegen konventioneller Quellen werden alternative Ölquellen wie Teersande, die mühsam und teuer ausgewaschen werden müssen, immer interessanter.
Solche unkonventionellen Quellen sind allerdings an der Grenze zur Unwirtschaftlichkeit. Der Abbau von Ölsand im Albian Sands Field in Alberta / Kanada hat nunmehr eine Effektivität von lediglich 1:6. Fraglich ist bei diesen Methoden, ob die Ölfirmen wirklich an das Limit der Ergiebigkeit gehen wollen, ob sie immer schwierigere Quellen mit immer höherem Energieeinsatz ausschöpfen, sich einem Wert von 1:1 immer weiter annähern wollen.
Was die Debatte um Peak Oil verschärft, ist eben auch ein wirtschaftspolitisches Problem. Fördernationen halten sich mit den Daten ihrer verfügbaren Ölmengen bedeckt, schließlich geht es um sensible marktwirtschaftliche Informationen. Protektionismus macht sich breit, heute schon verzichten die USA weitgehend auf Ölexporte. Weitere Länder, die auf diese Weise Eigenbedarf anmelden, sollen demnächst folgen.Auch der britische Report weist mehrfach auf die Unzuverlässigkeit der Daten hin. Die Ölbranche gilt als notorisch veschwiegen – doch die Goldgräberstimmung bei den Förderern des Schwarzen Goldes ist offenkundig vorbei. Die Autoren der im September ausgestrahlten ARD-Doku Bis zum letzten Tropfen besuchten versiegende Ölfelder in der ganzen Welt, darunter das abgelegene Feld Shaybah, 400 Kilometer von der nächsten Stadt in der saudi-arabischen Wüste gelegen. Seit 40 Jahren hätte es keine nennenswerten Ölfunde in der Region gegeben, der Ölgigant am Golf fange an zu wanken. «Wie verzweifelt müssen Ölkonzerne sein, um solche alten, erschöpften Vorkommen bis zum Anschlag auszubeuten», fragen die NDR-Autoren Matthias Sdun und Jürgen Webermann.
Der Wertung dieser Fördermethoden als Akte schierer Verzweiflung scheint zu widersprechen, dass immer wieder Ölfelder ganz neu entdeckt werden. Rund 43.000 Felder sind weltweit bekannt, und durch den verstärkten Einsatz der Ölfirmen in Erkundungs- und Abbautechnologien kommen immer mehr hinzu. Allein zwischen 2000 und 2007 sollen 70 sogenannte «Elefanten»-Felder lokalisiert worden sein – das sind Vorkommen, in denen jeweils mehr als 500 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht rund 160 Litern) vermutet werden.
Doch Neufunde sind zugleich die Munition für die Gegner der Peak Oil-Theorie: Der US-Ökonom Julian Lincoln Simon hatte schon vor 20 Jahren die Hypothese aufgestellt, dass der Anreiz zur Neuerkundung in schwierigen Gebieten wie der Tiefsee mit steigender Nachfrage und Preisen ebenfalls ansteige. So könnten immer wieder neue Überraschungsfunde gemacht werden, was zugleich eine realistische Einschätzung der weltweiten Ressourcen verunmögliche und die Preise stabil halte.
Die schwierige Einschätzung der Quellenlage findet allerdings auch in dem UKERC-Bericht Beachtung. Der Hauptautor des Reports Steve Sorrell bestätigte, dass viele der pessimistischen Vorhersagen die noch vorhandenen Ölreserven systematisch unterschätzt hätten. Doch positivere Prognosen, die etwa davon ausgingen, dass Peak Oil erst um oder nach 2030 erreicht würde, seien dagegen «bestenfalls optimistisch, schlimmstenfalls unglaubwürdig». Vor allem könnten selbst neu entdeckte Ölvorkommen wegen ihrer aufwendigen Erschließung den nach Peak Oil benötigten Mehrbedarf nicht sofort decken. Jahrzehnte können vergehen, bis ein entdecktes Feld auch erschlossen werden kann.
Das hindert Skeptiker aber nicht daran, die gesamte Vorstellung von Peak Oil als Mythos zu diskreditieren. Zeitgleich mit dem Erscheinen des britischen Erdöl-Berichts veröffentlicht Newt Gingrich, ehemaliger republikanischer Kongressabgeordneter und Sprecher des US-Repräsentantenhauses und heute Energieberater, in einem Kommentar im Wirtschaftsbranchendienst Investors Business Daily über die vermeintliche Ökofanatiker-Verschwörung Peak Oil. Fördergenehmigungen hingen unsinnigerweise am Tropf der Bürokratie, Offshore-Förderung sei aus vorgeschützter politischer Räson in den USA verboten gewesen. «Peak Oil war eine vor Jahrzehnten aufgestellte Theorie, die von einem demnächst drohenden Fördergipfel ausging.» Implizit steht Theorie hier für die Brandmarkung einer wissenschaftlich überprüfbaren Idee als Geschmackssache.
Allein, wie ideologisierend das Wort Theorie in den USA eingesetzt wird, war zuletzt im Falle der Evolutionstheorie zu sehen. Der Kreationistenbewegung gelang es sogar durchzusetzen, dass Biologiebücher mit Warnhinweisen versehen wurden, die aussagten, dass es sich bei Darwins Evolutionslehre nur um eine Theorie handeln würde und man (als Christ) durchaus anderer Ansicht sein könne. Nur dass eine Theorie für die Wissenschaft weit mehr als ein Glaubenssystem ist, haben sie dabei unterschlagen. Karl Popper würde entschieden widersprechen.
car/news.de/dpa
Die gesammelten Weisheiten der politischen Zuchtmeister sind selbst deswegen nicht besser, weil sie geglaubt werden. Stimmt ab über die Frage ob die Erde im Mittelpunkt des Sonnensystem steht oder eine Scheibe ist. Die Erde wird sich nicht daran halten. Schon mal was von synthetischen und analytischen Aussagewerten gehört, Herr Oberzensor.
jetzt antwortenKommentar meldenDurch und durch schwachsinnige und ideologische Kommentare - immer und immer wieder. Kann sowas nicht zensiert werden? ;-)
jetzt antwortenKommentar meldenSeit der Pessimismus einen Namen hat, wechselt ein Horrorszenario das andere. Der Name des Pessimismus ist die Kritik am massenhaft guten Leben. Die Form der Kritik ist stets die gleiche: die Hoffnung auf selbst erfüllende Propheterie. Klimawandel, Pandemie, Ozonloch, Sonneneinfallswinkel, usw. Kampagnen der Massenhysterie werden gestartet, um den Menschen den Spass am Leben zu verderben. Ich fordere: Hört nicht auf Experten und ihr durch Politik verunreinigtes (Gefälligkeitsgutachten) Wissen. Das Öl geht nicht aus, hoffentlich jedoch die Luft dem Panikorchester aus Politik und Wissenschaft.
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