Auf der Erotikmesse Venus herrscht diese Tage großer Andrang. Nackte Haut bis zum Überdruss und immer extremere Trends werden Besuchern geboten. Und immer kreativere Sexspielzeuge, die auch endlich mehr Frauen auf die Messe locken sollen.
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Lester Maul ist eine Kunstfigur, die bissig, böse und aus dem Bauch heraus das aktuelle Geschehen exklusiv auf news.de kommentiert. Hinter der Figur stecken mehrere Kabarettisten. Ihre Beiträge entstehen unabhängig von der Redaktion. Sie sollen provozieren, amüsieren und orientieren – und bloß kein Blatt vor den Mund nehmen.
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Beim Thema "Sexmesse" muss ich irgendwie an ein katholisches Priesterseminar denken. Mea culpa!
16.10.2009
Naddel als Botschafterin Venus-Messe
Sex in the City in Berlin

Video: dpa
Ich bin eine dieser Frauen, auf die die Branche hofft. Um zu testen, ob es die Erotikindustrie wirklich ernst mit mir meint, habe ich mich auf nach Berlin zur Venus gemacht. Meinen Mann habe ich neidisch zu Hause sitzen lassen, ebenso meine männlichen Freunde, die zu gern meinen persönlichen Fotografen gespielt hätten. Nur meine Freundinnen scheinen mich nicht zu beneiden, ich habe sie mit meiner Ansage in zweifelndes Staunen versetzt.
Zugegeben ein wenig mulmig ist es mir schon, als ich das Messegebäude betrete. Aus Fernseh-Reportagen weiß man ja, was einen in etwa auf einer Sex-Messe erwartet. «Das Schlimmste befürchten und das Beste hoffen», sage ich mir und mache mich auf zur nach eigenen Angaben weltgrößten Erotikmesse.
Im Eingangsbereich der Venus werde ich dann aber erstmal freundlich begrüßt. Von zwei Damen, in knappen Höschen und engen Tops, die mir die erste Tüte mit kostenlosen Trailer-DVDs für zu Hause in die Hand drücken.« Immerhin sind sie noch bekleidet», denke ich mir und schaue mich um. Männer über Männer, abgesehen von den Messemiezen und den Erotikdarstellerinnen. Noch nicht einmal im Fußballstadion ist man als Frau in solch einer Unterzahl.
Aber keine Zeit verlieren, im Hintergrund sehe ich, dass die Shows bereits begonnen haben. Da der Besucher 18 Jahre alt sein muss, um die Venus betreten zu dürfen, wird es dort wohl ordentlich zur Sache gehen. Und so ist es auch: Auf den verschiedenen Bühnen zeigen berühmte Darstellerinnen und solche, die es noch werden wollen, alles.
Nackt tanzen sie an Stangen, räkeln sich zu zweit in Betten oder lassen einfach nur ihre nackten Brüste und ihre Genitalien aufblitzen. Und immer im Visier von den Männern, die bewaffnet mit Kameras und riesigen Objektiven jede Szene oder besser jede kleinste Körperstelle für zu Hause festhalten. Genau so habe ich es mir vorgestellt.
Bewaffnet mit einer Kamera werfe ich mich mitten in die Massen und bin überrascht: Auch wenn sie anscheinend gute Pornos drehen oder solche, die sich gut verkaufen, die großen Showtalente sind sie nicht. Da ist eine Demi Moore in Striptease gar überzeugender und das will was heißen. Und noch etwas fällt auf, so wenig die Frauen anhaben, soviel Makeup haben sie im Gesicht. Und trotz der Schminke lassen sich die Spuren, die ihr harte Arbeit anscheinend in ihrem Gesicht hinterlassen hat, nicht verbergen. Doch dafür haben die Männer keine Augen.
Denn die Pornodarstellerin ist mittlerweile auf Tuchfühlung mit ihren Fans gegangen. Von links und rechte werde ich angerempelt. Doch bemerkenswerterweise geben die Männer dabei keine Töne von sich. Sehr ungewöhnlich für Männer im Kampfeinsatz. Außer der Musik hört man nichts, während sie hin und her laufen, um den besten Winkel auf die Dame zu erhaschen.
Als diese dann beginnt, sich Leuchtstäbe in ihre Körperöffnungen zu stecken, habe ich erstmal genug gesehen. Ich höre noch, wie der Moderator die Männer animiert, doch endlich mal zu klatschen. «Mensch, die ist doch lecker», ruft er in die Menge. Doch zum Klatschen braucht man zwei Hände und die halten ja die Kamera.
Wenn die Erotikbranche wirklich aus der Schmuddelecke raus will, dann jedenfalls nicht so, ist mein Fazit nach der ersten Stunde Venus meines Lebens. Aber ich bin noch optimistisch.
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