Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Die Kultusminister der Länder demonstrieren Optimismus - in Sachen Bologna-Reform wie beim Lehramtsstudium. Doch die Zwischenergebnisse kratzen nur oberflächlich an beiden Themen.
Der Bologna-Prozess hat sich positiv auf die Mobilität von Studenten ausgewirkt. So lautet ein Resümee der Kultusminister, die in Waren (Müritz) über die Zukunft von Lehramtsstudium und Bologna-Prozess diskutiert haben. Die Kultusminister beziehen sich dabei auf den Bericht Mobilität der Studierenden in der gestuften Studienstruktur, der unter anderem auf Erhebungen des Hochschulinformationssystems, des Deutschen Studentenwerks und OECD-Daten zur Mobilität von Studenten zurückgeht.
Allerdings verlasse man sich nicht blind auf diese Daten. Immernoch fehlten «belastbare und international vergleichbare Daten» um Vergleiche zwischen Studiengängen anstellen zu können, die mit dem Diplom, Magister oder Staatsexamen geendet haben.
Breiter Optimismus herrscht beim Blick auf die Referendariatsplätze für Lehramtsstudenten. Bis zum Jahr 2012 soll es laut einer Umfrage unter den Ländern davon rund 64.000 Plätze geben. «Dies zeigt, dass die Länder trotz der demografischen Entwicklung die Zahl der Stellen im Vorbereitungsdienst ausweiten werden.»
Den Mängeln in der Lehrerausbildung wird das jedoch nur zum Teil gerecht. Im Zuge der Bologna-Reform hatten Studenten mehrfach kritisiert, dass Referendariatsplätze nur eine Hürde seien. Mit der Umstellung können aber nicht jeder, der ein Lehramtsstudium beginne, dieses auch abschließen. Dies gilt vor allem an jenen Hochschulen, die entsprechende Studiengänge auf das Bachelor- und Mastersystem umgestellt haben. Zudem haben verschiedene Länder Notengrenzen festgelegt, anhand derer entschieden wird, wer überhaupt Chancen auf einen Masterplatz hat.
Das Studium braucht mehr Praxis
Aus der Wirtschaft werden unterdessen Forderungen laut, dem stark verwissenschaftlichten Studium mehr praktische Elemente beizufügen. «Sonst werden wir das gemeinsame Ziel, Hochschulabsolventen fit für den Arbeitsalltag zu
machen, noch lange nicht erreichen», sagt Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
Dessen Angaben zufolge trenne sich jedes zehnte Unternehmen bereits in der Probezeit von studierten Berufsanfängern. Es mangele an der Fähigkeit, theoretisches Wissen in praktische Arbeit umzusetzen. Driftmann votiert deshalb für die Einführung von Betriebspraktika oder Projekten, ähnlich wie sie Bestandteil der Ausbildung an allgemeinbildenden Schulen sind.
Denkbar sei zudem, Wirtschaftsvertreter an der Gestaltung von Studienplänen mitwirken zu lassen sowie eine stärkere Mitwirkung in Form von Vorträgen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft sei nützlich. «Wir wollen die Freiheit von Forschung und Lehre - aber wir wollen auch, dass die jungen Leute hinterher nicht erst mal mit all ihrem Wissen auf der Straße stehen», so der DIHK-Präsident.
iwe/news.de