Mo., 13.02.12

Interview zum Lachen Das Zweitschönste, was Menschen verbindet

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Artikel vom 15.10.2009

Kinder lachen 400 Mal am Tag, Erwachsene 15 Mal, Tote gar nicht mehr, sagt der Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Zum Beginn der Leipziger Lachmesse spricht news.de mit der Humortrainerin Annekatrin Michler übers Lachen.

Was ist Lachen?

Michler: Das schönste, was Menschen miteinander verbinden kann. Außer Sex.

Warum braucht man denn zum Lachen eine Messe?

Michler: Die Leipziger Lachmesse hat gar nicht so vordergründig mit dem Lachen zu tun. Sie ist aus der Kultur- und Kabarettszene der DDR entstanden und hatte dort den besonderen Auftrag, zwischen den Zeilen Politik zu transportieren. Der DDR-Bürger hat sein Kabarett geliebt, und nach der Wende ist es zu einer deutschlandweiten Bewegung geworden, die auch in die Comedian-Bewegung übergegangen ist.

Heute wird das Lachen nicht nur als Deckmantel verwendet, sondern auch immer stärker institutionalisiert. Sie selbst geben Seminare zu Kommunikation durch Humor.

Michler: Es gibt eine Verbindung zwischen dem persönlichen Lachen und Lachen als Instanz. Lachen als Instanz ist tatsächlich manchmal auch gefährlich, weil es als Marketinginstrument eingesetzt wird. Aber es ist doch so, Menschen suchen heute Lösungen, sie haben viel zu tun, viel Stress. Wenn ein Mensch lacht, atmet er aus und entspannt.

Aber ist ein strategisches Lachen denn überhaupt noch ein Lachen?

Michler: Das Wichtige am Lachen ist, dass es Menschen verbindet. Gemeinsames gesellschaftliches Lachen. Man kann gemeinsam Freude empfinden, wenn es in der Firma toll gelaufen ist, Lachen ist ein Befreiungsschlag, wenn die Anspannung abfällt. Natürlich ist das Lachen, das spontan aus dem Herz herausquillt, das schönste. Aber man kann auch Menschen daran erinnern, dass das Potenzial da ist. Da der Mensch ständig in Bewertungen lebt, unterdrückt er das Lachen und denkt, ich darf jetzt nicht lachen. Ich habe in meinen Seminaren oft den Satz gehört, eine Führungskraft darf nicht humorvoll sein. Dabei lässt sich hier der Humor gut strategisch einsetzen: Humor ist auch der Eigenhumor, und es ist ein Geschenk, wenn man über sich selbst lachen kann.

Aber ist es nicht eher so, dass wir in der letzten Zeit immer komisch sein müssen?

Michler: Durch das, was in den Medien über Humor kommuniziert wird, ist etwas sehr Bedenkliches entstanden. Humor basiert nur noch darauf, sich über andere lustig zu machen. Das hat etwas Verletztendes, es zerstört Menschen. Wir machen ständig Fehler. Dabei sollten wir uns nicht darüber definieren, uns über andere lustig zu machen, sondern erkennen, ich bin okay, mache aber manchmal Quatsch, und darüber zu lachen. Indem wir uns zerstören, werden wir nicht wachsen. Dabei kann man über Humor auch Krisen bewältigen. Um über mich selbst zu lachen, brauche ich Tiefe.

Lachen und Tragik sind also eng verknüpft?

Michler: Das hat mit dem Problem des Scheiterns zu tun. Der Clown ist unser Stellvertreter des Leidens, ich bin sehr dankbar, dass ich das gelernt habe. Das lässt sich sehr gut auf die Führungskräftearbeit übertragen, wenn man sagt: «Jetzt haben wir alle zusammen das Ding vergeigt, jetzt gucken wir, wie wir es besser machen.» Aber in der Arbeitswelt ist man derzeit sehr verunsichert.

Wie trainieren Sie denn Humor?

Michler: Ich gebe zum Beispiel einer Person eine Hand voll Bohnen, die soll sie in ihre rechte Jackentasche stecken, und sage: «Immer, wenn du etwas Schönes erlebst, steck' eine davon in die linke Jackentasche.» Am Ende des Tages nimmt man dann die Bohnen aus der linken Jackentasche und erinnert sich an die schönen Dinge, die passiert sind. Das ist keine Schenkelklopferübung, sondern hilft, die innere Freude wiederzuentdecken. Um auch wieder laut zu lachen, ein echtes Lachen, kein Schadenfreudelachen. Wie Kinderlachen. Ich behandele das Thema nicht zu wissenschaftlich. Das Lebensgefühl ist wichtig, wach und lebendig durchs Leben zu gehen.

Gibt es einen Grundhumor, den alle teilen?

Michler: Wenn was Schönes geschieht. Daran glaube ich fest, dass alle Menschen diesen Grundhumor haben. Wenn sie liebevoll aufgewachsen sind. Denn zur Freude gehört Vertrauen.

Wie schaffen Sie es denn, in Ihrer Arbeit immer humorvoll zu sein?

Michler: Ich sag Ihnen ganz ehrlich, ich setze mich nicht unter Druck. Man kann nur humorvoll sein, wenn man auch die andere Seite lebt, und das kommuniziere ich auch. Es ist schon schwieriger, wenn man einen nicht so guten Tag hat. Aber mit Freude vor die Gruppe zu treten, ist unser Auftrag, und wenn ich das erste Lächeln sehe, geht es schon wieder. Humor braucht immer auch Rückmeldung.

car/news.de
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Interview zum Lachen: Das Zweitschönste, was Menschen verbindet » Gesellschaft » Nachrichten

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