Von news.de-Mitarbeiterin Anwen Roberts
Die Hinweise mehren sich, dass die Gerölloberfläche mancher Asteroiden Wasser und andere organische Verbindungen birgt – und dass einschlagende Brocken die Grundlagen des Lebens auf der Erde ablieferten.
Gleich zwei Forschungsgruppen haben «24 Themis», einen Klasse-C-Asteroiden im Asteroidengürtel unseres Sonnensystems, genauer unter die Lupe genommen und dabei neue Belege für die Wassereis-Vermutung gefunden.
In der vergangenen Woche bestätigten Astronomen bei der Jahrestagung der Abteilung Planetenforschung der American Astronomical Society in Fajardo (Puerto Rico) erstmals offiziell, dass «24 Themis» gefrorenes Wasser auf der Oberfläche habe. Gemeinhin heben sich Asteroiden durch ihre trockene, steinige Oberfläche von ihren eisigen Schwestern, den Kometen, ab. Doch solche Unterscheidungen werden immer diffuser, umso mehr Hinweise auf vereiste Asteroiden eingehen.
Humberto Campins von der University of Central Florida in Orlando (USA) und Kollegen hatten den Klotz sieben Stunden lang mit dem Infrarot-Teleskop der Nasa auf Hawaii beobachtet und dabei Wärme- und Lichtspektren aufgezeichnet. Die Spektroskopie enthüllte, was ein anderes Forscherteam bereits im vergangenen Jahr vermutet hatte.
2008 hatten Andrew Rivkin von der Johns-Hopkins-Universität in Maryland und Joshua Emery vom legendären SETI-Institut in Kalifornien mit demselben Nasa-Teleskop schon einmal das Spektrum des Asteroiden untersucht und dabei das charakteristische Signal für Wassereis entdeckt.
Diese Hinweise wurden durch die erneute Analyse von Campins nun vertieft und bestätigt: Sein Team konnte zeigen, dass gefrorenes Wasser auf der gesamten Oberfläche «weit verbreitet» und daher nicht nur ein zeitweiliges Phänomen ist, das etwa durch die Kollision mit einem anderen vereisten Himmelskörper erschienen ist. Zudem zeigte Campins Analyse des reflektierten Sonnenlichts auch, dass das Wasser flächendeckend mit organischen Verbindungen durchsetzt ist, sogenannten polyzyklischen Aromatischen Wasserstoffen und Aminogruppen (CH2 und CH3).
Auch bei anderen Asteroiden wurden schon Hinweise auf Wasser gefunden, doch eigentlich sollte die Nähe von «24 Themis» zur Sonne jegliches Wasser schnell verdunsten lassen, merkte Campins an. In dessen Position zwischen Mars und Jupiter müsste an sich circa ein Meter Eis pro Jahr verschwinden.
Der Hauptasteroidengürtel in unserem Sonnensystem liegt zwischen Mars und Jupiter, und nur bei den Asteroiden des äußeren Gürtels, jenseits einer «Schneegrenze» in der Nähe vom Jupiter, sollte sich Wassereis überhaupt halten können, hieß es bislang. Der Wasserfund auf «24 Themis» stellt den gegenwärtigen Forschungsstand in Frage und verlangt nach einer alternativen Erklärung.
Eine Möglichkeit ist, dass das Eis tief im Fels eingelagert ist und durch Einschläge von anderen Körpern an die Oberfläche befördert wird, sich so gleichsam immer wieder auffüllt, vermutet Campins. Die Steinschicht der Oberfläche kann unterliegendes Eis bei entsprechend niedrigen Temperaturen theoretisch Milliarden Jahre gegen Verdunstung isolieren.
Zwar stellen einige Wissenschaftler die Genauigkeit der Spektralanalyse von Wasser in Frage, sodass man kaum von einem handfesten Beweis sprechen kann. Doch selbst Methodenkritiker wissen um die fehlende Trennschärfe von steinigen Asteroiden und eisigen Kometen und halten die Präsenz von Wasser auf Asteroiden wie «24 Themis» durchaus für plausibel.
Die Entdeckung gibt nicht nur der Frage nach dem Unterschied zwischen Asteroiden und Kometen neuen Auftrieb, sondern auch der Idee, dass Asteroiden lebenswichtige Verbindungen wie Wasser und Aromaten auf die Erde befördert haben könnten. Nach der Entstehung unseres Sonnensystems hat die Hitze der Sonne die meisten Wassermoleküle in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten – auf der jungen Erde hätte viel weniger Wasser bestehen bleiben dürfen als es der Fall ist.
Kometen, die fern von der Sonne entstanden, wurden bereits als alternative Wasserquelle für die Erde gehandelt – doch das Profil der Wasserstoff-Isotope auf Kometen passt nicht zu dem der Erde. Wenn das Wasser hingegen von Asteroiden stammt, hätte dies sogar ausreichen können, um die Ozeane der Erde zu füllen, sagte der Planetologe Henry Hsieh von der Universität Belfast dem Wissenschaftsmagazin New Scientist.
Die Idee der «Panspermie» - die Vorstellung, dass vielleicht sogar das Leben selbst von aufprallenden Geschossen aus dem Weltraum auf die Erde befördert wurde – wurde lange Zeit als verrückt abgetan. Viele der einschlägigen Theorien sind auch einfach nur unglaublich: Einige Autoren behaupten sogar, dass die Mitochondrien, die sich über Äonen ihren eigenen Stoffwechsel und ihre eigene DNA bewahrt haben und in unseren Zellen wie Gäste, die sich nicht akklimatisieren wollen, leben, aus dem Weltraum stammen. Unsere «Zellkraftwerke» wären damit so etwas wie uralte einzellige Alien-Parasiten. Diese umstrittene Theorie diskutiert etwa Bill Bryson in seinem populärwissenschaftlichen Werk Eine kurze Geschichte von fast allem.
car/news.de