Das Gewohnte hinter sich lassen und Neues erleben. Für viele junge Leute ist das Grund genug, um im Ausland zu studieren. Ob für ein Semester oder gleich für die gesamte Studienzeit ist nicht nur eine Frage der Vorlieben, sondern auch der Planung.
Ob Medizin in Kalkutta oder Geschichte in Oxford - ein Studium im Ausland macht sich nicht nur gut im Lebenslauf. Es ist auch eine spannende Erfahrung, mit der sich Weichen für die Zukunft stellen lassen.
Rund jeder vierte Student in Deutschland geht nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für ein oder zwei Semester ins Ausland. Manche entscheiden sich sogar, das gesamte Studium jenseits der deutschen Grenzen zu absolvieren.
Unabhängig von der Dauer des Aufenthalts muss vorher alles genau geplant werden. «Am besten fängt man schon anderthalb, spätestens aber ein Jahr vor dem geplanten Aufenthalt an», rät DAAD-Sprecherin Francis Hugenroth. Ansonsten verpassen Studenten schnell die Fristen, wenn sie sich um ein Stipendium bewerben wollen. «Will man das komplette Studium im Ausland absolvieren, wird die Planung noch komplizierter.» Dann sind rechtliche Punkte wie die Aufenthaltsgenehmigung zu klären. Und die Suche nach einer passenden Hochschule läuft anders als bei Austauschprogrammen in Eigenregie. Es gibt zwar private Organisation, die dabei helfen - das kostet aber.
Landessprache beherrschen
Gründe für ein Auslandsstudium gibt es ganz verschiedene: Einige nutzen die Gelegenheit, weil sie ohnehin in Grenznähe zu Nachbarstaaten wie Österreich oder den Niederlanden leben. Bei anderen hängt es mit ihrem Fach zusammen - wer Anglistik studiert, sollte einmal in Großbritannien gewesen sein. Manche haben schon länger den Wunsch, später in einem anderen Land zu leben. «Häufig spielen aber auch die Zulassungsbeschränkungen an deutschen Universitäten eine große Rolle bei der Entscheidung, etwa bei Medizinstudenten», erläutert DAAD-Sprecherin Hugenroth.
Wichtig sind zunächst die Sprachkenntnisse - auch wenn an der Wunsch-Uni Seminare auf Englisch angeboten werden. «Je besser ich die Landessprache spreche, desto besser», sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. Wer die Sprache noch nicht kann, sollte rechtzeitig Kurse belegen.
Oft ist ein Auslandsstudium auch eine Frage des Geldes. «Nach wie vor hängt die Mobilität der Studierenden vom sozioökonomischen Hintergrund ab», erklärt Grob. «Damit entscheidet die soziale Herkunft nicht nur über einen Auslandsaufenthalt, sondern über eine Chance fürs Leben.»
Stipendium beantragen
Die Finanzierung ist bei einem kompletten Auslandsstudium noch schwieriger - vor allem, wenn Eltern oder Verwandte nicht für die Mehrkosten aufkommen können. «Für ein komplettes Auslandsstudium vergibt der DAAD keine Stipendien», erklärt Hugenroth. Auch die Austauschprogramme Sokrates und Erasmus, die für Stipendiaten die Studiengebühren übernehmen und einen Zuschuss zahlen, sehen kein ganzes Auslandsstudium vor.
Mit den Kosten zu tun hat auch die Frage nach dem geeigneten Studienort und der passenden Uni. «Es muss nicht immer Yale oder Harvard sein», meint Grob. «Stattdessen sollte man nach seinem Bauchgefühl gehen und einen Ort auswählen, wo man schon immer mal hin wollte.» Im Hinblick auf die spätere Karriere könne ein exotischer Studienort bei Vorstellungsgesprächen durchaus hilfreich sein und einen interessant machen. «Unbedingt geklärt werden muss aber, welche Studienleistungen später in Deutschland anerkannt werden.»
Beim Erasmus-Programm ist die Auswahl des Studienortes eingeschränkt, weil die Heimat- mit der Gastuniversität eine Austauschvereinbarung abgeschlossen haben muss. «Große Universitäten haben meist Austauschkontakte in allen Fächern», erläutert Eva Lack, Erasmus-Hochschulkoordinatorin der Freien Universität Berlin. In den einzelnen Fächern gebe es aber nicht mit allen möglichen Ländern einen Austausch. Welche Länder ihnen in ihrem Fach offenstehen, prüfen Studenten daher besser rechtzeitig.
Finanzspritze mitdenken
Seit der Einführung der Bachelorstudiengänge ist das Studieren im Ausland nicht einfacher geworden. «Die Mobilitätsphase muss schließlich irgendwo in die wenigen Studiensemester eingepasst werden», erklärt Lack. Wann dafür der günstigste Zeitpunkt ist, hängt vom jeweiligen Studienplan ab - am besten lassen Studenten sich hierzu beraten.
Für Studienaufenthalte ab einem halben Jahr können Studenten Auslands-Bafög beantragen. «Das können wegen der höheren Lebenshaltungskosten im Ausland auch diejenigen bekommen, die in Deutschland nicht gefördert werden», erläutert Grob. Seit 2008 wird ein Auslandsstudium sogar komplett gefördert, wenn es in EU-Ländern oder der Schweiz absolviert wird. Den Zuschuss gibt es auch in Studiengängen, bei denen deutsche und ausländische Einrichtungen kooperieren.
ham/kat/news.de/dpa