Fr., 25.05.12

Gebärdensprachdolmetscher 18.10.2009 Mit Händen Brücken schlagen

Wie werde ich...? Gebärdensprachdolmetscher (Foto)
Wer Gebärdensprachdolmetscher werden will, der muss Fingerfertigkeit beweisen und sich schnell auf ungewohnte Situationen einstellen können. Bild: dpa

Taubstumme Menschen haben viel zu erzählen. Ohne Hilfe können sie sich aber nur schwer verständigen. Beim Arzt oder auf dem Amt brauchen sie oft Hilfe. Die bieten Gebärdensprachdolmetscher, die mit Mimik und Gestik übersetzen.

So schlagen sie eine Brücke zwischen Hörenden und Gehörlosen. Das ist ein vielfältiger Job: Denn Dolmetscher müssten sich dabei tagtäglich in unterschiedlichste Bereiche einarbeiten, sagt Silke Herwig vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) in Berlin.

Wer den Beruf ergreift, muss anpassungsfähig sein. Schließlich decken die Aufgabengebiete ein breites Spektrum ab. «Sie reichen von Arztbesuchen und Gerichtsverhandlungen über Gottesdienste und Theater- oder Musicalaufführungen bis hin zu Vorlesungen und Bildungsreisen», zählt Stefan Richter vom Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher Deutschlands (BGSD) im rheinland-pfälzischen Fußgönheim auf.

Gebärdensprachdolmetscher werden in alltäglichen Situationen, aber auch bei Großveranstaltungen benötigt. Vom Besuch des Dalai Lama bis hin zur Fernsehübertragung des Christopher-Street-Days sei vieles dabei, sagt Richter. «Kurz gesagt: Jede Situation, in der eine Person mit einer anderen sprachlich in Kontakt treten möchte.»

Konzentration ist alles

Im Berufsalltag wird den Übersetzern viel abverlangt. «Das Gebärdensprachdolmetschen erfordert höchste Konzentration, manchmal über Stunden hinweg», erläutert Herwig. Auch bleibe bei der Arbeit kaum Zeit zum Überlegen und Warmwerden - erwartet werden immer sofort 100 Prozent Leistung.

Daher sind laut Richter eine schnelle Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis wichtig. Darüber hinaus müssten Gebärdensprachdolmetscher Neuem gegenüber aufgeschlossen sein und sollten in der Öffentlichkeit sicher auftreten können.

Der Weg in den Beruf führt für die meisten über ein Studium. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg wird das Fach eigenständig angeboten, aber auch als Schwerpunkt innerhalb der Rehabilitationswissenschaften oder der «Deaf Studies», dem Studium der Sprache und Kultur der Gehörlosengemeinschaft. Wie die meisten anderen Fächer wurde das Gebärdensprachdolmetschen mittlerweile vom Diplom auf Bachelor und Master umgestellt.

«Zu den Studieninhalten gehört, dass die deutsche Gebärdensprache erlernt wird und dass man die Lebenssituation und Kultur Gehörloser kennenlernt», erklärt Richter. «Darüber hinaus gehören aber auch Psychologie, Berufsethik und das Dolmetschen selbst dazu.» Für die Ausbildung seien Grundkenntnisse der Gebärdensprache von Vorteil. «An einigen Hochschulen sind sie sogar Zugangsvoraussetzung», fügt der Experte hinzu.

Freiberufler mit guter Auftragslage

Bereits mit dem Bachelorabschluss ist nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit ein Berufseinstieg möglich. Dabei müssen sich Gebärdensprachdolmetscher nach ihrem Studium meist entscheiden, welche Einsatzgebiete für sie infrage kommen. Wer Führungspositionen, spezielle Aufgabenbereiche oder einen Job in der Forschung anstrebt, muss an den Bachelor meist noch ein Masterstudium anhängen.

Egal, wofür man sich letztlich beim Gebärdensprachdolmetschen entscheidet: Über mangelnde Beschäftigung dürften sich wohl die wenigsten beschweren. «Insbesondere in Ballungsräumen wie Berlin ist eine sehr gute Auftragslage vorhanden», sagt Richter. «In Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern herrscht sogar Dolmetschermangel.»

Den Beruf des Gebärdensprachdolmetschers ergreifen vor allem Frauen. «Darunter sind viele Kinder von Gehörlosen», sagt Silke Herwig vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer. «Es entscheiden sich aber auch viele dafür, die zwar keinen familiären Bezug haben, die Gebärdensprache aber trotzdem spannend finden.» Nach dem Studium arbeiten die meisten Gebärdensprachdolmetscher als Freiberufler. Sie müssen daher für die Auftragsakquise lernen, sich selbst zu vermarkten.

ham/kat/news.de/dpa
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