Die Lehramtsausbildung in Deutschland ist an einem kritischen Punkt gelandet. Weil es nicht genügend Lehrer gibt, werben sich die Länder gegenseitig die Pädagogen ab. Und aufgrund der Bologna-Reform könnte die Zahl der Lehrer ingesamt zurückgehen.
Die Kultusminister beraten heute über eine praxisnähere Lehrerausbildung. Zugleich stehen die zuletzt heftig kritisierten Bachelor- und Masterstudiengängen an. Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Henry Tesch (CDU) hatte im Vorfeld moniert, dass die West-Länder mehr auf die Ausbildung von Lehrern setzen müssten, anstatt sie aus Ostdeutschland abzuwerben.
Er kritisierte, dass Länder wie Hessen und Hamburg versuchten, Lehrer aus anderen Bundesländern mit Geld und weiteren Vergünstigungen zu locken, um eigene Defizite zu beheben. Der Schweriner Minister setzte sich zudem für eine zügige Angleichung der Lehrerbezüge in Ost und West ein.
Weiteres Thema der Konferenz soll die Weiterentwicklung des sogenannten Bologna-Prozesses sein. Dabei soll unter anderem die Studiendauer bei Bachelor-Studiengängen von Fach zu Fach flexibler geregelt und die Stofffülle deutlich begrenzt werden. Zudem soll die Anerkennung von Studienleistungen bei einem Hochschulwechsel garantiert werden. Details sollen in Waren beraten werden.
Die Studiensituation in den Bachelor-Studiengängen, in der inzwischen 65 Prozent aller Studienanfänger ihre Ausbildung beginnen, war einer der Hauptkritikpunkte des Bildungsstreiks von Schülern und Studenten im Sommer. Aber auch unter Professoren wächst die Kritik an zu starren Vorgaben. Deutschland hat sich zusammen mit über 40 anderen Staaten in der sogenannten Bologna-Erklärung verpflichtet, bis 2010 sein Studiensystem komplett auf die aufeinander aufbauenden Bachelor- und Masterstudiengänge umzustellen.
ham/kat/news.de/dpa