Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat sich im Streit um die Schweinegrippen-Impfstoff zu Wort gemeldet. Die deutschen Behörden hätten bei allen drei Herstellern bestellt, wobei der Bundeswehr schlicht ein anderer Impfstofftyp zugefallen sei.
Kurz vor Beginn der Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe ist eine heftige Diskussion um die Zusatzstoffe entbrannt.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bezeichnete alle drei in der Europäischen Union zugelassenen Präparate als sicher. Dagegen nannte der Virologe Alexander Kekulé aus Halle Impfstoffe mit Verstärkerstoffen «übertrieben» im Kampf gegen die Schweinegrippe. Viel geeigneter sei der Impfstoff, für den sich die Bundeswehr entschieden habe, sagte er dem Radiosender MDR Info.
In der EU sind bislang drei Impfstoffe zugelassen: Pandemrix vom britischen Hersteller GlaxoSmithKline (GSK), Focetria vom Schweizer Pharmaunternehmen Novartis und Celvapan des US-Pharma-Herstellers Baxter. Die Bundeswehr hat dem Verteidigungsministerium zufolge Celvapan bestellt - ohne Verstärkerstoffe oder quecksilberhaltigen Konservierungsmittel.
Einige Ärzte hatten vor angeblich unkalkulierbaren Nebenwirkungen bei den Impfstoffen Pandemrix und Focetria gewarnt. Studien über einen Vergleich der Nebenwirkungen gibt es nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts jedoch nicht.
Ulla Schmidt wies Kritik am Vorgehen der Bundeswehr zurück. «Die Impfstoffe sind alle drei sicher, alle drei getestet und alle drei können eingesetzt werden», sagte die Gesundheitsministerin. Es gebe aber unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Zum Beispiel könnten Schwangere mit einem Präparat ohne Zusatzstoffe («nicht-adjuvantiert») geimpft werden. Die deutschen Behörden hätten bei den drei unterschiedlichen Herstellern bestellt. «Das Unternehmen, bei dem die Bundeswehr bestellt hat, hat eben einen nicht-adjuvantierten Impfstoff», sagte Schmidt. «Die Aufregung, die da entstanden ist, ist mit überhaupt nichts zu rechtfertigen.»
Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab Entwarnung bei Pandemrix. «Grundsätzlich ist die Verträglichkeit gleichwertig, und der Stoff erfüllt alle EU-Kriterien», sagte Sprecherin Susanne Stöcker. Auch die Quecksilberverbindung zur Konservierung der Impfstoffe stelle keine Gefahr da. Das verwendete Thiomersal enthalte kein Quecksilber wie im Fieberthermometer, sondern eine organische Quecksilberverbindung. Die Menge sei wesentlich kleiner als die, die eine Schwangere pro Woche aufnehmen dürfe.
Für die meisten Menschen in Deutschland genügt eine einfache Impfdosis gegen die Schweinegrippe. Das geht aus den vorläufigen Empfehlungen zum Impfstoff Pandemrix hervor, die das Robert Koch-Institut veröffentlichte. Darin werden drei Gruppen unterteilt: Kinder von sechs Monaten bis neun Jahren erhalten zwei halbe Erwachsenendosen im Mindestabstand von drei Wochen. Menschen von 10 bis 60 Jahren bekommen eine Dosis. Erwachsene über 60 Jahre benötigen zwei Dosen im Mindestabstand von drei Wochen.
Die Impfungen werden voraussichtlich am 26. Oktober beginnen und zwar in folgender Reihenfolge: Medizinisches Personal, chronisch Kranke und Schwangere ab dem vierten Monat. Danach alle anderen.
Angesichts der Versorgungslücken mit Impfstoffen in einigen EU-Staaten erteilten die europäischen Gesundheitsminister der EU-Kommission den Auftrag, sich um eine gemeinsame Beschaffung zu kümmern. Beteiligen wollen sich die baltischen Länder sowie Malta und Bulgarien. Die Brüsseler Behörde soll für diese Länder den Einkauf bei den Pharma-Konzernen oder ausreichend versorgten Mitgliedstaaten koordinieren.
Schmidt nannte einen Verkauf übriger deutscher Bestände als «denkbar». Die von der Bundesregierung bestellten 50 Millionen Impfdosen sollen für mehr als ein Drittel der Bevölkerung reichen.
iwi/car/news.de/dpa