Fr., 25.05.12

Schweinegrippe 12.10.2009 Bundeswehr bekommt eigenen Impfstoff

Bundeswehr-Soldaten (Foto)
Deutsche Soldaten im Auslandseinsatz werden als erste gegen Schweinegrippe geimpft. Bild: dpa

Ein Serum gegen die Schweinegrippe, das keine strittigen Zusatzstoffe enthält? Für die Bundeswehr-Soldaten existiert es offenbar, wie das Verteidigungsministerium bestätigt. Die Bürger sind empört - zu recht? Nein, meint das Paul-Ehrlich-Institut.

Die Bundeswehr hat für ihre Soldaten einen eigenen Impfstoff gegen Schweinegrippe ohne die bisher bekannten umstrittenen Zusatzstoffe bestellt. Das Verteidigungsministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung Westfalen-Blatt. Zuerst sollen die Soldaten geimpft werden, die im Auslandseinsatz sind oder sich darauf vorbereiten.

Die Zeitung schreibt, anders als das Serum, das der Zivilbevölkerung als Schutz gegen die Infektionskrankheit geimpft werden solle, enthalte der Impfstoff für die Soldaten weder umstrittene Zusatzstoffe noch quecksilberhaltige Konservierungsmittel. Bei dem Impfstoff handele es sich um das Serum Celvapan des Pharma-Herstellers Baxter, das erst am 6. Oktober von der EU zugelassen worden sei.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass die Bundeswehr diesen Impfstoff bestellt hat. Die Bundeswehr müsse vor allem zum Schutz der Soldaten im Auslandseinsatz sowie ihrer Angehörigen schnell und unabhängig impfen können, um Risiken zu minimieren.

Das Paul-Ehrlich-Institut bemüht sich nun, die Empörung abzudämpfen. «Es gibt drei zugelassene Impfstoffe, Focetria, Pandemix und Celvapan. Sie sind in gewisser Weise unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung, aber alle haben in klinischen Studien Kriterien wie Wirksamkeit, Qualität und Verträglichkeit bewiesen», betont die Sprecherin des Instituts, Susanne Stöcker, im Gespräch mit news.de.

Celvapan von Baxter unterscheide sich von den anderen beiden Wirkstoffen der Pharmakonzerne Novartis und Glaxo Smith Kline dadurch, dass er als Ganzvirusimpfstoff die Wirkungsverstärker schon mitbringe, erklärt sie. «Das Immunsystem springt darauf stärker an als auf einen Spaltimpfstoff. Es wurde jedoch vor Jahrzehnten beschlossen, auf Spaltimpfstoffe umzustellen, weil dadurch das Immunsystem nicht so stark gepuscht wird», sagt Stöcker.

Kein Giftzeug, sondern natürlicher Ursprung

Um genauso wirksam zu sein, enthalten Spaltimpfstoffe mehr Antigene. Da sich die Produktionskapazitäten ob der nun sprunghaft erhöhten Nachfrage jedoch nicht im Handumdrehen vervielfachen ließen, sei man wieder auf Verstärker angewiesen. «Das ist aber kein chemisches Giftzeug, sondern eine Öl-in-Wasser-Emulsion mit biologischem Ursprung», betont Susanne Stöcker. Eine der Substanzen sei ohnehin im Blut und zudem vor allem in Olivenöl enthalten, eine andere in Getreide oder Mais.

Zudem brächten diese Verstärker den Vorteil mit sich, dass sie auch leichte Veränderungen des Virus abdeckten, die insbesondere beim pandemischen H1N1 stets zu befürchten sind, erklärt die Institutssprecherin. Zwar könnten die Nebenwirkungen etwas stärker und häufiger auftreten als bei der saisonalen Grippeimpfung, sie seien jedoch definitiv nicht gefährlich. «Die Gefährdungspotentiale beruhen nicht auf Daten, sondern auf Befürchtungen», weist sie die Kritik zurück. «Es gibt keinen besseren oder schlechteren Impfstoff.»

Dass das Verteidigungsministerium auf einen anderen Wirkstoff zurückgreift als die Bundesregierung, könnte schlicht taktische Gründe haben. Die Bundeswehr hat 250.000 Kräfte. Möglicherweise sucht sie schlicht die Unabhängigkeit von den Ressourcen der Regierung. Ministeriumssprecher Thomas Raabe sagte in der Bundespressekonferenz, es könnten nicht alle Soldaten auf einmal geimpft werden. Möglichst schnell sollten aber die Soldaten im Auslandseinsatz geimpft werden, derzeit insgesamt 7200.

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin hat den Alleingang der Bundeswehr mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. «Wir haben dazu keinen Bezug», sagte eine Sprecherin. Der Verband der Kinder- und Jugendärzte fordert für Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren ebenfalls ein Serum ohne Verstärkerzusätze.

iwi/kat/news.de/dpa
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Ein Soldat
  • Kommentar 1
  • 09.11.2009 21:08
 

Guten Abend, an dieser Stelle möchte ich mich dagegen verwehren das wir Soldaten einen besseren Impfstoff bekommen. In meinem Fall bekommen wir erst einmal gar keinen Impfschutz. Es ist der 09.11.09 und in unserem Bereich gibt es immer noch Ärzte die uns empfehlen sich gegen die normale impfen zu lassen "hilft genauso". Meine Kaserne ist die Technische Schule der Luftwaffe in Faßberg und hier ist nix zu sehen von der Zweiklassenmedizin ausser das wir keine Impfung bekommen.Ich musste das einmal klar stellen.... MfG ein enttäuschter Soldat aus der zweiten Reihe des Gesundheitssystems!

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