«Deutsche Ausbildungen stehen hoch im Kurs»
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Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Artikel vom 05.10.2009
Etwa 150.000 Deutsche verlassen jedes Jahr das Land, viele auf der Suche nach einem neuen Job. Dabei gibt es viele Stolperfallen. So auch in Dänemark, Schweden und Norwegen, sagt die Übersetzerin Kirsten Langenbach im news.de-Gespräch.
Welche Chancen haben deutsche Bewerber auf dem skandinavischen Arbeitsmarkt?
Langenbach: Sehr gute - deutsche Ausbildungen stehen dort hoch im Kurs. Doch auch dort gilt, dass in der Regel Leute mit Berufserfahrung den Vorzug erhalten.
Und welche bürokratischen Hürden gilt es zu überwinden, um dort arbeiten zu dürfen?
Langenbach: Für die eigentliche Arbeitsaufnahme keine - auch in Norwegen gilt die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus der EU, wie sie für Dänemark und Schweden ohnehin gelten. Man muss sich am Wohnort anmelden - das ist alles. Lediglich wenn man das eigene Auto oder andere wertvolle Einrichtungsgegenstände mitnehmen will, muss man Einfuhrsteuern bezahlen. Das ist besonders für das Auto ein teurer Spaß.
Unterscheiden sich Bewerbungen und Lebenslauf vom Aufbau her von denen in Deutschland?
Langenbach: In der schriftlichen Form nur wenig - außer, dass sie beim Lebenslauf mit dem letzten und daher aktuellen Punkt anfangen. Der Ton im Anschreiben sollte nüchtern sein, auch wenn die Leute mit «Du» angeredet werden. Es gebietet die Höflichkeit, die Bewerbung, wenn schon nicht in der Landessprache, dann doch wenigstens in Englisch zu schreiben. Natürlich können die meisten Leute Deutsch verstehen, aber schließlich will man ja etwas von denen und nicht umgekehrt. Skandinavier sind sehr darauf bedacht, dass auch in einer Firma die Leute miteinander und mit ihren Kunden auskommen. Auch ein Maurer muss die Bereitschaft zeigen, die Landessprache zu erlernen.
Initiativbewerbungen können in Deutschland ja durchaus erfolgreich sein. Wie sieht es damit in Skandinavien aus?
Langenbach: Bei annähernder Vollbeschäftigung ist das nicht nötig, und solange die Wirtschaftskrise andauert, kann man sich damit nur unnötig in die Nesseln setzten.
Angenommen ein Bewerber wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wo stehen hier die Fettnäpfchen?
Langenbach: Man darf nicht vergessen, sich ausgiebig für alles und jedes zu bedanken: Der zweite Satz beim Gespräch (nach Guten Tag) muss lauten «Danke für die Einladung». Wenn man sich trennt, bedankt man sich für das nette, informative Gespräch. Nach einer Woche spätestens sollte man anrufen und «Danke für letztens» sagen - so erfährt man auch, wie die Aktien stehen. Für einen Deutschen hört sich das fast nach Anbiedern an - für einen Skandinavier ist das die Höflichkeit, die man bei einer halbwegs guten Kinderstube haben sollte. Auf der anderen Seite sollte man von sich aus auf Lohn und eventuelle Hilfen beim Umzug zu sprechen kommen - wer das nicht wissen will, ist ja offensichtlich nicht so sehr an der angebotenen Stelle interessiert.
Unterscheidet sich der Dresscode von dem hierzulande?
Langenbach: Wenn man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, ist auch im lockeren Skandinavien Schlips und Kragen beziehungsweise Kostüm angesagt.
Was erwartet einen Bewerber ansonsten bei einem Vorstellungsgespräch? Welche Fragen kann er erwarten?
Langenbach: Man sollte eine Antwort auf die Frage haben, was mit seiner Familie passiert. Wenn man beispielsweise Kinder hat, sollte man bereits die Schulen der Umgebung kennen. Das zeigt, dass man die Bewerbung ernst nimmt. Auch ein Arbeitssuchender darf übrigens seinem Chef dezent darauf hinweisen, dass er noch andere Eisen im Feuer hat.
Woher kann ein Bewerber erfahren, welche Gehälter in seiner Branche üblich sind?
Langenbach: Es gibt Mindestlohn sowie Lohn- und Bedarfstabellen im Internet, die über die europäische Seite der Arbeitsämter zu erhalten sind. Bewerber können davon ausgehen, dass man zumindest am Anfang nicht mehr als den Mindestlohn zahlen möchte. In dem Augenblick, in dem eine konkrete Stelle mit Vertrag angeboten wird, rate ich allen, sich mit der örtlichen Gewerkschaft am zukünftigen Arbeitsort in Verbindung zu setzen und diesen Vertrag überprüfen zu lassen. Das kostet etwas Geld, ist aber wirklich sinnvoll. Arbeitgeber, die den Lohn nicht vollständig oder nur zwei- oder dreimal zahlen, gibt es auch in Skandinavien. Die Gewerkschaften (Landsorganisationen, LO) sind in Skandinavien auch für manche Zusatzversicherungen zuständig - in Dänemark etwa für die Rente zwischen Arbeitsende und dem Erreichen des 67. Lebensjahres. Sie sind über das Internet oder im Telefonbuch zu finden.
Und danach? Wie viel Zeit muss man bis zu einer Entscheidung einrechnen?
Langenbach: In der Regel suchen die Firmen schon länger, bevor sie sich auf ausländische Arbeiter einlassen. Daher bekommt man recht schnell - oft schon beim Vorstellungsgespräch - eine Antwort. Solange die Wirtschaftskrise noch nicht abzuschätzen ist, kann das jedoch auch länger dauern.
Dr. Kirsten Langenbach ist freiberufliche Übersetzerin und Dozentin für skandinavische Sprachen an der Kreisvolkshochschule Elbe-Elster.
bjm/news.de
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Deutsche stehen überall hoch im Kurs nur nicht in Deutschland. Weg hier !!
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