Fr., 25.05.12

Hommage an die Milch 04.10.2009 Fünf Buchstaben zum Glück

Hommage an die Milch (Foto)
Hommage an die Milch Bild: news.de/ istockphoto (Montage)

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Eine nebensächliche Alltäglichkeit. Um es mit einem Wort zu sagen: Es gibt Dinge, über die es sich lohnt - und wenn alle so denken, dann ist es meist schon zu spät. Denken Sie einmal genau darüber nach. Heute: die Milch.

«Die Milch macht's» stand auf meinem Lieblings-T-Shirt, als ich zehn Jahre alt war. Es war milchweiß, die Schrift leuchtend blau, und der Schnitt machte sich irgendwie gut an mir, fand ich. Milch spielte in meinem Leben keine Rolle, aber dieses Shirt war der erste Preis bei einem Schulsportwettkampf und wahrscheinlich auch deshalb ziemlich speziell.

Heute weiß ich, das Hemdchen hatte Recht. Die Milch macht es tatsächlich. Sie macht, dass mein Baby einschläft, und sie macht, dass es mitten in der Nacht wieder einschläft, und sie macht manchmal sogar, dass es am Wochenende früh noch ein kleines bisschen Ruhe gibt. Das kann nur Milch allein, auch wenn das Baby, das besser Spanisch spricht als Deutsch, nach «leche» schreit. Milch, leche, das sind zweimal fünf Buchstaben für die weiße Fee, die bei keinem Einkauf fehlen darf.

Mir selbst wird von Milch eher schlecht. Schon als Kleinkind brach ich sie ins Auto auf dem Weg zum Kindergarten, und Kinder, die in der Grundschule blanke Milch bestellten, waren mir suspekt. Irgendwie unmodern.

Da hat mich mein kindlicher Sinn jedoch getrogen. Denn eigentlich sind Menschen, die auch nach dem Säuglingsalter Milch vertragen, sehr modern. Evolutionswissenschaftlich zumindest. Sobald sich der Mensch nämlich von der Mutterbrust abnabelt, kann er Milch eigentlich nicht mehr vertragen.

Nur, wer entgegen der eigentlichen menschlichen Veranlagung weiter das Enzym Laktase produziert, kommt mit Milch zurecht. Und wird dadurch offenbar größer, stärker und durchsetzungsfähiger als der Rest. Denn in Europa haben sich die Milchtrinker durchgesetzt. Nur weniger als zehn Prozent kommen nicht damit klar.

Trotz meines ambivalenten Verhältnisses zur Milch habe ich also evolutionstechnisch alles richtig gemacht. Die Nachfolgegeneration steht drauf, verträgt Milch und weiß auch ganz ohne T-Shirt: Die Milch macht's!

bjm/news.de
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