Mo., 13.02.12

Bildung im Zeichen von Amokläufen Klare Hausordnung und Ausweispflicht für Schüler

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 01.10.2009

Seit den Amokläufen von Winnenden und Ansbach wird mehr Sicherheit an Schulen gefordert. Ein Thema, dem sich auch die Sicherheitsmesse Safekon in Karslruhe widmet. Doch es müssen nicht die großen Sicherheitsapparate sein, einfache Regeln sind ein Anfang.

Für Sicherheitsfachwirt Steffen Weiß fängt der Schutz an Schulen mit einer funktionsfähigen Hausordnung an. «Die natürlich auch um- und durchgesetzt werden muss», betont der Bereichsleiter für Sicherheit und Veranstaltungen bei der B.I.G. Gruppe. «Begriffe wie ‹sollte, hätte, könnte› haben in solchen Hausordnungen nichts zu suchen.» Viel eher müsse klar gemacht werden, was nicht erlaubt ist und wer Zugang zu einem Schulgebäude hat.

Doch auch über Schließzeiten müsse nachgedacht werden. «Es hat keinen Sinn, eine Schule den ganzen Tag offen stehen zu lassen», meint der Experte. Zwar klinge das im ersten Moment danach, eine freie Entfaltung der Bildung zu verhindern. Doch wenn man allen und jedem den Zutritt ermögliche, lasse sich nicht sicherstellen, dass der Lehrbetrieb ungestört stattfinde. Zudem sei Vandalismus auf diese Weise ständig Tür und Tor geöffnet. Was bei Schulen offenbar abschreckt, sei in Betrieben längst üblich.

Auch Taschenkontrollen hält der Sicherheitsfachmann für eine gute Lösung. Nur so könne verhindert werden, dass Schüler Messer und andere gefährliche Gegenstände in die Lernstätten brächten. Ein Eingriff in die Privatsphäre sei das nicht. «Zumindest nicht mehr als in Betrieben oder auf Messen, auch wenn es dort eher darum geht, Diebstähle zu verhindern», betont Weiß. Außerdem sollte derlei auch nicht systematisch betrieben werden.

Zugleich würden Kontrollen der Hausordnung Geltungskraft verleihen. «Wenn die Eltern und Schüler Kenntnis von dieser haben, wissen sie, was sie nicht dürfen», begründet der Experte. Wer trotzdem ein Messer mitbringe, verstoße absichtlich gegen Regeln. Es gehe letztlich nicht darum, die Rechte des Einzelnen zu verletzen, sondern, alle zu schützen.

Metalldetektoren oder gar Vereinzelungsanlagen wie an amerikanischen Schulen sollten allerdings nicht die Regel sein. An einzelnen Schwerpunktschulen könne man in Zukunft darüber nachdenken, doch der Aufwand sei enorm, sagt der Sicherheitsexperte.

Sicherheit an Schulen sei vor allem eine Frage der Transparenz. «Gerade an Schulzentren, an denen mehrere tausend Schüler unterrichtet werden, geht der Überblick schnell verloren. Eine offene Ausweispflicht, wie sie auch in Betrieben praktiziert wird, kann dagegen helfen», erläutert Weiß.

Trügen die Schüler solche Ausweise im Scheckkartenformat, könnten Lehrer schnell erkennen, ob jemand einer Schule angehört oder ob er im Schulgebäude eigentlich nichts zu suchen hat. Aufwändig sei das nicht. Schließlich sind Schülerausweise an der Tagesordnung. Mit Barcodes für die Ausleihe in der Schulbibliothek und Zugang zu Kopierautomaten verknüpft, würde ein solcher Ausweise also nicht nur Sicherheit bringen, sondern auch effektiv genutzt.

Das seien Grundlagen für Sicherheit an Schulen. Darüber hinaus können Sicherheitskonzepte weiterhelfen. Die aber, so sagt der Experte, lassen sich nicht vereinheitlichen. Viel mehr müssten diese auf Basis der individuellen Anforderungen einer Schule entwickelt werden.

iwi/news.de
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Bildung im Zeichen von Amokläufen: Klare Hausordnung und Ausweispflicht für Schüler » Gesellschaft » Nachrichten

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Leserkommentare (8)
  • Kommentar: 8
  • 02.10.2009 09:32
von
ragnaroekr
Antwort auf Kommentar 7

Das Thema selbst ist erschreckend genug. Daher sollte es auch nicht durch Erklärungsversuche bagatellisiert oder mit sog. "abnormalen" Verhaltensweisen erklärt werden. B: Nach dem Familien und Elternschaft seit Jahrzehnten politisch verächtlich gemacht werden, ereifern sich Eltern allenfalls noch. Denn die Eltern schicken ihre Kinder in Verwahranstalten, wie sie es auch mit ihren Eltern machen (müssen?). Wird die Sorge von Eltern um ihr Kind, das die Hölle in der Schule erlebt, zur Anzeige gebracht, dann darf man sicher sein, dass der Staatsanwalt meint, er ermittele für ein Weichei.

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  • Kommentar: 7
  • 01.10.2009 22:45
von
Minie

Amok ist ein zeichen der Unferstandenheit das fängt Zuhause an und geht in der Schule weiter . Mehr Zuwendung in der Fam. und kleinere Klassen damit der Lehrer die Einzelnen Schüler Wahrnimmt . damit wäre viel gemacht .

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  • Kommentar: 6
  • 01.10.2009 19:31
von
gustav

Wieder ein willkommenes Fressen für die schleichende Legalisierung von Schäubles-Staasi. Anstatt die Ursachen für derart geistige Fehlverhalten zu ändern, wird einfach ein neues Gesetz zur Freiheitseinschränkung beschlossen. Genau nach Plan. Solche Auswüchse sind kein Wunder solange Gewalt und Skrupellosigkeit verharmlost und als "Normal" verkauft wird. Unverantwortlich wenn auch bei den "Öffentlichen" schon im Nachmittags-Programm für 5 jährige, Gewalt zu sehen ist. Zum Glück habe ich meine Fernsehr schon vor 20 Jahren entsorgt. Von den blutrünstigen Gewaltspielen mal ganz zu schweigen.

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  • Kommentar: 5
  • 01.10.2009 17:48
von
Jörg Lehmann

"Bildung im Zeichen von Amokläufern" also... Hmhm... Wusste gar nicht, dass die Schulen sowas mittlerweile schon bewusst ausbilden... Oder sollte es IN ZEITEN heißen^^

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  • Kommentar: 4
  • 01.10.2009 16:42
von
Conrad Krug

Schüler sollten zunächst Anstand und Pflichten vermittelt bekommen, denn diese sind auch später im Beruf Voraussetzunmg. Es kann ja wohl nicht angehen, daß ein Schüler mit Baseballmütze im Klassenzimmer sitzt oder gar mit Sturmhaube, wie kürzlich geschehen und dadurch einen Alarm auslöst. Wenn die Schulen zum rechtsfreien Raum verkommen, ohne die elementarste Benimm- und Kleiderordnung zu verlangen (wenn dies im Elternhaus schon versäumt wurde), ist eine Eskalation wie gehabt fast die logische Folge.

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  • Kommentar: 3
  • 01.10.2009 15:27
von
ragnaroekr
Antwort auf Kommentar 2

Richtig! Warum das politische Kasperle nicht den Amoklauf verbietet, ist mir ein Rätsel. Wenn das Rauchen in der Kneipe verboten wird, warum nicht in die Hausordnung von Schulen ein Zutrittsverbot. Etwa so: Zwischen Schulbeginn und Schulende und danach dürfen nur mit ihrem Geist bewaffnete Personen eintreten. Personen mit Waffen ist der Zutritt nur gestattet, wenn dem Rektor der Waffenschein vorgelegt wird. Eine absurde deutsche Veranstaltung.

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  • Kommentar: 2
  • 01.10.2009 13:14
von
bla

Wer mit einer Waffe zum Pausenende mit in irgendeine Klasse geht, hat innerhalb weniger Sekunden alle beschriebenen Regeln einfach umgangen. Typisch deutsche Vorgehensweisen...

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  • Kommentar: 1
  • 01.10.2009 13:11
von
ragnaroekr

Amok ist m.E. kein Thema, das durch Aufrüstung von Sicherheitstechnik oder -apperates allein aus der Welt geschaffen werden kann.Der gemeinsamen Ursache ist man auch nicht auf der Spur,wenn einem Täter Motive unterschoben werden,meist solche, die auf ein Merkmal hinweisen, das man selbst nicht hat (Waffennarr, usw.).Die gemeinsame Ursache sehe ich darin, dass die Identifikation des Täters mit seiner Schule, usw.zerstört ist und das auch niemand auffällt:Wenn der jahrelang Gemobbte brachial zurückschlägt,dann sollte man das Mobben unterlassen.Die Umgangsänderung ist der Schutz vor der Tat.

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