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Vom Hausmeister bis zur Schließanlage (Bild 1/9)
Sicherheitsfaktor Hausmeister (Foto)
Foto: ddp
01.10.2009

Die öffentlichen Kassen müssen sparen. Deshalb verfügen immer weniger Schulen über einen eigenen Hausmeister. Der kann jedoch nicht nur kleine Reparaturen übernehmen und auf Sauberkeit achten, sondern auch kontrollieren, ob Schultüren gut verschlossen sind.

Nach Winnenden

«Schule darf kein Hochsicherheitstrakt werden»

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Vor einem halben Jahr ereignete sich der Amoklauf von Winnenden. Auf einer Tagung in Bad Boll sind Ideen für die Zukunft von Schule und Pädagogik vorgestellt worden. Mit Pfarrer Wolfgang Wagner spricht news.de über die Ergebnisse.

Herr Wagner, der Evangelischen Akademie Bad Boll ging es in den vergangenen Tagen um die Aufarbeitung des Amoklaufs von Winnenden. Welche Ideen sind daraus für Pädagogik und Schule erwachsen?

Wagner: Nach dem Amoklauf vor einem halben Jahr geht es Schülern und Lehrern darum, wieder eine gute Atmosphäre und Anerkennungskultur in der Schule zu schaffen. Und darüber hinaus die Beziehungen zu stärken, durch zusätzliche Arbeitsgemeinschaften, durch nachmittägliche Betreuung, musische und sportliche Angebote.

Kann eine Schule damit tatsächlich Amokläufen vorbeugen?

Wagner: Tim K. war kein Monster, eher der stille, in sich gekehrte Typ. Einer, der nicht auffiel. Und dem man sich im Gegensatz zu den Auffälligen im Schulsystem auch weniger widmet. Doch in ihm haben sich Kränkungen und Versagensängste angesammelt. Zusätzliche Angebote können helfen, derlei Frustrationen abzubauen.

Das heißt, Schule muss einen Perspektivwechsel wagen?

Wagner: Ganz besonders auf die schwächeren Schüler. Jede Schule muss sich die Frage stellen, wie sie auch mit Versagern umgeht. Bislang sind sie einfach nur sitzen geblieben. Das ist aber keine Lösung und baut nur Frust auf.

Plädieren Eltern, Pädagogen und Sozialarbeiter also dafür, die Schule nicht auf einen Ort des Lernens zu reduzieren?

Wagner: Richtig. Viel eher wird man in den nächsten Jahren daran arbeiten müssen, eine Anerkennungskultur zu entwickeln. Ganz gegen die Realität, die in der Gesellschaft herrscht, in der es oft nur um Wettbewerb, Sieg oder Niederlage geht. Zugleich muss aber auch an der Schule an sich etwas verändert werden. Alle Fachleute plädieren dafür, die Klassenstärken zu verringern. Man kann einfach nicht auf den einzelnen Schüler und seine Probleme eingehen, wenn man 30 Leute vor sich hat. Darüber hinaus sind Lehrer vor allem Pädagogen und keine Seelsorger.

Ist Pädagogik zu sehr auf Fachinhalte konzentriert?

Wagner: Es braucht zumindest eine Ausbildung dahin, dass sich Lehrer die Frage stellen «Wer sitzt vor mir, wen unterrichte ich?». Wichtig ist, nicht länger nur auf die Sache, sondern auch auf den Menschen zu schauen. Schulen sind inzwischen zu stark verwissenschaftlicht, künftig müssen wieder stärker auch die persönlichen Beziehungen gepflegt werden.

Wissen zu vermitteln bleibt dennoch eine wichtige Aufgabe von Schule und
Pädagogik. Was muss inhaltlich getan werden?

Wagner: Das Thema Jugendmedienschutz muss an Schulen groß geschrieben werden. Denn viele Amokläufer haben sich ihre Vorbilder in den Medien gesucht, sich mit ihnen identifiziert, sie nachgeahmt. Zudem ist stark partizipatorischer Unterricht gefragt, ebenso wie Mediation und Gewaltprävention. In Baden-Württemberg ist darüber hinaus ein Religionsunterricht stark gefragt, der ethischen Fragen diskutiert, Werte aktiv vermittelt und sie nicht nur nennt. Allgemein ist Unterricht wichtig, in dem Lehrer nicht nur abstrakt wissenschaftlich über Themen sprechen, sondern sich auch als Persönlichkeit einbringen.

Und wo wird man sicherheitstechnisch ansetzen? Werden Sicherheitskräfte, Wachschutz und Metalldetektoren nach amerikanischem Vorbild künftig auch an deutschen Schulen zu finden sein?

Wagner: In der Tagung ist das von allen Seiten mehrheitlich abgelehnt worden. Aus Schulen dürfen keine Festungen, keine Hochsicherheitstrakte werden. Schulen brauchen mehr Sozialarbeiter und Psychologen, allerdings kann man nun auch nicht jedem Schüler einen solchen Spezialisten an die Seite stellen. Letztlich müssen alle - Lehrer, Schüler, Freunde, Familie - wachsam sein. Was aber umsetzbar wäre, sind Krisenhotlines und Amoksignale für Schulen, Pager für Schulleiter und Amoktraining. Zugleich sollte für so einfach Dinge gesorgt sein, wie Klassenzimmer von innen abschließen zu können. Das kann Leben retten.

Es kostet die Länder und Kommune aber auch eine Stange Geld.

Wagner: Geld in Bildung und Erziehung umzuschichten, wird ein wichtiges Thema der Zukunft sein. Wie gut der Schutz letztlich ist, hängt von der Politik und den Lobbygruppen ab, die ihre Interessen vertreten sehen wollen.

Wolfgang Wagner ist Pfarrer und Studienleiter an der Evangelischen
Akademie Bad Boll. Unter seiner Leitung fand die Fachtagung «Der
Amoklauf von Winnenden. Konsequenzen für Kirche und Gesellschaft» statt.

kat/news.de
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