Mo., 13.02.12

Papiermacher Auf Klo und Schreibtisch präsent

Artikel vom 22.11.2009

Das Papier soll in China erfunden worden sein. Vor mehr als 2000 Jahren. Noch heute ist das vielfältig einsetzbare Produkt weltweit gefragt. Das Handwerk ist inzwischen hochtechnologisiert - und es gibt viele freie Ausbildungsplätze.
 

Etwa 3000 Papiersorten gibt es in Deutschland. Im vergangenen Jahr setzte die deutsche Papierindustrie rund 14,9 Milliarden Euro um und produzierte etwa 22,8 Millionen Tonnen Material.

Damit das so bleibt, sucht die Branche qualifizierte Fachkräfte. Jedes Jahr bleiben Ausbildungsstellen in der Papierindustrie, in der etwa 44.000 Menschen arbeiten, unbesetzt. «Es mangelt in der Regel nicht an Bewerbern, sondern an der Qualifikation der Schulabgänger», erklärt Tanja Reinhold vom Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) in Bonn. «In den Auswahltests und -gesprächen werden häufig von den Personalverantwortlichen fehlende Kenntnisse im naturwissenschaftlich-technischen Bereich festgestellt.» Hinzu komme, dass die Berufsbilder Papieringenieur und Papiermacher - der mittlerweile Papiertechnologe heißt - nicht so bekannt seien.

Die Berufsaussichten in der Branche seien gut, sagt Reinhold. Gerade in Ostdeutschland sieht es mit Fachkräften mau aus. Zum Teil gebe es schon jetzt einen Mangel an Auszubildenden, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums Gernsbach, Stephan Meißner. In der Bildungseinrichtung in Baden-Württemberg kann man sich zum Beispiel zum Papiertechnologen oder Industriemeister Papiererzeugung ausbilden lassen. An den guten Berufsaussichten ändere auch die Wirtschaftskrise nichts.

Papiertechnologen befassen sich nach Worten von Heike Krämer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn mit Fragen wie: Wie entsteht Papier, was sind die Rohstoffe oder wie erfolgt die Blattbildung? Drei Jahre dauert die Ausbildung. Im dritten Ausbildungsjahr wird nach den beiden Fachrichtungen Papier, Karton und Pappe sowie Zellstoff unterschieden. Wer sich für den Beruf interessiert, sollte mindestens einen Hauptschulabschluss mitbringen. Der Job erfordert allerdings nicht nur Kenntnisse zur Herstellung von Feinpapieren wie für Briefe oder Verpackungspapieren für Karton. Krämer zufolge gibt es auch den großen Bereich der Hygiene-, sprich Küchen- und Toilettenpapiere. Allein davon wurden im vergangenen Jahr laut VDP rund 1,4 Millionen Tonnen produziert.

Die Arbeitgeber der Branche schätzen soziale Kompetenzen und Verantwortungsbewusstsein. «Papiertechnologen arbeiten im Team und sind in erster Linie für die Steuerung der Produktionsanlagen zuständig», erklärt Reinhold. Mit den teils mehrere Millionen Euro teuren Maschinen müssen sie daher besonders sorgsam sein. Wer nicht in Schichten arbeiten möchte, sollte diesen Beruf eher meiden. «Eine Papiermaschine stellt man nicht über Nacht ab», sagt Krämer. Pro Schicht arbeiten vier bis fünf Mitarbeiter an der Papiermaschine, die bis zu 200 Meter lang sein kann, ergänzt Meißner. Dabei müssten mehr Regelkreise auf den Computerbildschirmen überwacht werden als bei einer Boeing 747.

In der Papierindustrie sind auch Experten tätig, die ein Studium mitbringen. «Rund 100 Unternehmen produzieren an 140 Standorten Papier, Karton und Pappe - dabei reicht die Bandbreite vom börsennotierten internationalen Konzern bis zum inhabergeführten Familienunternehmen», sagt Tanja Reinhold vom Verband Deutscher Papierfabriken aus Bonn. In den Betrieben arbeiten auch Papieringenieure. Sie sind für die Produktion von Papier, Karton und Pappe sowie für die Herstellung von Zellstoff, Holzstoff und die Aufbereitung des Rohstoffes Altpapier verantwortlich. «Das Studium ist an den Technischen Universitäten in Darmstadt und Dresden, der Hochschule München sowie der Berufsakademie Karlsruhe möglich.»

ham/kat/reu/news.de/dpa
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