Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Deutschland plagen Nachwuchssorgen. Den Betrieben fehlen die Fachkräfte und Schulabgängern die Jobperspektiven. Dabei ist das Problem hausgemacht – von beiden Seiten.
Wenn es um Ausbildung geht, ist das Geschimpfe groß. Gewerkschaften werfen Betrieben vor, nicht genügend Lehrstellen zu bieten. Die Wirtschaft meckert in einer Tour über die miesen Schulnoten ihrer Bewerber und die wiederum darüber, dass Betriebe nur Leute einstellen, die nicht älter als 20 Jahre sind, dafür aber schon 10 Jahre Berufserfahrung haben.
Zugegeben, das ist überspitzt. Es zeigt aber auch ein Phänomen des deutschen Arbeitens: Gesehen wird immer nur das Schlechte. Über Gutes wird selten gesprochen. Ein zweiter Aspekt also, der sträflich vernachlässigt wird: die Kultur der Kommunikation.
Gerade kleine Betriebe verlassen sich oft auf Zeugnisse, die ihnen mit den Bewerbungen ins Haus flattern. Was den klassischen Notenvorstellungen nicht entspricht, wird von vornherein aussortiert. Das spart Zeit, kann Betriebe aber hervorragend praktisch veranlagte junge Nachwuchskräfte kosten. Nur, weil man nicht miteinander gesprochen hat.
Der Spieß lässt sich genauso gut umdrehen. Oft genug verstecken sich Schulabgänger hinter ihren Papieren. Ein freiwilliges Praktikum? In den Sommerferien? Bloß nicht, geht ja auch in der neunten Klasse. Und genauso wenig kommt mancher auf die Idee, nach dem Unterricht einen Gesprächstermin mit einem Betrieb zu vereinbaren, um sich über Berufsmöglichkeiten zu informieren. Stattdessen verlässt man sich lieber auf Internetseiten, die Allgemeingültiges daherbeten.
Also bitte nicht schimpfen, sondern lieber mal ins kalte Wasser springen – alle.
kat/news.de
Als Vater einer Tochter, die gerade auf dem Weg zur Fachhochschulreife ist, bin ich erschüttert über die vollzogene Verschiebung bei den Anforderungsprofilen. Wo früher die Mittlere Reife für Bankkaufmann und Versicherungskaufmann locker reichte, steht heute das Abitur als muß! Hauptschüler fallen durch Raster, weil die Anforderung im Handwerk "ein guter bis sehr guter Realschulabschluß" ist - wo wollen wir eigentlich hin? - Nur noch Akademiker und der Rest fällt durch`s Raster?
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