Mo., 13.02.12

Bewerberkarussell Betriebe brauchen dringend Nachhilfe

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 30.09.2009

Schlechte Mathe- und Deutschkenntnisse, miese Kommunikationsfähigkeiten – das Urteil über Auszubildende fällt in vielen Fällen schlecht aus. Doch auch die Unternehmen selbst verhindern, dass ihre eigenen Stellen besetzt werden.

In jedem siebten Betrieb blieben in den Jahren 2007 und 2008 Lehrstellen unbesetzt. Allein im Osten blieben mehr als ein Drittel der Ausbildungsplätze frei. Die Schuld suchen die Firmen zumeist bei den Jugendlichen. «Ganz krass gesagt heißt es immer ‹Die sind zu dumm›. Aber das ist zu platt», sagt Andreas Pieper, Sprecher des Bundesinstituts für Berufsbildung. Bekanntermaßen spielen demografische Entwicklung und Attraktivität gebotenen Berufsfelder einer Rolle.

Betroffen sind besonders Kleinunternehmen. 70 Prozent der Firmen, die weniger als zehn Mitarbeiter haben, so zeigt eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), bleiben auf freien Leerstellen sitzen.

Einer der Gründe: Viel zu kurzfristig würden sich die Firmen um Azubis bemühen, befanden die Forscher. Ursachen gebe es viele, sagt BIBB-Sprecher Andreas Pieper. «Teilweise ist es Selbstverschulden. Aber auch Rahmenbedingungen wie die aktuelle Auftragslage haben starken Einfluss. Und wenn die im Frühjahr gerade rosig ist, sind so schnell keine Bewerber aufzutreiben.»

Wer hingegen kontinuierlich Lehrstellen anbiete und sich zu festen Fristen Gedanken über die Ausbildung im Unternehmen mache, habe deutlich seltener unbesetzte Stellen. Letztlich sei der Azubi-Mangel aber auch eine Frage der Vermarktung. Wer freie Stellen nur der Arbeitsagentur und den Kammern melde oder auf Initiativbewerbungen warte, geht öfter leer aus, belegt die Studie.

Mit Betriebspraktika lassen sich Stellen schnell vermitteln

Was große Unternehmen erfolgreich praktizieren, stünde auch kleinen Firmen gut zu Gesicht: Betriebspraktika anbieten, freie Plätze im Internet ausschreiben, sich auf Informationsveranstaltungen und Ausbildungsmessen engagieren, direkt in die Schulen gehen. Damit werde eine «unmittelbare Kontaktaufnahme mit potenziellen Bewerbern in deren Lebenswelt betrieben», betonen die Forscher.

Brauchen die Firmen also Nachhilfe? «Sie brauchen auf jeden Fall Unterstützung. Gerade kleine und mittelständische Betriebe», räumt Pieper ein. Die gebe es bei den Industrie- und Handels- sowie bei den Handwerkskammern. Personalrekrutierung und Kontaktpflege so professionell zu betreiben, wie es große Firmen tun, sei für die Kleinen ohnehin schwer zu bewerkstelligen, «ganz einfach, weil die Leute dann in der Produktion fehlen».

Der größte Fehler aber sei: «Dass die Betriebe immer für sich allein losziehen oder nur einen Weg nutzen», so der BIBB-Sprecher. Effektiver sei es, Netzwerke zu bilden, runde Tische und Ausbildungsbündnisse zu schließen, an denen sich Lokalpolitiker, Wirtschaftsvertreter und Schulen gleichermaßen beteiligen. Nur so ließen sich Informationen und Erfahrungen rasch austauschen.

Doch kleine Firmen leiden noch unter einem anderen Manko: «Wir haben festgestellt, dass die Anforderungen, die in den Stellenprofilen an die Jugendlichen gestellt werden, schlicht zu hoch sind», betont Pieper. Viele Betriebe wollen ihre Azubis von Anfang an stark in die Arbeitsprozesse integrieren, die Lehraspekte stünden bisweilen dahinter. Der Befund der Forscher: «In sämtlichen Kompetenzbereichen wie unter anderem bei den Schlüsselqualifikationen und Sekundärtugenden sollen die Jugendlichen scheinbar schon von vornherein sozusagen als ‹Mitarbeiter des Monats› auftreten.»

Jugendliche müssen sich bewegen

Zudem hingen die hohen Ansprüche mit einer stärkeren Spezialisierung der Arbeitsprozesse, aber auch mit dem einstigen Bewerberüberhang zusammen. Letzterer Trend aber kehrt sich um: «Im Osten gibt es den schon lange nicht mehr. Und im Westen wird es in drei bis fünf Jahren auch mehr Lehrstellen als Bewerber geben. Dann werden die Unternehmen auch auf jene Schulabgänger zurückgreifen müssen, die sie bislang aussortiert haben.»

Für die Zukunft heißt das, die Ausbildung besser zu organisieren und die Lehrling nicht nur fachlich, sondern auch sozial und kulturell stärker zu begleiten. «Wer Qualität und Kundenstamm halten will, wird sich daran orientieren müssen», ist der BIBB-Sprecher überzeugt.

Doch auch wenn die Betriebe stärker agieren müssen, die Jugendlichen sind damit noch längst nicht aus der Pflicht genommen. «Auch sie müssen sich informieren, über die naheliegenden Wege hinaus. Zugleich müssen sie sich bewusster machen, das schulische Bildung, Kommunikationsfähigkeit und Innitiative wichtige Elemente für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben sind.»

kat/news.de
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 01.10.2009 09:11
von
Joerg Klauser

es ist leider auch so das betriebe keine azubis wollen sondern einfach praktikanten die kosten weniger es ist einfach so, es wird gespart wo man kann am liebsten bei den löhnen, aber ihr habt auch recht viele sind einfach dumm und können nichtmal richtig deutsch(hochburg berlin)

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