Fr., 25.05.12

Energiebilanz von Lebensmitteln 29.09.2009 Klimakiller Verbraucher

Apfel (Foto)
Ist der Apfel aus der Region wirklich klimafreundlicher in seiner Energiebilanz? Nun, das kommt auf den Verbraucher an. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiterin Anwen Roberts

Der moderne Konsument achtet beim Lebensmittelkauf nicht nur auf Qualität, sondern auch auf die Herkunft der Waren. Lebensmittel aus der Region gelten als klimafreundlich. Fällt doch der Transportweg weg. Doch das stimmt nur bedingt.

Weintrauben aus Argentinien, die bis in unseren Supermarkt gekarrt werden? Orangen das ganze Jahr über? Muss nicht sein, heißt es immer öfter – lieber mal frische Produkte aus der Nachbarschaft einkaufen, beim Ökobauern im Dorf nebenan oder auf dem Wochenmarkt. Lebensmittel aus der Region gelten als sozialverträglicher, weil sie die örtliche Landwirtschaft stärken, und als klimafreundlich wegen der kürzeren Transportwege.

Stimmt nur bedingt, besagt nun eine Studie des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU) gezeigt. Denn um eine zuverlässige Aussage zur Klimafreundlichkeit bestimmter Produkte zu treffen, muss nicht nur der Transportweg, sondern die Energie für den gesamten Herstellungsprozess mit eingerechnet werden.

Heute ist das ein Standardverfahren und heißt Klima-, Öko- oder Energiebilanz. Das IFEU untersuchte sechs Produkte auf ihre Energiebilanz und vergliche jeweils eine regionale Variante (mit Transportwegen zwischen 10 und 50 Kilometern) mit einem Produkt von weiter weg. Die untersuchten Lebensmittel waren Äpfel, Salat, Brot, Rindfleisch, Bier und Milch.

Bei den Äpfeln aus Deutschland waren solche von Streuwiesen aus der Region umweltfreundlicher als die von Großplantagen. Im Importvergleich schnitten alle deutschen Äpfel in Sachen Klimaschutz immer noch besser ab als die importierte Ware, etwa aus Neuseeland. Während bei Äpfeln die Vergleichsstudie noch recht eindeutig ausfiel, war der erwartete Umweltvorteil bei anderen untersuchten Produkten kaum noch vorhanden.

Videokommentar
CO2 auf dem Kassenzettel
Video: news.de

Der Bäcker um die Ecke schneidet schlechter ab

Ausgerechnet das deutsche Leitlebensmittel Brot – was den Franzosen ihre 365 Käsesorten, ist den Deutschen die unüberschaubare Vielfalt ihrer Brotsorten, von Rosinenstuten bis Pumpernickel – schneidet im Regionalvergleich denkbar schlecht ab. Analysiert wurde jeweils ein Ein-Kilogramm-Brotlaib aus konventionell angebautem Weizen in einer regionalen und einer importierten Variante. Ein ökologischer Anbau des Weizens könnte die Energiebilanz zwar verbessern, dies sei aber nicht so bedeutend wie der Backprozess, schreibt das IFEU mit Verweis auf eine ältere Studie.

Gemäß der Studie ist beim Brot die Herkunft also weniger entscheidend für die Ökobilanz, weil der Backprozess der weit größere Energiefresser ist. IFEU-Projektleiter Guido Reinhardt zufolge stecken in einem Brotlaib vom traditionellen Bäcker rund 1,5 Kilowattstunden Energierohstoffe. Damit könne eine Energiesparlampe mehr als 70 Stunden betrieben werden, so Reinhardt. Der überraschend Vorteil der industrieller Fertigung: Große Backstraßen schnitten in Sachen Energie deutlich besser ab als kleinere Bäckereien, bestätigte das Institut, daran ändere auch die relative Länge oder Kürze der Transportwege nichts.

Im Winter lieber Salat aus Spanien

Auch bei der Fallstudie zum Kopfsalat gibt es eine Einschränkung der «Näher ist besser»-Logik: das regionale Produkt schneidet deutlich besser ab, wenn es in der richtigen Jahreszeit angebaut wird. Wird der Salat aber im Winter im Gewächshaus gezogen und beheizt, ist der Kopfsalat aus Spanien deutlich klimafreundlicher - trotz des langen Transportweges. «Die beste Wahl wäre aber, auf regionale winterharte Salatsorten umzusteigen», empfiehlt Projektleiter Reinhardt.

Bei Bier und Milch sind es wiederum gänzlich andere Kriterien, die ihre Ökobilanz beeinflussen – hier hat insbesondere die Art der Verpackung erheblichen Einfluss auf die Klimabilanz. Trotz solcher Einschränkungen und Zusatzfaktoren lautet das Fazit der Forscher, dass regional erzeugte Lebensmittel mehrheitlich ökologisch vorteilhafter dastehen als die Fernware.

Wer häufig mit Auto einkauft, killt die beste Energiebilanz

Welche jedoch die «wichtigste Einflussgröße» auf die Klimabilanz von Lebensmitteln ist, die dennoch gern unterschlagen wird, zeigt das Heidelberger Umweltinstitut deutlich mit seiner Bilanzierung: die Verbraucher. Aus Klimaschutzsicht ist nämlich der Weg zum Supermarkt entscheidender als die Auswahl der Lebensmittel. Fahren Kunden häufig auch für kleinere Besorgungen mit dem Auto zum Supermarkt, spiele die Produktion des Lebensmittels nur noch eine untergeordnete Rolle, heißt es in der Mitteilung des IFEU.

Damit die positive Energiebilanz bei der überlegten Lebensmittelwahl nicht wieder zunichte gemacht wird, gibt es aber ein paar einfache Regeln. Besser für die Klimabilanz seien Großeinkäufe auf täglich ohnehin abgefahrenen Strecken oder der Einkauf zu Fuß oder mit dem Fahrrad, so die Empfehlung des Forschungsinstituts.

kat/ped/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • egon
  • Kommentar 2
  • 01.10.2009 09:41
 

Ich stimme ragnaroekr zu - je mehr die Hysterien, da bewußt und sehr fraglichen Tatsachen gestützt, wegbröckeln, umso lauter wird gezetert! Das aber zur Produktion von Solarzellen, Biosprit u.a. eine große Menge Wasser verunreinigt wird, wird dezent verschwiegen. Und Klimaschutz ist so ein Unwort, schlimmer geht es nimmer. Es gibt keinen Klimaschutz, auch wenn Obama jetzt den "Knopf zum Abstellen" gefunden hat, es gibt Umweltschutz! Ebensowenig gibt es den Klimakiller CO2 - ohne CO2 gäbe es kein Leben aber Dank CO2 gibt es die nächste Spekulationsblase "CO2-Zertifikate"! Es geht um unser Geld!

jetzt antwortenKommentar melden
  • ragnaroekr
  • Kommentar 1
  • 29.09.2009 17:16
 

Es ist mir ein ausgesprochener Gräuel, dieses Problematisieren zu jeder Lebensäußerung anzuhören. Energiebilanzen für Birnen, Co2 beim Autofahren, Lux bei Lampen. Der Krümmungsgrad des Volkes bestimmt sich durch Experten. Der pausenlose Vorwurf macht nur Sinn, wenn er der Abzocke dienen kann. Die kann aussehen: Die angeblichen Vorteile aus einer Feinstaubreduzierung werden dem zu besteuernden Einkommen als geldwertem Vorteil zugeschlagen und aus dem Gesamteinkommen besteuert. Saubere Machenschaften.

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Energiebilanz von Lebensmitteln: Klimakiller Verbraucher » Gesellschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesellschaft/855026515/regionale-lebensmittel-nicht-immer-oeko/1/

Schlagworte:

Aber , Achtet , Ältere , Anbau , Äpfeln , Argentinien , Art , Ausgerechnet , Aussage , Auswahl , Auto , Bäcker , Bäckereien , Bedeutend , Bedingt , Besorgungen , Besser-Wisser , Besser-Wissern , Beste , Betrieben , Bier , Bilanzierung , Brot , Chris Paar , Chris Roberts , Denkbar , Deutlich , Deutsche , Deutschen , Deutschland , Dirk Winter , Dominik Reinhardt , Dorf , Eindeutig , Einfache , Einfluss , Einkauf , Einkaufen , Einschränkung , Einschränkungen , Empfehlung , Energie , Energiebilanz , Energiefresser , Energiesparlampe , Entscheidend , Fahren , Fahrrad , Fällt , Fazit , Fertigung , Forscher , Forschungsinstituts , Franzosen , Frische , Fuß , Gemäß , Gewächshaus , Gezeigt , Gezogen , Gonzalez Spanien , Große , Größere , Guido Balmer , Guido Bergmann , Guido Brunetti , Guido Buchwald , Guido Grünheid , Guido Hammesfahr , Guido Hertel , Guido Kambli , Guido Siebenhaar , Häufig , Heidelberger , Heißt , Herkunft , Herstellungsprozess , IFEU , Importierte , Insbesondere , Institut , Instituts , Jahr , Jahreszeit , Janin Reinhardt , Jeweils , Käsesorten , Kat , Kilometern , Kilowattstunden , Kleinere , Klimabilanz , Klimafreundlich , Klimafreundlichkeit , Klimaschutz , Konsument , Kopfsalat , Kriterien , Kunden , Kürze , Kürzeren , Landwirtschaft , Länge Vorsprung , Langen , Lautet , Lebensmittel , Lebensmittelkauf , Lebensmitteln , Lebensmittels , Lieber , Martha Roberts , Mauri Spanien , Melvin Roberts , Milch , Mitteilung , Moderne , Nachbarschaft , Näher , Neuseeland , News , Nicole Reinhardt , Ohnehin , Ökobilanz , Ökologischer , Orangen , Örtliche , Paar , Petra Winter , Positive , Produkt , Produkte , Produkten , Produktion , Projektleiter , Qualität , Recht , Regeln , Region , Regional , Regionalen , Reinhardt Zé , Richtigen , Rindfleisch , Roberts , Rolle , Sachen , Salat , Scheitert , Schlecht , Schneidet , Schnitten , Schreibt , Spanien , Spanien-Urlauber , Spiele , Sport Regeln , Stärken , Stecken , Stimmt , Strecken , Studie , Stunden , Supermarkt , Täglich , Transportweg , Transportwege , Treffen , Trotz , Überraschend , Umweltinstitut , Untergeordnete , Urban Art , Variante , Verbraucher , Vergleichsstudie , Verpackung , Verweis , Vielfalt , Vorteil , Wahl , Weintrauben , Weit , Weizen , Weizens , Wichtigste , Wiederum , Winter , Winter-Olympionikin , Zuverlässige ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige