Die Saubermänner der Nation
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Spätestens seit der Schweinegrippe ist das Thema Desinfektion wieder in aller Munde. Doch dabei geht es nicht nur ums Händewaschen. Damit gefährliche Keime sich nicht verbreiten können, müssen Profis ran: die Desinfekoren.
Hepatitis, Tuberkulose oder sogar Schweinegrippe - die Erreger von Krankheiten können überall lauern. Damit sie nicht übermächtig werden und sich willkürlich verbreiten, sind Desinfektoren überall im Einsatz. «Etwa 20.000 sind es in Deutschland», schätzt Walter Bodenschatz, Geschäftsführer der Desinfektorenschule Mainz. «Sie arbeiten aber in keinem klassischen Ausbildungsberuf, sondern haben sich entsprechend für die Tätigkeit qualifiziert.»
Desinfektoren arbeiten überall dort, wo Sauberkeit höchst wichtig ist. «Dazu gehören beispielsweise Krankenhäuser, in denen professionelle Reinigungsfirmen eingesetzt werden», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks, Christine Sudhop. «Für Objektleiter von Teams, die im Gesundheitswesen arbeiten, ist diese Ausbildung Voraussetzung», betont Friedemann Schubert, Chef des gleichnamigen Hygiene-Instituts bei Garmisch-Partenkirchen.
In Deutschland gibt es 18 Ausbildungsstätten für Desinfektoren, aber nur in fünf Instituten regelmäßig Lehrgänge. «Etwa 400 Desinfektoren schließen jährlich ihre Ausbildung ab», so Bodenschatz. Außer Reinigungsfirmen und Gesundheitspersonal gehören auch Schädlingsbekämpfer dazu, die bei ihrer Arbeit ebenfalls mit Mikroorganismen zu tun haben. «Wenn Taubenkot vom Dachboden entfernt werden und dieser anschließend desinfiziert werden muss», nennt er ein Beispiel.
Klinkenputzen nicht vergessen
Der Zugang zur Ausbildung scheint relativ einfach, doch der zu lernende Stoff hat es in sich. Die Grundkurse vermittelt wie Infektionskrankheiten bekämpft werden, worauf es bei Sterilisation ankommt. Es geht aber auch um Lebensmittelhygiene, Schädlingskunde und darum wie und welche Desinfektionsmittel eingesetzt werden. Dazu müssen umfangreiche rechtliche Grundlagen gebüffelt werden. Angehende Desinfektoren lernen, wie Räume fachgerecht desinfiziert werden. «Dabei sind Griffflächen wie Türklinken das A und O», erklärt Schubert. Diese zu reinigen, dürfe nicht vergessen werden.
Eine besondere Form ist die Raumdesinfektion, häufig auch Begasung genannt, mit der beispielsweise Formaldehyd vernebelt oder verdampft wird und die kleinsten und verborgenen Winkel erreicht. Wer solche Arbeiten erledigen soll, muss gesundheitlich fit sein und den ärztlichen Nachweis erbringen, Atemschutzgeräte benutzen zu können.
Im Unterricht sprechen die Dozenten ausführlich über Erreger wie Pilze, Bakterien, Viren oder Parasiten und lehren, was sich gegen sie tun lässt. Die Kursteilnehmer erfahren, dass auch Amtsräume, Schulen, Wäschereien, Badeanstalten, Trinkwasseranlagen und sogar pharmazeutische Betriebe ihre Einsatzgebiete sein können.
In 112 Stunden zum Saubermann
Geschult wird in dreiwöchigen Präsenzkursen oder per Fernunterricht. Viele Arbeitgeber übernehmen die Kosten, wenn sie ihre Angestellten zu dieser Fortbildung schicken, die für einige Tätigkeiten zwingend vorgeschrieben ist. Da das Gesundheitswesen in die Kompetenz der jeweiligen Bundesländer fällt, gibt es entsprechend viele Regelungen auch bei der Desinfektorenausbildung. Bodenschatz verlangt für seine Kurse den Hauptschulabschluss oder eine berufliche Qualifikation, ein Mindestalter von 18 Jahren, ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Gesundheitsprüfung. Der Unterricht dauert 112 Stunden. Wer mehrfach fehlt, kann nicht zur Prüfung antreten.
Als am Ende des 19. Jahrhunderts Seuchen in Deutschland ein Problem waren, begann eine organisierte Bekämpfung der Erreger. Sie lag in der Zuständigkeit einfacher Beschäftigter des öffentlichen Dienstes, die keine besonders qualifizierte Ausbildung besaßen. Heute ist organisierte Reinigung und Desinfektion gar nicht mehr wegzudenken. «Der Umsatz der Firmen lag bei fast 11,5 Milliarden Euro», zitiert Sudhof aus der Statistik für das Jahr 2007, der jüngsten Aufstellung.
Diese Ausbildung ist laut Bodenschatz eine Zusatzqualifikation für bestimmte Arbeitsbereiche: «Ich kenne niemanden, der nur Desinfektor bleibt.» Das erworbene Wissen erlaubt beispielsweise nach einem weiteren Kurs den Aufstieg zum technischen Sterilisationsassistenten. Auch eine Karriere vom Hygienetechniker bis hin zum Diplomingenieur für Hygienetechnik ist möglich. Noch fehlt eine bundesweit einheitliche Ausbildung. Während Hessen und Nordrhein-Westfalen die notwendige Fortbildung strikt regeln und eine Prüfung vorschreiben, begnügen sich andere mit Empfehlungen.
ham/kat/news.de/dpa
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