Eine Badewanne voller Kaffee
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Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Artikel vom 25.09.2009
148 Liter Kaffee trinken die Deutschen im Durchschnitt jedes Jahr. Doch schon bei der Lagerung der Kaffeefilter werden Fehler gemacht. Der Tag des Kaffees ist eine Hommage an das beliebteste Getränk der Deutschen - und soll aufklären.
«Häufig steht die Packung neben den Teevorräten», nennt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes, den ersten Faux-pas beim Kaffeemachen. Denn mit der Lagerung des Filters fängt es an. «Wenn sie einen mit Teegeschmack gefärbten Filter verwenden, trübt er den Geschmack des Kaffees.» Ideal wäre es, den Filter beim geruchsneutralen Geschirr und den Kaffee luftdicht in einer Dose im Kühlschrank zu lagern.
In diese Dose umzufüllen wäre allerdings schon der nächste Fehler. «Den Kaffee mit der Packung hineinstellen», darauf besteht Preibisch. So setzten sich die Kaffeeöle nicht so schnell ab, der Kaffee sei länger haltbar und schmecke besser. Und auch Kaffeepads sollten an einem kühlen Ort ihr Zuhause finden, denn die seien ähnlich konzipiert wie ein Filter. «Schnäppchenjäger, die Kaffee im Sonderangebot kaufen, können ihn sogar einfrieren», sagt Preibisch und verweist auf das bleibende Aroma.
Beim Einfüllen des Pulvers in den Filter gelte dann übrigens Omas Faustregel, «da das Kaffeelot leider viel zu selten verwendet wird»: Die nötigen sieben bis acht Gramm Kaffeepulver pro Tasse bekomme man mit einem Teelöffel nur dann in den Filter, wenn man nicht nur ein Löffelchen pro Tasse hineingibt, sondern «noch einen Löffel für die Maschine» dazurechnet. Also zehn Tassen Wasser, elf Löffel Pulver. Holger Preibisch hat auch nichts gegen zwei Löffel für die Maschine einzuwenden.
Der Kaffeeexperte und Chef der Interessenvertretung der deutschen Kaffeewirtschaft mit 101 Mitgliedsfirmen trinkt zuhause am liebsten mit Porzellanfilter handgebrühten Kaffee. Im Büro steht allerdings der Vollautomat, der ganze Bohnen verarbeitet. «Die perfekte Zubereitungsart ist die, die am einfachsten für jeden ist», meint er - ganz egal ob Filter-, Espresso-, Pad-, Kapselmaschine oder Vollautomat.
Und auch der Kaffeeverband mache da keinen Unterschied: Alles, was Kaffee als Grundgetränk beinhaltet, ist in seinem Sinne. «Ob da jetzt Vanille, Zimt oder die extragroße Milchportion dran ist. Die Hauptsache ist, der Kaffee schmeckt.»
Billig heißt, schlecht für die Bauern
Doch den Deutschen schmeckt offenbar der billigste Kaffee am besten. Das Pulver sei ständig irgendwo im Sonderangebot, Holger Preibisch spricht von einem regelrechten Preiskrieg. «Es ist ein brutal hartes Geschäft, diese Preisaktionen im Einzelhandel zu bestehen.»
Doch der Markt für das braune Pulver wächst stetig. Haben die Deutschen im Jahr 2005 noch 143 Liter Kaffee pro Kopf getrunken, waren es im vergangenen Jahr schon 148 Liter – ungefähr eine Badewanne voll. Sogar der Deutschen angeblich liebstes Getränk fällt gegen den Kaffee ab. Der Bierbrauer-Bund hat 111 Liter pro Person im Jahr 2008 gezählt. In den 1970er Jahren war dieses Verhältnis noch umgekehrt. 86 Prozent der Deutschen trinken täglich oder mehrmals wöchentlich Kaffee. Doch Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Erst in den vergangenen acht Jahren sei die Vielfalt hinzugekommen. «Heute finden Sie den Begriff Latte macchiato sogar im Duden», freut sich Holger Preibisch.
Doch soviel Genuss ist nicht immer gut fürs Gewissen. Deshalb setzt sich der Kaffeeverband mit Projekten für die nachhaltige Produktion und gemeinsam mit dem Projekt Fair Trade für fair gehandelten Kaffee ein. Zwar wachse die Nachfrage nach nachhaltigem Kaffee stetig, jedoch auf relativ niedrigem Niveau. Auch deshalb hat der Deutsche Kaffeeverband vor vier Jahren den Tag des Kaffees eingeführt. Er soll nicht nur zeigen, wie viele Kaffee-Geschmacksrichtungen aus den 70 Anbauländern kommen – mit natürlichem Zitronen-, Honig-, Nuss-, Schokoladen- oder Vanillearoma, auch ohne süße Geschmackssirups. Der Tag des Kaffees soll auch auf die Lage der Kaffeebauern aufmerksam machen. «Ihnen muss geholfen werden, damit sie die hohen Anforderungen von Fair Trade und Rain Forest Alliance überhaupt erreichen können», sagt Preibisch.
Der Tag des Kaffees: Das sind 316 Aktionen rund um das braune Getränk überall in Deutschland, unter anderem Plaudern mit Eiskunstläuferin Tanja Scewczenko – der Schirmherrin des Tags des Kaffees – bei einem Käffchen auf dem Bremer Marktplatz, oder auf www.sonntagmorgen.com seine eigene Mischung zusammenstellen, oder sich wissenschaftliche Vorträge über das braune Getränk anhören.
Kaffee ist besser als sein Ruf
Dabei könnte man zum Beispiel erfahren, dass Kaffee besser ist als sein Ruf. Denn Kaffee ist eines der am meisten erforschten Lebensmittel weltweit. Studien zeigen, dass bis zu sieben Tassen Kaffee am Tag das Diabetesrisiko reduzieren können oder präventiv gegen Alzheimer und Parkinson wirkten. All das ist laut Holger Preibisch noch viel zu wenig bekannt.
Gibt es bei all der Lobhudelei auch Negatives über den Kaffee zu sagen? Ja, gibt Preibisch zu. In der Diskussion sind im Moment die immensen Flächen, die vom Kaffeeanbau belegt werden. Und auch der Transport rund um den Globus. «Kaffee wächst nun einmal nur in bestimmten Ländern und wird in Ländern konsumiert, in denen Kaffee nicht wachsen kann.» Umweltstudien zeigen mittlerweile, dass der CO2-Ausstoß nicht hauptsächlich beim Transport anfällt, sondern beim Anbau und Düngen der Pflanze sowie beim Erhitzen des Wassers für das spätere Heißgetränk.
Kaffee müsse transportiert werden, daran könne man nicht rütteln, sagt Preibisch. Allerdings entwickelten die Hersteller inzwischen besseren Dünger und stromsparendere Kaffeemaschinen. «Wir sind dabei, den Menschen das schlechte Gewissen beim Kaffeekonsum zu nehmen.»
iwi/news.de
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